Einfach mal abschalten...

Interview mit Gebhard Pichler, Tourismusdirektor Stuben

©La Loupe Benjamin Skardarasy

In Stuben kennt man sich – und man arbeitet nicht nur miteinander, man pflegt eine tiefe Freundschaft und zieht gemeinsam an einem Strang. In den letzten Jahren hat sich die kleinste Ortschaft am Arlberg stark entwickelt und ist heute für ihren sportlichen Qualitätstourismus bis über die Grenzen bekannt. Und dennoch ist Stuben ein gemütliches Dorf geblieben, das Gäste bei jedem Aufenthalt mit seinem Charme und seiner Herzlichkeit überzeugt. Der Tourismusdirektor Gebi Pichler erklärt im La Loupe Interview, wie es das beschauliche Bergdorf schafft, mit der Zeit zu gehen. 

L.L. / Mit 92 Einwohnern ist Stuben der kleinste Ort am Arlberg. Warum sollte man ihn trotzdem nicht unterschätzen? Welchen Reiz hat die Destination? 

G.P. / Wir sind zwar der kleinste Ort, aber nichtsdestotrotz ein Arlbergort, der der Qualität verpflichtet ist. Stuben hat deshalb einige Investitionen getätigt, entwickelt sich kontinuierlich weiter und ist eine renommierte Tourismusdestination. 

Der Reiz liegt sicher im kleinen, charmanten Gebirgsort mit seinen vier bis fünf Gässchen, der manchmal wie in die Vergangenheit zurückversetzt wirkt, aber dennoch moderne Akzente setzt – sei es in der Kulinarik, der Ökologie, oder im Wellness-Bereich. Die Schlichtheit, das Ehrliche und dennoch die hohe Qualität, das schätzen unsere Gäste sehr. Die Ruhe ist einzigartig – wir sind ein kleines Hideaway, das neugierig macht.

Auch die einfache Erreichbarkeit ist von großem Vorteil, man braucht hier keine Schneeketten. Wir liegen im Herzen des Arlbergs, in der Nähe von St. Anton, Lech Zürs und dem Sonnenkopf. Und in Stuben selbst braucht man kein Verkehrsmittel, das ist toll.

©Stuben Tourismus Foto: Alex Kaiser
©Stuben Tourismus Foto: Alex Kaiser

L.L. / Welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen, um als kleiner Ort herauszustechen und aufzufallen?

G.P. / Jede Wintersportdestination hat natürlich ihre Besonderheiten, da ist das Herausstrahlen nicht immer so einfach. Wir haben jedoch den Vorteil des Arlbergs und einer schlagkräftigen Marketingorganisation dahinter, was uns beim weltweiten Marketing natürlich enorm hilft. Und die Echtheit und die kleine Größe sind Faktoren, mit denen wir sehr herausstechen, die jedoch auch schwierig zu kommunizieren sind. Doch genau damit möchten wir werben.

L.L. / Seit eineinhalb Jahren sind Sie Tourismusdirektor in Stuben am Arlberg. Zuvor leitete Ihr Vater Rudi Pichler das Tourismusbüro. War es nur logisch, in seine Fußstapfen zu treten?

G.P. / Es war eigentlich kein direktes Ziel, es wurde mir mehr in die Wiege gelegt. Das Tourismusbüro ist eine „One-Man-Show“ und mein Vater hat mich irgendwann gefragt, ob ich die Samstage für ihn übernehmen könnte. Damals war ich noch bei Lech Zürs Tourismus, übernahm aber gerne auch diese Aufgabe. Ich bekam sehr positives Feedback und als mein Vater in den Ruhestand ging, entschied ich mich nach langem Überlegen dafür, sein Büro zu übernehmen. Stuben liegt mir sehr am Herzen und es ist wirklich ein Traumjob. Das schöne: Ich kann meine eigenen Wege gehen und meine eigenen Visionen verfolgen. Es war also definitiv die richtige Entscheidung. 

L.L. / In den vergangenen Jahren hat sich der Tourismus in Stuben gewandelt.  Auf welchen Tourismus wurde die Marketingstrategie ausgerichtet?

G.P. / Wir haben uns auf drei Themen fokussiert: Aktivität und Sportlichkeit, Genuss und Quality Time. Alles, was wir machen, versuchen wir mit diesen drei Säulen zu verknüpfen. Um diese drei Punkte kommt man in Stuben einfach nicht herum. 

©Stuben Tourismus Foto: Alex Kaiser
©Stuben Tourismus Foto: Alex Kaiser

L.L. / Stuben ist Ihre Heimat, die sich durch verschiedene Facetten auszeichnet. Welches Bild des Orts wollen Sie nach außen ausstrahlen? 

G.P. / Ein authentisches Bergdorf mit alpinem Charme, das trotz großer Historie und Traditionsbewusstsein moderne Akzente setzt. Es geht um das Echte, das Charmante. Gäste sollen sich im Urlaub wie zuhause fühlen. 

L.L. / Auch zahlreiche Hotels wurden modernisiert. Auf welche Aspekte legen Gäste heutzutage in ihrem Urlaub wert? 

G.P. / Vor allem auf Qualität – und das in allen Aspekten, egal ob das Skigebiet, das Marketing oder die Kulinarik betreffend. Mein Vater sagte immer: „Wenn du in Stuben Urlaub machst, brauchst du keinen Porsche und keinen Pelzmantel, sondern nur eine vernünftige Skiausrüstung“.Das würde ich so nicht mehr unterschreiben – mit Ausnahme des Pelzmantels, den braucht heute nun wirklich niemand mehr. Auch der Stubner Gast fährt heute beispielsweise Porsche oder eine andere hochwertige Marke und legt Wert auf Qualität, sowohl zuhause als auch im Urlaub. 

L.L. / Auch der Sommer wird für Stuben immer interessanter. Wie möchten Sie den Bergsommer in den Fokus rücken?

G.P. / Wir sind viel am Überlegen und möchten zukünftig ein größeres Budget zur Verfügung stellen. Wandern, Mountainbiken und E-Biken sind große Themen, wir möchten aber auch die Auszeit in den Vordergrund stellen: Der Gast kann in Stuben wunderbar zur Ruhe kommen und eine Pause einlegen. Hier gibt es wenige Störfaktoren und man kann sich voll und ganz entspannen. Wir sind aber weiterhin am Brainstormen und suchen nach außergewöhnlichen Möglichkeiten, Gäste anzuziehen.

L.L. / Stuben hat sich in den letzten Jahrzehnten vom kleinen Bergdorf zu einer beliebten Tourismusdestination entwickelt. Welche Vision haben Sie vom Ort? 

G.P. / Wir möchten zukünftig eine Ganzjahresdestination werden –  das ist das Ziel, das alle Strategien verfolgen und das für Stuben langfristig immer wichtiger wird. Wir möchten Gästen ein rundum gelungenes Angebot bieten.

______________________________

©La Loupe Benjamin Skardarasy
©La Loupe Benjamin Skardarasy

Wordrap mit Gebhard Pichler:

Mein Lieblingsplatz in Stuben: Im Sommer das See’le, im Winter überall. 

Im Sommer zieht es mich ...persönlich in die Steiermark, denn dort kommt meine Frau her

Den Winter genieße ich beim ...Skifahren mit meiner Tochter.

Auf der Piste: Adrenalin oder Genuss? Adrenalin auf der Piste, Genuss in der Hütte. 

Fortschritt bedeutet ...eine positive Weiterentwicklung und nicht stillzustehen. 

Mein Geheimtipp für Stuben: Die Wanderung über den Franz-Josef-Weg und das Gofri, dabei innehalten und die Aussicht auf das Klostertal genießen. 

Gebhard Pichler

Nachdem sein Vater Rudi Pichler jahrzehntelang das Tourismusbüro in Stuben leitete, übernahm Gebhard Pichler 2017 die Geschicke des charmanten Bergdorfs. Mit seinem Wissen und seinen Ideen entwickelt sich der Tourismus stetig weiter und fokussiert sich auf die drei Säulen Sportlichkeit, Genuss und Qualität. Eine Erfolgsstrategie, die sich für die Stubener Gastgeber bereits ausgezahlt hat.