Zu Gast in der warmen Stube

Interview mit Thomas Brändle vom APRÈS POST HOTEL

Kaiser, Päpste, Kaufleute und Vagabunden – sie alle passierten Stuben vor über 200 Jahren auf ihrem Weg über den Arlberg. Schon damals verköstigte und beherbergte dort das Gasthaus zur Alten POST alle, die auf der Suche nach herzlicher Gastfreundschaft und einer warmen Stube waren. An diesem Grundgedanken hat sich bis heute nichts verändert – lediglich die Optik und der Name der alten Poststation erstrahlen seit 2015 in neuem Glanz. Im Interview mit La Loupe erinnert Hotelier Thomas Brändle an die Geschichte des Hauses, macht Lust auf die kulinarische Vielfalt im Restaurant und erklärt die Herausforderungen des Tourismus in Stuben. 

L.L. / Wenn Sie hier auf Ihrer großen Sonnenterrasse, dem Sonnendeck 1400, auf 1.407 Meter stehen und das Panorama genießen, was geht Ihnen dann durch den Kopf? Können Sie sich jemals satt sehen an dieser einzigartigen Naturkulisse?

T.B. / Es ist ein sehr schöner Ort. Ich sitze ab und zu bei einem Kaffee auf der Terrasse und genieße die Ruhe und die Aussicht. Vor allem auch im Winter, wenn man die Skifahrer von der Albona runterkommen sieht – da geht mir eine große Dankbarkeit durch den Kopf. Es ist eine Ehre, dass ich hier sein und die Post ein paar Jahre weiterführen darf. Man kann sich an dieser Aussicht fast nicht sattsehen. Wer die Berge liebt, ist hier gut aufgehoben. 

L.L. / Die Geschichte der ehemaligen Alten Post geht zurück bis ins Jahr 1820. Welche Facetten erinnern auch heute noch an das Postamt von damals? 

T.B. / Die Tradition kann man am deutlichsten noch in den alten Gaststuben und im Weinkeller spüren. Das sind die ursprünglichen Orte, an denen wir auch beim großen Umbau 2015 nichts verändert haben. Wir haben drauf geschaut, diese Räumlichkeiten so zu erhalten, wie sie damals waren. Den Weinkeller mit altem Kreuzgewölbe können Gäste bei Weinverkostungen bestaunen. Die alten Gaststuben sind für das À-la-Carte-Geschäft reserviert, auch dort kann man das Flair von damals spüren. Die vordere Stube ist mit weißem Lack bemalt, damals ein Zeichen von Wohlstand. Die hintere Stube ist in altem, dunklem Zirbenholz gehalten. Es hat sich gelohnt, diese alten Traditionsräume zu bewahren.

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L.L. / Nach einem großen Umbau im Sommer 2015 erstrahlt das APRÈS POST HOTEL nun in neuem Glanz. Auf welchen Komfort dürfen sich die Gäste freuen?

T.B. / 2015 hat sich bei uns sehr viel verändert, wir haben das Haus vom Keller bis zum Dachboden renoviert. Dabei haben wir uns selbst sehr viel eingebracht, wollten das Hotel aber nicht überfrachten mit Bildern und Dekoration. Es sollte uns selber darstellen: geradlinig, mit wenig Schnickschnack rundherum. 

Wir haben den Wellnessbereich mit einem kleinen Außenbecken und drei verschiedenen Saunen neugestaltet. Außerdem wurde ein Wintergarten angebaut, der an die ursprüngliche Architektur des Gasthof Post anknüpft. Die Küche und auch 40 Gästezimmer sind komplett neu.

Thomas und Irene Brändle
Thomas und Irene Brändle

L.L. / Auch der Name wurde durch das Wort „Après“ erweitert. Hinter der scheinbar kleinen Veränderung verbirgt sich jedoch auch eine neue Marktausrichtung des familiengeführten Hotels. Was steckt dahinter?   

T.B. / Wir haben uns vor dem Umbau viele Gedanken gemacht: Wie wollen wir uns neu positionieren? Was sind die Schwerpunkte bei uns im Haus? Bei den Recherchen haben wir festgestellt, dass es in Österreich über 200 Posthotels gibt. Um sich da ein bisschen abzuheben, waren wir auf der Suche nach einem neuen Namen. So sind wir nach längerer Überlegung auf das „Après“ gekommen, zum einen, weil es die Zeit „nach“ der alten Post ist und „nach“ der Familie Fritz, die das Haus jahrzehntelang geführt hat. Und „après“ sind auch die Momente „nach“ dem Skilaufen oder „nach“ dem Bergwandern, die der Gast bei uns genießen kann – beim Wellness oder beim Essen. Das hebt uns ab. Die Stammgäste nehmen das neue Konzept gut an und für die neuen Urlauber ist es auch spannend. Wir merken, dass sich die Gästeschicht in den letzten Jahren verändert hat. Die jungen Leute wollen wieder in die Berge und die Natur spüren.

L.L. / Im À-la-Carte Restaurant stehen Klassiker, die schon zu Zeiten der Postkutsche serviert wurden, auf der Karte – kombiniert mit internationalen Kreationen. Welches Gericht sollte man im APRÈS POST HOTEL unbedingt probieren? 

T.B. / Wir verwöhnen unsere Gäste mit österreichischen Spezialitäten – sei es das bekannte Wiener Schnitzel, der Zwiebelrostbraten oder der Kaiserschmarren. Unser Ziel ist es, österreichische Küche im Urlaub schmackhaft zu machen. Zusätzlich gibt es natürlich immer ein paar internationale Gerichte, Fisch oder auch vegetarisch.

L.L. / Was ist denn Ihr persönliches Lieblingsgericht?

T.B. / Ich esse am liebsten Fisch und Gemüse.

L.L. / Stuben hat sich in den vergangenen Jahren als hochalpine Ski- und Bergsportdestination neu positioniert. Können Sie bereits positive Entwicklungen verzeichnen? 

T.B. / Eine Skidestination ist der Arlberg schon sehr lange. Es haben sich die Gästeschichten die letzten Jahre ein wenig geändert, in Stuben wie bei uns im Haus. Von der Positionierung her hat sich Stuben auf die drei Säulen „Quality time“, „einfach genießen“ und „aktiv sportlich sein“ ausgerichtet. Die Gäste wollen sich sportlich aktiv betätigen, genussvoll urlauben und ihre Zeit mit Familie und Freunden verbringen.   

In den Sommermonaten tut sich auch einiges und es zieht die Gäste vermehrt in die Berge. Sie wollen keine Extremsportarten ausüben, aber gemütlich wandern oder E-Biken gehen. Die Höhenlage auf 1.400 m hat ja, wie die berühmte AMAS Studie zeigt, positive Auswirkungen auf den Körper. Wir müssen den Gästen nur noch beibringen, zwei Wochen zu bleiben, damit sich der Körper daran gewöhnt. 

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L.L. / Hatte hier auch die Anbindung an das Skigebiet Ski Arlberg einen großen Einfluss?

T.B. / Für Stuben hat die neue Skiliftverbindung zwischen Stuben-Rauz und Zürs eine große Auswirkung. Stuben ist dadurch ins Zentrum des Arlbergs gerückt. Unser Gast ist jetzt sehr schnell in den anderen Orten – in Lech Zürs, Warth, in St. Christoph und St. Anton. Durch die neuen Liftverbindungen sind natürlich auch der Komfort und die Qualität gestiegen. Ein riesiger Schritt – und für viele in Stuben war es auch ein Grund, sich noch einmal zu trauen, Investitionen zu tätigen. 

L.L. / Aufgrund der klimatischen Veränderungen müssen viele Wintersportorte in Zukunft den Schritt zur Ganzjahresdestination wagen. Wie sehen Sie das? 

T.B. / Ich glaube, Stuben wird weiterhin zwei Saisonen haben: den starken Winter und den Sommer. In Zukunft müssen wir am Arlberg über die Grenzen hinweg denken. Auch die bisher vorwiegend für den Winter zuständige Arlberg Werbung macht sich Gedanken über den Sommertourismus. Es wäre für uns natürlich hilfreich, wenn Stuben, Lech Zürs und St. Anton zukünftig in dieser Hinsicht noch enger zusammenarbeiteten. Wenn alle mitmachen, haben wir eine große Zukunft. Wir haben gute Voraussetzungen.

L.L. / Stuben ist die kleinste der fünf Marken am Arlberg. Was ist Ihre touristische Vision für Stuben? 

T.B. / Neben den großen Playern am Arlberg wird Stuben immer eine wichtige Rolle spielen. Da es für Quantität in Stuben keine großen Ressourcen gibt, liegt die Zukunft von Stuben im weiteren stetigen Ausbau der Qualität auf allen Ebenen. Der ideale, zentrale Ausgangspunkt für Bergsport im Winter wie im Sommer. 

APRÈS POST HOTEL

Thomas Brändle im Wordrap

Wenn man das APRÈS POST HOTEL betritt ... ankommen, wohlfühlen, genießen.

Die wichtigsten Zutaten des „Hannes“-Drinks? Das ist ein Geheimrezept mit einigem an Alkohol, beispielsweise Rum. Der Rest ist Überraschung!

Veränderung ... ist das ganze Leben. Ständig um uns herum. Wir brauchen den Mut, sie anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Stuben in 50 Jahren: Da werde ich immer noch auf der Terrasse sitzen und die Berge anschauen, mich immer noch am schönen Panorama ergötzen, aber hoffentlich nicht mehr die Verantwortung für das Hotel haben.

Piste oder Panoramawandern? Beides.

Familie bedeutet mir ... sehr viel. Ich bin froh, eine starke Frau an meiner Seite zu haben, die bereit ist, mit mir diesen Weg zu gehen. Familie gibt Kraft und sollte gepflegt werden.

Thomas Brändle

Gemeinsam mit seiner Frau Irene führt Thomas Brändle seit 2002 das APRÈS POST HOTEL in Stuben. Nach einer behutsamen Renovierung 2015 führen die beiden es nun in eine neue Ära. Unterstützt wird Thomas Brändle im Hotel von seinen Schwestern Susanne an der Rezeption und Jacqueline, die das Bergrestaurant bei der Albona-Mittelstation leitet. Die Geschichte der Familie Brändle geht in Stuben bis in die 1920er Jahre zurück – und auch knapp 100 Jahre später wird der enge Familienzusammenhalt genauso intensiv gelebt wie damals. 

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