Wenn Berufung zum Beruf wird

Interview mit Franz Klimmer, Skischule ARLalpin, St. Anton

Tief durchatmen, achtsam sein und die Umgebung genießen – diese Philosophie lebt die St. Antoner Skilehrerlegende Franz Klimmer nicht nur selbst, sondern gibt sie auch seinen Schülern weiter. Seiner Leidenschaft zum Wintersport hat er es zu verdanken, dass er als gefragter Skilehrer sowohl am Arlberg als auch in Australien und Amerika sein „Snow-How“ weitergab. Im Interview mit La Loupe erzählt Franz Klimmer von seinen spannenden Erlebnissen im Ausland, seiner Lieblingsabfahrt in St. Anton und seinem Lebenselixier. 

L.L. / Herr Klimmer, Sie sind eine echte St. Antoner Skilegende. Mit wie vielen Jahren standen Sie zum ersten Mal auf den Brettern?

F.K. / Mit drei, vier Jahren. Direkt bei uns hinter dem Haus war der Nassereiner Lift und da fanden auch meine ersten Skiversuche statt. 

Franz Klimmer
Franz Klimmer

L.L. / Nach Ihrem Abschluss zum staatlichen Skilehrer und Skiführer gingen Sie nach Australien, um eine junge australische Rennfahrertruppe zu trainieren. Mal ehrlich, können die Snowy Mountains zwischen Sidney und Melbourne mit dem Arlberg mithalten?

F.K. / Nein, das kann man nicht vergleichen. In Australien sind die Berge sehr niedrig und durch die Meeresnähe ist der Schnee relativ feucht. In der Arlberger Denkweise sind die Snowy Mountains Hügel, obwohl sie in den letzten Jahren aufgerüstet haben. Thredbo ist jetzt ein passables Skigebiet, aber in keiner Weise mit den Alpen zu vergleichen. Das Besondere an Australien ist, dass die Leute eine wahnsinnige Bergbegeisterung verspüren. Die Skigebiete haben eigentlich keine großen Städte wie Sydney oder Melbourne im Umkreis. Die Australier machen also Tagesreisen und kommen am Freitag nach Büroschluss mit dem Bus oder mit dem Auto aus Sydney oder Melbourne. Sie fahren die ganze Nacht durch, brettern dann den ganzen Samstag die Pisten hinunter, fahren dann noch am Sonntag bis zum frühen Nachmittag Ski und im Anschluss geht es schon wieder zurück in die Ballungszentren. 

L.L. / Es zog Sie weiterhin ins Ausland, nämlich nach Sun Valley. Hier traf sich die US-amerikanische High-Society in den 1970er Jahren zum Wintersport – und die österreichischen Skilehrer waren bei den Promis sehr beliebt. An welche Erinnerung denken Sie auch nach all den Jahren noch gerne zurück?

F.K. / Es ist wirklich schön, dass ich die Kontakte seit 45 Jahren erhalten habe. Darauf bin ich ein bisschen stolz, denn es geht über das des Skilehrers hinaus und im Laufe der Zeit sind viele Bekanntschaften zu echten Freunden geworden. In Sun Valley waren ja schon lange vor mir Arlberger Skilehrer, beispielsweise die Pioniere Friedl Pfeifer, Hannes Schneider, Otto Lang oder Herbert Jochum. Sun Valley war Hotspot für die Hollywoodprominenz und die wollte natürlich einen österreichischen Skilehrer. Wir haben viel miteinander erlebt und gefeiert. Jährliche Einladungen von US-Persönlichkeiten zum sportlichen „Skimeeting“ bestätigen meine jahrelange Aufgabe als Botschafter des Arlbergs.

Sowohl der Arlberg, als auch Sun Valley ziehen bis heute das sportliche Publikum an und auch vom Schwierigkeitsgrad und den Abfahrten ist es vergleichbar. An beiden Orten steht wirklich das Skifahren im Vordergrund.

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L.L. / Nach Ihrer Rückkehr aus den USA gründeten Sie in den 1980er Jahren Ihre eigene Skischule in St. Anton. Heute sind Sie mit über 70 Jahren selbstständiger Skilehrer. Haben Sie je daran gedacht, die Skier an den Nagel zu hängen?

F.K. / Nein, Skifahren möchte ich, bis ich nicht mehr kann – genauso wie das Unterrichten. Diese Verbindung zwischen Natur und Sport ist für mich ein Lebenselixier.

L.L. / Skilehrer gibt es am Arlberg viele. Was macht Ihrer Ansicht nach aber einen wirklich guten Trainer und Guide aus?

F.K. / Abgesehen davon, dass er ein exzellenter Skifahrer sein sollte, muss er natürlich eine gute Naturkunde haben. Das bedeutet, er muss über Lawinen und Schneebeschaffenheit Bescheid wissen. Außerdem muss er abschätzen können, welche Abfahrt zu welchem Zeitpunkt befahren werden kann – egal ob bei Pulverschnee oder bei Firn im Frühjahr. Es ist wichtig, dass er Insiderwissen über den Ort und über die Einheimischen vermittelt. Weiter ist die Kommunikation zwischen Skilehrer und Gast wirklich sehr wichtig, sie sollte auch über das Skifahren hinausgehen. 

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L.L. / Wenn Sie auf Ihren Skiern am Arlberg unterwegs sind, welche Abfahrt nehmen Sie am liebsten? Haben Sie einen Geheimtipp für uns?

F.K. / Das Mattun runter von der Valluga nach St. Anton ist sicher für mich eine Lieblingspiste.

L.L. / Sie stammen aus einer Familie, die seit Generationen stark mit dem Winter- und Bergsport verbunden ist. Ist schon abzusehen, ob diese Tradition auch zukünftig weitergeführt wird?

F.K. / Ich habe eine Tochter, die eine begeisterte und gute Skifahrerin ist. Da sich aber andere berufliche Perspektiven ergeben haben, wird es nicht mehr in Richtung Skilehrer gehen. 

L.L. / Seit 2016 ist Ski Arlberg das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs. Wie sehen Sie die Chancen für den Arlberg in Bezug auf die neuen Verbindungen?

F.K. / Die neue Verbindung nach Lech Zürs ist toll und wird von den Gästen sehr gut angenommen. Natürlich bin ich für diese Zusammenschlüsse – aber gleichzeitig auch dafür, bestimmte Sachen zu bewahren. Es sollte noch Täler oder Regionen geben, wo man nur mit Fellen aufsteigen kann. In den Skischulen merkt man auch, dass der Gast weg will von den stark beanspruchten Pisten. So kann man auch den Alltagsstress besser hinter sich lassen und das Skifahren zur Entschleunigung nutzen. 

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Franz Klimmer im Wordrap

Die Arlberg-Skitechnik zeichnet sich durch ... eine lange Historie ... aus. Mit Abstrichen wird sie immer noch weltweit gefahren und unterrichtet.

Präparierte Piste oder Tiefschnee? Beides.

Ohne ... mein Mobiltelefon, meine Erste-Hilfe-Ausrüstung, meinen Rucksack mit allem, was ich für das alpine Gelände brauche ... verlasse ich als Skilehrer nicht das Haus.

Das nehme ich jedes Jahr aus den USA mit: die Entspanntheit der amerikanischen Skifahrer.

Après-Ski ist ... wichtig, sollte aber in einem Skiort nicht dominieren.

Das rate ich Newcomern: Eine sehr gute Ausrüstung zu haben und erste Versuche mit einem Skilehrer zu unternehmen.

Abseits der Piste ... dafür ist der Arlberg weltbekannt.

Franz Klimmer

Der Skilehrerberuf ist in der Familie von Franz Klimmer echte Familientradition, schon sein Vater und seine Onkel übten diese Tätigkeit aus. Als Skitrainer arbeitete er sowohl beim Skiclub Arlberg als auch in Australien und den USA. Bis 2003 leitete er in St. Anton seine eigene Skischule, heute gibt er sein Wissen und seine Techniken als privater Skiguide an seine Schüler aus aller Welt weiter.