Optimismus verleiht Flügel

Interview mit Heinz Kinigadner

Heinz Kinigadner ist eine Motorsport-Ikone. Vor knapp 30 Jahren wurde der Zillertaler u. a. zweimal Motocross-Weltmeister in der 250-ccm-Klasse, gewann in den 1990ern zahlreiche internationale Rallyes und startete daneben als Sportmanager bei KTM durch, wo er bis heute tätig ist. Wirklich wichtig ist ihm aber die Familie: Seit sein Sohn Hannes nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, engagiert sich Heinz Kinigadner mit seiner Forschungsstiftung „Wings for Life“ dafür, Rückenmarksverletzungen heilbar zu machen. Der ungebrochene Optimist im La-Loupe-Interview!

L.L.

Herr Kinigadner, wofür schätzen Sie Ihre Heimat am meisten?

H.K.

Aufgrund meines Jobs bei KTM bin ich weltweit unterwegs, vom staubtrockenen Afrika über Dubai bis Amerika. Da kennt man die Vorzüge der Heimat schon besser, als wenn man nur im Paradies wohnt. Tirol ist ein dermaßen saftiges, fruchtbares und sicheres Land, wie es kaum ein anderes auf der Welt gibt. Jeder kann sich glücklich schätzen, der hier leben darf!

L.L.

Ihr persönlicher Lieblingsplatz im Zillertal?

H.K.

Da gibt’s jede Menge! Ich besitze zum Beispiel eine Hütte unweit von Hochfügen, wo ich natürlich gerne Zeit verbringe. Und irgendwo auf einem sonnigen Berg zu stehen und über die Gipfel zu schauen, ist immer etwas Schönes.

L.L.

Welche Sportarten prägen Ihrer Meinung nach das Zillertal am meisten?

Heinz Kinigadner
Heinz Kinigadner

H.K.

Der neue Golfplatz liegt genau in meiner Ortschaft und wird die Region in Zukunft bestimmt stark beeinflussen. Ansonsten natürlich das Skifahren, klar. Seit längerer Zeit rege ich außerdem an, das Zillertal fahrradmäßig besser zu erschließen – sei es an der Ziller-Promenade oder für Mountainbikes. Wir haben hier so viele Möglichkeiten! Und ich sehe an anderen Tälern und Regionen, dass das wirklich eine gute Alternative für den Sommer sein kann, wenn man es nicht nur halbherzig macht.

L.L.

Denken Sie selbst oft an Ihre großen Erfolge zurück oder werden Sie eher durch die Medien daran erinnert?

H.K.

Eigentlich Zweiteres. Viel mehr als meine sportlichen Erfolge der Motocross-Karriere sind mir sowieso die Rallye-Abenteuer in lebendiger Erinnerung. Paris-Dakar, Paris-Moskau-Peking, quer durch Australien, Südamerika, Nevada – das sind lauter Erfahrungen, die man ohne die Rennen schwer selbst organisieren und durchführen kann. Das hatte für mich gewaltigen Erlebniswert!

L.L.

Setzen Sie sich gelegentlich selbst noch auf ein Motorrad, nur zum Genuss?

H.K.

Nein, gar nicht mehr seit dem Unfall meines Sohnes vor 10 Jahren. Aber nicht, weil ich die Dinge verteufle, sondern weil ich meinem Sohn versprochen habe, dass seine Verletzung nicht bis ans Ende der Tage so bleiben wird, wie sie jetzt ist. Irgendwann – davon bin ich überzeugt – werden wir zusammen Motorrad fahren können und bis dahin warte ich!

L.L.

Sie sprechen einen Schicksalsschlag an, der neben der sportlichen Karriere Ihr Leben geprägt hat. Würden Sie im Rückblick irgendetwas anders machen?

H.K.

Vieles – obwohl ich eigentlich nichts ganz verkehrt gemacht habe. Nach der Verletzung meines Sohnes habe ich mich für die Verbesserung der Sicherheitsbekleidung stark gemacht. Es wäre natürlich besser gewesen, wenn ich mich früher mit diesem Thema beschäftigt hätte. Aber im Nachhinein ist man ja immer klüger!

L.L.

Wie schaffen Sie es, trotz aller Tragödien in Ihrer Familie unbeschwert zu lachen?

H.K.

Naja, Freude haben wir natürlich keine damit – es ist mitunter das Schlimmste, was einem passieren kann. Mein Bruder sitzt seit 1984 im Rollstuhl, mein Sohn Hannes seit 2003. Er kann nicht einmal Arme und Hände beeinflussen, da ist eine Steigerung ins Negative schwer möglich. Aber mit unserer Stiftung „Wings for Life“ sind wir zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Verbesserung kommen wird – hoffentlich in absehbarer Zeit!

Heinz Kinigardner und Familie
Heinz Kinigardner und Familie

L.L.

„Wings for Life“ wurde vor fast 10 Jahren gegründet. Gibt es erste Forschungserfolge?

H.K.

Bisher wurden 84 Projekte weltweit unterstützt. Um in der Forschung über Rückenmarksverletzungen weiterzukommen, braucht es viele einzelne Puzzlesteine, einige nicht unwichtige wurden bereits gefunden. Noch vor 35 Jahren hat ja jeder Arzt im Studium gelernt, dass Rückenmarksverletzungen nicht heilbar sind. Das Forschungsgebiet ist also noch jung! Wir unterstützen mit „Wings for Life“ ausschließlich Projekte, die sich dem kaputten Rückenmark und seiner Heilung widmen, da bleiben wir sehr fokussiert.

L.L.

Und wer greift Ihnen bei der Stiftung unter die Arme?

H.K.

Nr. 1-Partner ist natürlich Mitbegründer Didi Mateschitz. Red Bull ist im Moment der Hauptgeldgeber, durch ihn können wir die Stiftung kostenfrei halten. Jeder Euro, der bei uns eingeht, landet daher direkt in der Forschung! Nächstes Jahr am 4. Mai findet der Wings for Life World Run statt, bei dem gleichzeitig LäuferInnen in 36 Ländern auf der ganzen Welt an den Start gehen. Dieses Event wird unsere Stiftung auf ein neues Niveau heben, sowohl finanziell als auch den Bekanntheitsgrad betreffend.

L.L.

Zum Abschluss: Ihr größter Wunsch für die Zukunft?

H.K.

Dass „Wings for Life“ den Durchbruch schafft und Rückenmarksverletzungen nicht mehr zwangsläufig zum Rollstuhl führen!

Wordrap

​Familie

Erst durch den Unfall von Hannes bin ich draufgekommen, dass das mit Abstand das Wichtigste ist!

​Optimismus

ständig vorhanden

​Risiko

hat mein Leben mitgestaltet und bestimmt

​Heimat

Zillertal

​Urlaub

Ibiza

Motorsport zum Anfassen

Der alljährliche KINI Fullgas Tag in Schlitters ist ein Pflichttermin für Benzin-Fans. Zu sehen gibt’s 1000e PS hautnah, spektakuläre Shows und viele Sportgrößen und Promis. Der Gesamterlös dieser Motorsportausstellung der Extraklasse geht an „Wings for Life“!

Check den Termin auf: www.kini.at