Skifahren verlernt man nicht!

Interview mit Leonhard Stock

Leonhard Stock wurde 1958 in Finkenberg geboren, ist hier aufgewachsen und lebt heute als Hotelier noch immer hier. Von 1976 bis 1993 startete der heimatverbundene Allrounder im Alpinen Skiweltcup und eroberte 1980 Olympiagold in der Abfahrt. Und nicht nur den Gästen in seinem 4-Sterne-„Olympia-Relax-Hotel“ steht er gerne Rede und Antwort, sondern auch La Loupe!

L.L.

Herr Stock, Ihr Olympiasieg 1980 in Lake Placid kam ziemlich unerwartet. Was bedeutet er Ihnen heute?

L.S.

Für die Allgemeinheit kam mein Sieg sicher unerwartet. Für mich selbst und die Insider allerdings weniger, da ich dort im Vorjahr schon laufend Bestzeiten im Training gefahren war, mich dann aber leider verletzt hatte. In Österreich Abfahrtsolympia-sieger zu sein, ist das Größte – und etwas Bleibendes. Ich sehe heute immer wieder bei Veranstaltungen, wie viele Leute sich noch detailliert an mein Rennen von damals erinnern. Prinzipiell hat der Sieg mein Leben aber nicht verändert, außer dass ich natürlich viel populärer bin als zuvor.

L.L.

Ihre 17 Saisonen lange Karriere weist neben großen Erfolgen auch Verletzungen und Durststrecken auf. Woher kam die Motivation, nicht aufzugeben?

L.S.

Bei einer so langen Karriere ist es logisch, dass auch Verletzungen passieren. Sicher war es mühsam, mich schon in so jungen Jahren immer wieder zurückkämpfen zu müssen, aber ich dachte mir: Das Skifahren kann man doch nicht verlernen! Und es ist mir Gott sei Dank gelungen und hat mein ganzes Leben geprägt. Wenn man immer nur Erfolg hat, lernt man ja nicht, mit Niederlagen umzugehen. Aber nur durch sie lernt man seine Freunde und sein Umfeld wirklich kennen.

​Leonhard Stock
​Leonhard Stock

L.L.

Wussten Sie schon während Ihrer aktiven Zeit, dass Sie später ein eigenes Hotel haben möchten?

L.S.

Das war nicht so geplant, es hat sich so ergeben! Anfangs sollte mein Bruder Josef die elterliche Landwirtschaft und die Pension übernehmen, dann hat ihn aber das „Bratpfandl“ zu sehr in Anspruch genommen. Mein älterer Bruder Hans hat im Sportgeschäft gearbeitet und so übernahm automatisch ich die Pension und den Hof. Im Laufe der Zeit habe ich alles um- und ausgebaut und das Haus auf Vier-Sterne-Niveau gehoben. Ansonsten gab es sicher viele Möglichkeiten, auch später noch eine andere Karriere einzuschlagen, aber ich hatte eine Familie mit drei Kindern und sehnte mich am Ende des Rennsports danach, mehr daheim zu sein. Im Winter gehe ich nach wie vor viel Ski fahren mit meinen Hausgästen und Freunden. Es ist so wunderschön, bei gutem Wetter ein paar Stunden auf den Pisten zu verbringen und dann in der Sonne ein Glaserl zu genießen!

L.L.

Sie haben die elterliche Landwirtschaft angesprochen. Welche Werte haben Sie als Kind vorgelebt bekommen?

L.S.

Wir fünf Geschwister haben von klein auf am Feld und auf der Alm mitgearbeitet, während sich unsere Freunde oft im Schwimmbad vergnügten. Trotzdem waren es wunderschöne Zeiten, die mir im Unterbewussten viel für das Skitraining mitgegeben haben. Durch das ständige Arbeiten und Berggehen war ich schon im Jugendkader den anderen ausdauermäßig und kraftmäßig überlegen.

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L.L.

Als Rennläufer sind Sie dann selbst viel herumgekommen. Hilft das, ein guter Gastgeber zu werden?

L.S.

Ich glaube, das lernt man zu Hause, nicht auswärts. Als Kinder waren wir immer mit den Pensionsgästen zusammen, in der Stube und sogar in unserer Küche. Als ich dann als junger Rennläufer zwischendurch heimgekommen bin, wollten Familie und Gäste immer sofort wissen, was ich alles erlebt hatte. Da musste ich richtiggehend flüchten, um mal meine Ruhe zu haben! Aber prinzipiell lernt man, damit umzugehen, und ich stehe meinen Gästen heute wirklich gerne Rede und Antwort, auch wenn sich die Fragen oft wiederholen. Natürlich will jemand mehr von mir wissen, wenn er schon bei mir im Haus wohnt!

L.L.

Könnten Sie sich vorstellen, woanders zu leben, als in Ihrer Heimat?

L.S.

Eigentlich nicht, denn ich bin ein sehr heimatbezogener Mensch und lebe wahnsinnig gerne hier. Man kennt hier alles, weiß alles und hat alles – ich bin zum Beispiel gerne in den Bergen, gehe jagen und mit meinen Freunden Golf spielen. Also ich fühle mich rundum wohl!

L.L.

Gehören Tradition und Brauchtum für Sie noch zum modernen Lifestyle?

L.S.

Für mich ja, aber da gehen die Meinungen auseinander. Wir haben ja leider schon viele Traditionen verloren im Vergleich etwa mit dem bayerischen Raum, wo die Leute noch in Lederhosen auf die Straße gehen. Bei uns würde man sich traurigerweise dafür schämen. Wir waren ein sehr traditionsbewusstes Tal, und ich finde, wir sollten die handfesten Sachen bewahren und vielleicht ein bisschen verbessern. Der Gast will ja hier den ursprünglichen Lebensstil sehen! Auch bei den jungen Leuten sollte das Brauchtum wieder mehr Anklang finden. Selbst wenn es momentan nicht cool ist – es kommt bestimmt wieder!

L.L.

Haben Ihre Kinder und Enkelkinder eigentlich Ihr skifahrerisches Talent geerbt?

L.S.

Das kann man erst wissen, wenn jemand ernsthaft trainiert. Dann sieht man, ob er die körperlichen Voraussetzungen, das Interesse und den Einsatz mitbringt, in diesem Sport weiterzukommen. Es braucht extremen Ehrgeiz, um ein gewisses Level zu erreichen. Und dann braucht es eben noch Talent, um ganz an die Weltspitze zu kommen.

Skardarasy, Stock, Schultz, Stock
Skardarasy, Stock, Schultz, Stock

Leo Stock im Wordrap

Erfolg

Sehr wichtig für uns in der Tourismusbranche. Erfolg alleine macht nicht glücklich, aber schon ein bisschen stolz.

Urlaub

Ich fahre gerne mit Freunden zum Golfspielen und gehe auf die Jagd. 2 Wochen nur in der Sonne zu braten, das bin ich nicht!

​Ski-Weltcup heute

Taugt mir, ist sehr populär geworden und für den Skisport und Tourismus von großer Bedeutung. Wir haben in Österreich viele Spitzenläufer, denen es gut geht, aber leider auch einige, die finanziell schwer zu kämpfen haben.

​Wunsch an die Zukunft

Gesundheit! Daheim im Betrieb glücklich zu sein – das wünsche ich auch meinem Sohn als Nachfolger –, irgendwann einen schönen Ruhestand mit viel Zeit zum Golfspielen, Jagen und einfach Genießen.