„Große Berge brauchen große Boards!“

Interview mit Paul Gruber vom Longboard Classic

©Longboard Classic

Alles begann 1979 mit einem kleinen Inserat im amerikanischen Skateboard-Magazin. Jake Burton bewarb dort ein Gerät zum Snowsurfing, von dem sich Paul Gruber sofort angesprochen fühlte. Also schrieb der Schweizer einen Brief in die USA und wurde ein Jahr später der erste Kunde von Burton Snowboards außerhalb der USA. Die Snowboardkarriere ließ nicht lange auf sich warten und Gruber wurde zu einem echten Pionier auf dem damals noch unbekannten Wintersportgerät. 38 Jahre und 19 Longboard Classics später ist die Leidenschaft zum Board ungebrochen – und das wird auch im La Loupe Interview deutlich.

L.L. / Sie kommen aus dem schweizerischen Rheintal, an der Grenze zu Vorarlberg. Was führte Sie nach Stuben und warum ist der Ort die perfekte Eventlocation für das Longboard Classic? 

P.G. / Nach ein paar Jahren als Snowboard Teamfahrer für Sims Snowboards gründete ich 1984 mit meinem Partner Harry Gunz die Marke Crazy Banana. Damals war Snowboarden bei den meisten noch unbekannt und auch viele der Liftanlagen ließen uns nur mit viel Überredungskunst auf den Berg. In Stuben war das von Anfang an ganz anders. Rudi Pichler vom Tourismus Stuben sagte nur: Macht mir keinen Ärger und kommt in einem Stück wieder runter. Das war der Startschuss für eine lebenslange Liebe zum Snowboardhimmel Stuben mit meinem Lieblingsberg, der Albona.

Weil wir immer auf der Albona Fotos für Kataloge und Anzeigen machten und all unsere Boards dort testeten, waren wir die erste Snowboardfirma, die lange Boards, die sogenannten Longboards, offiziell ins Programm aufnahmen. Große Berge brauchen große Boards! Diese werden beim Longboard Classic (LBC) zelebriert.

©Longboard Classic
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L.L. / Es heißt, dass Sie an der Mittelstation des Albonagrats vor 20 Jahren die zündende Idee zum Longboard Classic Festival hatten. Was war der Auslöser? Inspirierte Sie das schöne Panorama?

P.G. / Das ist richtig, die Idee kam bei Jacky im Restaurant Mittelstation. Jeden Freitag riefen dutzende Freunde an und fragten uns, wo wir denn am Wochenende boarden gehen. Die Antwort war meistens dieselbe: Albona, Abfahrt um 7 Uhr beim Office von Crazy Banana, dann mit dem ersten Lift rauf. Also sagten wir uns: Wieso veranstalten wir nicht einen offiziellen Tag, an dem sich die Freunde und deren Freunde in Stuben treffen, und wir fahren alle zusammen auf die Albona und runter nach Stuben?

Im ersten Jahr kamen 80 Personen zusammen. Jedes Jahr wurden es mehr und inzwischen fahren fast 500 Fahrer mit. Wir sind das wohl teilnehmerstärkste Snowboardrennen der Welt und all meine alten Freunde aus den 80ern, darunter Terry Kidwell, Shawn Farmer und Jose Fernandes, kommen regelmäßig zu Besuch. Was mich vor allem fasziniert ist die Tatsache, dass Stuben als Wiege des Skisports gilt. Der Skipionier Hannes Schneider ging schon in den 20er und 30er Jahren mit seinen Freunden auf die Albona und die Devise lautete: Wer zuerst im Dorf ist, hat gewonnen. Genau dieses Format haben wir kopiert, denn Snowboarden ist gemeinsam mit Freunden am schönsten.

Hannes ist für mich nicht nur Inspiration am Berg. Er hatte auch Zivilcourage und wurde im März 1938 von den Nazis wegen öffentlicher Äußerung gegen das NS-Regime verhaftet und nach seiner Freilassung mit einem Berufsverbot belegt. Darauf zog er in die USA und baute ein Skigebiet und eine Skischule auf.

©Longboard Classic
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L.L. / Am Samstag, 6. April 2019, findet das Longboard Classic zum 20. Mal statt. Welche Highlights erwarten uns zum Jubiläum?

P.G. / Für mich persönlich ist das Highlight, dass ich meine 40. Snowboardsaison fahre. Wir haben uns lange überlegt, was wir denn noch zusätzlich draufpacken könnten und kamen zum Schluss, dass es so wie es ist, eh schon (fast) perfekt ist. 

Dieses Jahr wird es mehr Musik geben. Ich werde selber mit meiner Band A New Day spielen und dabei werden uns Snowboardlegenden aus aller Welt an den Instrumenten unterstützen. Das Highlight ist die neunköpfige Reggaeband UCee backed by Rootz Radicals Band mit dem nachfolgenden DJ Set der Mortal Combat.

Tagsüber kann man wieder die besten Snowboards der Welt testen, Musik hören oder einfach viele neue Freunde aus über 20 Nationen kennenlernen.

L.L. / In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel verändert: Die Popularität des Snowboards hat sich rasant gesteigert und so auch die Fans des Festivals. An welche Momente erinnern Sie sich ganz besonders gerne? 

P.G. / Wir haben sehr viele Repeater bei uns, das sind Leute, die schon vor 20 Jahren mit dabei waren und nun mit ihrer Familie und ihren Kids kommen. Der jüngste Fahrer war vier Jahre und der älteste knapp 80.

Jedes der 20 LBC hat seinen eigenen Charme, wobei nicht das Wetter sondern der Schnee die wichtigste Komponente ist. Wir haben auf der Website jedes einzelne Jahr aufgearbeitet, vom Wetter, über Ranglisten bis hin zum Schneebericht. Wunderbar ist, dass wir bei jedem Wetter volles Haus haben.

Witziger Weise ist allen das LBC # 8 2007 in bester Erinnerung, an dem es in Stuben 21 Grad hatte und das Rennen nur bis zur Mittelstation ging, zudem war seit Wochen kein Schnee mehr gefallen. So mussten 284 Fahrer über die Almwiesen runter nach Stuben laufen. Das ganze Dorf wurde mit Reggae-Musik beschallt und mit zwei Whirlpools kam Beach-Feeling auf. Es war einfach unglaublich schön und ein wunderbarer Saisonschluss.

©Longboard Classic
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L.L. / Mit dem Longboard Classic Stuben legten Sie den Grundstein für eine neue Tradition. Wie wird es zukünftig weitergehen? 

P.G. / Wenn wir uns bewusst machen, dass die Skipioniere vor 100 Jahren mit dem gleichen Format ihre Zeit verbrachten, führen wir eigentlich nur deren Tradition weiter.In den letzten Jahren hat der Snowboardsport unglaublich gelitten, die Verkäufe gingen massiv zurück, der Rennsport wurde zwar immer professioneller und olympischer, aber die Basis hatte sich vom Sport entfremdet. 

Die Tradition, wie wir sie beim LBC seit 20 Jahren zelebrieren, lebt das Gefühl der Gründungsjahre des Sports. Gleichgesinnte treffen sich zu einem gemeinsamen Sporterlebnis, man ist Snowboarder oder Snowsurfer. Am Abend schaut man gemeinsam Snowboardfilme aus den 70ern und 80ern und staunt, was sich in 40 Jahren alles entwickelt hat. Es spielt keine Rolle, wie viele Tricks und Drehungen du machen kannst, oder ob du weißt, was ein Switch Double Cork 900 ist. 

Der schnelle und überwältigende Erfolg des Snowboards basierte auf dem Aufbrechen von Konventionen, welche das Skifahren Anfang der 80er starrköpfig vorlebte. Man durfte offiziell wieder Freude am Schnee zeigen, gepaart mit der Faszination des Gleitens. Das war der gemeinsame Nenner, der Multiplikator. Wenn wir die Teilnehmer unseres Events über die letzten 20 Jahre anschauen, dann haben wir wahrscheinlich sehr viel richtig gemacht. Dabei kann es so einfach sein: Ride with friends!

Im Moment gibt es viele neue kleine und innovative Snowboardmarken, sogar das Fahren ohne Bindung wird wieder populär. Ich freue mich auf das Comeback der Faszination des Gleitens. Wir sind bereit – am Longboard Classic, the Woodstock of snowboarding!

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Wordrap mit Paul Gruber:

Das erste Mal auf einem Snowboard stand ich mit ... 17, im Februar 1980.

Darum sollte jeder mal eine Fahrt auf dem Longboard wagen: Mehr Länge beim Brett heißt mehr Auftrieb im Pulverschnee.

Rasant oder gemütlich? Rasant ist doch gemütlich!

Hier findet man mich in Stuben nach den Contests: Im Eventzelt, auf der Terrasse des Hotel Post oder in der Mondschein Bar.

©Longboard Classic
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Paul Gruber

Am 6. April 2019 findet das 20. Longboard Classic Stuben statt, das von der Schweizer Snowboardlegende Paul Gruber veranstaltet wird. Rund 500 Teilnehmer genießen dabei die Abfahrt von der Albona hinunter nach Stuben – das bedeutet: 1.000 Höhenmeter Backcountry! Das Starterfeld wird dabei in Masters, No-School und Old-School eingeteilt. Abends wird dann bei der Movie Night gemeinsam in Erinnerungen geschwelgt und bei After-Partys mit anderen Snowboardfans gefeiert.