Süchtig nach neuen Eindrücken

Interview mit Alexander Kaiser

Alexander Kaiser ist gern outdoor. Landschaft, Sport, Sportfashion und Werbung sind sein Metier als Fotograf. Zu seinen Kunden zählen internationale Top-Firmen. Warum er trotzdem seiner Heimat Arlberg treu geblieben ist und Photoshop als eigene Kunstform sieht, erzählt er im LA LOUPE-Interview.

L.L.

Welche (Foto-)Kunst findet man an Ihrer Wand?

A.K.

Gar keine – ein altes Bauernhaus spricht für sich.

L.L.

Sie sind auf Landschafts-, Sport/Fashion- und allgemeine Werbefotografie spezialisiert. Auf welche Jobs sind Sie besonders stolz?

A.K.

Eine Kampagne im indischen Himalaya und eine im hohen Norden in Spitzbergen, beide für verschiedene Snowboard- und Ski­firmen – das waren sehr spannende und umfangreiche Projekte.

L.L.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Projekte aus?

A.K.

Nach der Möglichkeit, mich selbst kreativ einzubringen und möglichst unbefangen arbeiten zu können.

L.L.

Sie arbeiten international. Ist es auch ein besonderes Gefühl, Aufträge „daheim“ zu erfüllen? Ist man kritischer?

A.K.

Am Arlberg arbeite ich für zahlreiche Kunden (Hotels, Arlberg Tourismus, regionale Banken, private Kunden, Gäste ...). Ein besonderer und langjähriger Kunde ist für mich das Sporthaus Strolz. Es ist ein schönes Gefühl daheim zu arbeiten, weil ich mich hier natürlich am besten auskenne und dadurch optimierter planen und mich vorbereiten kann. Es ist auch immer wieder eine Herausforderung, Altbekanntes neu zu interpretieren.

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L.L.

Machen social media-Kanäle wie Instagram, in denen jeder seine Fotos postet, einem Fotografen das Leben schwer? Posten Sie selbst?

A.K.

Nein, natürlich nicht, ich surfe hin und wieder selber gerne durch die Kanäle und lasse mich inspirieren. Instagram benutze ich auch für meine eigene Vermarktung.

L.L.

Modernes Foto-Equipment spielt alle Stück’ln. Welche Funktionen schätzen Sie besonders? Und kommt es vor, dass sie mit einer einfachen analogen Kamera fotografieren?

A.K.

Ich schätze einerseits die hohe Lichtempfindlichkeit und Geschwindigkeit moderner Kleinbildkameras und andererseits die Schärfe, sowie den unglaublichen Detailreichtum moderner digitaler Mittelformatsysteme. Und nein, analog fotografiere ich nicht mehr.

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L.L.

Welche Rolle spielt die fotografische Technik bei Ihren Outdoor-Einsätzen? Muss man als Fotograf auch ein wenig Meteorologe oder Überlebenskünstler sein? Sportlichkeit gehört ja jedenfalls dazu …

A.K.

Hobbymeteorologe sollte man auf jeden Fall sein, das Hören und Lesen des Wetterberichtes gehört zu meinem Tagesgeschäft. Im alpinen Gelände muss man sich zurechtfinden und sicher fühlen. Entsprechende Kondition, bergsteigerisches bzw. skitechnisches Können sind sicherlich Grundvoraussetzung um effektiv und sicher arbeiten zu können.

L.L.

Drücken Sie lieber im Winter oder im Sommer ab?

A.K.

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz: Gewitterstimmungen im Sommer, Schneegestöber und Wolkenspiele im Winter, Fönstimmungen, etc.

L.L.

Wie viel Photoshop verträgt ein Bild?

A.K.

Ich glaube, dass man das als eigene Kunstform betrachten bzw. auch so kommunizieren sollte. Es gibt das Programm Photoshop und die entsprechenden Möglichkeiten – warum also sollen wir Fotografen sie nicht benutzen? Ohne guten „digitalen Background“ kann man heute als Fotograf nicht mehr bestehen. Man muss die "eingefangenen" Pixel ja auch zu einem Bild weiterverarbeiten können. Früher wurde uns diese Arbeit durch Labors, Chemikalien und verschiedenes Filmmaterial abgenommen. Ich bin auch der Meinung, dass das digitale Fotografieren nicht einfacher ist als das analoge. Die Basis ist immer ein gutes Bild – was nicht drauf ist, kann nicht bearbeitet werden.

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L.L.

Und die stark manipulierten Models in der Fashionindustrie?

A.K.

Die sind natürlich ein eigenes Kapitel. Ich sehe das wie gesagt als eigene Kunstform. Hier wird ein neues virtuelles Wesen voller Träume und Sehnsüchte nach Perfektion und Schönheit geschaffen. Auf jeden Fall sehe ich mir solche Arbeiten gerne an und bin beeindruckt, was alles machbar ist. Das Endprodukt ist ein Teamwork aus Fotograf, Stylist, Visagist und natürlich dem Digital Artist.

L.L.

Wie oft im Jahr brechen Sie zu Foto-Reisen auf. Wie stellt man sich so eine Reise vor?

A.K.

So oft es geht! Die Reisen sind sehr unterschiedlich, einmal mit Rucksack durchs Gebirge, mit dem VW Bus durch Norwegen, Trekking in Nepal oder mit dem Schiff über den Atlantik.

L.L.

Wie schafft man es, bei der täglichen Bilderflut als Fotograf zu bestehen?

A.K.

Durch treue Stammkunden, Erfahrung und „Erfolgs­garantie“.

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L.L.

Hat sich die Foto-Ästhetik in den letzten Jahren gewandelt? Was macht ein schönes Bild aus?

A.K.

Es gibt nicht mehr viel was noch nicht fotografiert wurde. Jetzt zählt, Bekanntes neu zu interpretieren.

L.L.

Nennen Sie uns das vielseitigste Motiv am Arlberg?

A.K.

Die Flexenstrasse mit ihrer Umgebung ist für mich ein zeitloser Klassiker. 

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​Alexander Kaiser im Wordrap

Meine Lieblingskamera/Mein Lieblingsobjektiv?

Arca Swiss Rm3Di/Rodenstock 70mm

​Drei Eigenschaften eines guten Fotografen?

Geduld in der Vorbereitung, Schnelligkeit in der Umsetzung und das Gespür für die richtige Zeit am richtigen Ort.

​Mein liebstes Reiseziel?

Kein bestimmtes, es gibt so viele schöne Plätze.

​Drei Kraftplätze am Arlberg?

Spullersee/Goppenspitze/Rohnspitze, Steinernes Meer/Formaletsch, Erzberg.

Ich bin …

süchtig nach neuen Eindrücken.

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​Ich bin nicht …

so schnell zufrieden.

​Romantiker oder Realist?

Von beidem etwas (als Zwilling im Sternzeichen lässt sich das ja gut unter einen Hut bringen).

​Alex Kaiser im Fokus

Geboren in Wald am Arlberg hat Alex Kaiser bereits früh die Liebe zur alpinen Natur, zum Klettern, Skifahren und Fotografieren entdeckt. Seit 1996 ist er als Fotograf selbstständig und reist für seine Kunden in starke Naturlandschaften auf dem ganzen Erdball. Zahlreiche Auszeichnungen unterstreichen die herausragende Qualität seiner Arbeit.