Saugut durch Fleiß & Selbstironie

Eugen Scalet im Interview

Seit 25 Jahren verlässt kaum ein Wintergast St. Anton am Arlberg, ohne zumindest einmal den Einkehrschwung beim legendären MooserWirt geübt zu haben. Mehrere hundert Menschen bringen die Stimmung in der Après-Ski-Skihütte jeden Tag zum Kochen. MooserWirt Eugen Scalet hingegen zieht lieber die Fäden im Hintergrund – auch für sein neues Erfolgsprojekt, das 4-Sterne-S MOOSER Hotel. Lesen Sie in Folge „das wahrscheinlich schlechteste Interview in LA LOUPE"!

L.L.

Herr Scalet, Sie haben 1989 den unrentablen Bergbauernhof Ihrer Eltern übernommen und daraus mit harter Arbeit den „Olymp der Après-Ski-Szene" geschaffen. Hatten Sie das Konzept vom MooserWirt von Anfang an klar im Kopf?

E.S.

„Olymp", „Mutter aller Skihütten", „Epizentrum des Après-Ski" sind Titel, die uns von den Medien verliehen wurden – wir selbst sehen uns nicht so. Dazu haben wir viel zu viel Respekt vor unseren Kollegen am Arlberg und im ganzen Land. Einzigartig ist sie allerdings, die Après-Ski-Szene, denn das gibt's wirklich nur in Österreich.

Was den MooserWirt betrifft, so steckt entgegen der weit verbreiteten Meinung überhaupt kein ausgeklügeltes Marketing-Konzept dahinter. In unseren Anfängen war es sehr viel Versuch & Scheitern, aber wir haben immer versucht, uns zu verbessern und unseren Gästen ein zufriedenes Lächeln zu entlocken. Im Nachhinein schaut das offensichtlich wie ein Konzept aus, aber wir halten nicht sehr viel von dieser Kaffeesudleserei in die Zukunft.

Und es gibt immer noch sehr viele Dinge, die wir verbessern oder weiterentwickeln können – das hört nie auf. Gott sei Dank.

das MOOSER Hotel
das MOOSER Hotel
Vincents Restaurant at The MOOSER Hotel
Vincents Restaurant at The MOOSER Hotel

L.L.

Auch die MooserWirt-Slogans „Die wahrscheinlich schlechteste Skihütte am Arlberg" und „Saugut und schweineteuer" sind bereits geflügelte Worte. Tun Sie sich schwer mit Eigenlob oder ist dieses Understatement verdeckte Koketterie?

E.S.

Wir haben damals alle Prospekte und Inserate beobachtet, es stand eigentlich bei jedem Betrieb dasselbe, durchaus verständliche Eigenlob drin, aber das war gleichzeitig langweilig und austauschbar. Und da wir immer schon – bei aller Professionalität – auch über uns selbst lachen konnten, brachten wir halt eine Portion Selbstironie hinein.

Wir waren selbst überrascht, dass das so gut angekommen ist. Diese beiden flockigen Sprüche funktionieren allerdings nur, wenn wir hart daran arbeiten, die Gäste zufrieden zu stellen – sonst schlagen sie sehr schnell ins Gegenteil um. Eigenlob ist bei uns tatsächlich verpönt, es gibt noch viel zu viel zu tun. Das viele Lob unserer Gäste tut aber zugegebenermaßen schon gut.

L.L.

Das Modell MooserWirt hat man oft versucht zu kopieren, so recht gelungen ist es nie. Woran könnte das liegen?

E.S.

Wir haben Skihütten oder Après-Ski ja auch nicht erfunden, sondern ebenfalls in gewissem Sinne kopiert. Irgendwo ist alles immer eine Kopie von etwas bereits Bestehendem. Das bloße Nachmachen bringt's allerdings nie – jeder muss seine eigene „Sprache" finden.

Das beste Beispiel ist die Après-Ski-Szene hier heroben am Moos. Jeder einzelne Betrieb ist in seiner Art anders, jeder hat seinen eigenen Stil. Und das schätzen auch unsere Gäste – heute haben sie Lust auf die Sennhütte oder den Heustadl, morgen auf's Krazy Kanguruh oder den MooserWirt, übermorgen auf die eher ruhige und gemütliche Kaminstube, auf's Griabli oder die vielen anderen Betriebe.

Dass wir „Hüttenwirte" uns untereinander bestens verstehen und super zusammenarbeiten, hilft natürlich auch.

Suites @ The MOOSER Hotel

L.L.

Wer so erfolgreich ist, hat aber auch viele Neider. Wie gehen Sie mit Kritik um?

E.S.

Neid und Kritik sind völlig verschiedene Dinge. Neider sind uns sehr recht, denn die verbrauchen extrem viel Energie für ihre Missgunst, da bleibt keine Kraft übrig, selbst „gut" zu werden. Sie scheiden also als potentielle Mitbewerber aus und das freut uns. Die „Guten" unter den Unternehmern – und es gibt bei uns sehr viele – sind einander nicht neidig.

Etwas anderes ist Kritik: Da sind wir sehr empfindlich und stellen uns ihr sofort. Manchmal ist sie unberechtigt und wir können Missverständnisse aufklären. Manchmal ist sie natürlich auch berechtigt und dann ärgern wir uns maßlos über uns selbst und arbeiten dann wirklich intensiv daran, unsere Fehler auszumerzen. Und schließlich gibt es auch Kritik, die uns sogar recht ist, denn es ist eine Illusion, es allen recht machen zu wollen.

Es gibt Wünsche oder Bedürfnisse, die wir ganz einfach nicht erfüllen wollen, und so passiert es auch hin und wieder, dass bestimmte Gäste und der MooserWirt halt nicht zusammenpassen. Das ist aber kein Problem, denn wir haben in St. Anton am Arlberg eine dermaßen hohe Dichte an tollen Lokalen, dass für wirklich jeden das passende dabei ist.

L.L.

Täuscht eigentlich das Gefühl, oder hat der große Hype um den Après-Ski schon den Zenit überschritten?

E.S.

Das heißt es schon seit sehr langer Zeit. Ich glaube aber, dass man nicht von einem „Hype" sprechen kann, wenn etwas – wie in unserem Fall – schon 25 Jahre lang funktioniert. Hypes haben eine viel viel kürzere Lebensdauer. Fakt ist aber, dass sich wie alles in der Welt auch der Après-Ski laufend ändert und anpasst. Der MooserWirt 2015 hat nichts mehr mit dem MooserWirt 2005 oder dem MooserWirt 1995 zu tun.

Mit dem von 1989 schon gar nicht. Sich stetig Schritt für Schritt zu verändern und hoffentlich zu verbessern, ist der Hauptgrund für lang anhaltenden Erfolg – nicht nur für den Après-Ski, sondern für die ganze Tourismusbranche. Wenn man sich die Entwicklung von St. Anton am Arlberg seit der legendären Ski-WM 2001 ansieht, dann spricht das Bände.

Mooserwirt at St. Anton / Arlberg
Mooserwirt at St. Anton / Arlberg

L.L.

Für viele Touristiker in den Alpen gibt es nur 2 Jahreszeiten: den Winter und die Baustelle. Wie haben Sie das in den letzten Jahrzehnten erlebt?

E.S.

Genau so! Heuer haben wir das erste Mal seit 24 Jahren nichts Größeres umgebaut, das war für uns und unsere Mitarbeiter doch einigermaßen „komisch"…

L.L.

Wie sieht Ihr Tagesablauf an einem normalen Wintertag aus?

E.S.

Ich arbeite zu 95 % im Background, denn meine Berufung ist die eines Büroheinis. Meine Arbeitstage sind das ganze Jahr über eigentlich gleich. Mich amüsiert oft, dass Leute glauben, ich würde die Füße hochlagern, wenn der MooserWirt geschlossen ist, aber meine Freunde und vor allem meine Frau wissen, dass ich nicht nur 7 Tage in der Woche arbeite, sondern sogar im Urlaub sehr gerne jeden Tag ein paar Stündchen herummoosere.

Ich bin ein begeisterter Frühaufsteher, denn von halb sechs bis acht läutet kein Telefon, es gibt keine Termine und ich kann sprichwörtliche Berge der mittlerweile völlig lächerlichen österreichischen Bürokratie abarbeiten. Dann „erwachen" unsere Betriebe und es wird nie langweilig. Wir versuchen aber, im Hintergrund perfekte und harmonische Voraussetzungen zu schaffen, so dass sich alle unsere Mitarbeiter auf das Wichtigste – die Gäste – konzentrieren können.

Und hier muss ich auch klarstellen, dass der MooserWirt keine Einzelleistung ist, sondern ausschließlich durch das Herzblut vieler wertvoller Mitarbeiter funktioniert – an erster Stelle natürlich meine Frau AnnaMaria, die ja vom allerersten Tag an mindestens 10 verschiedene Jobs gleichzeitig erledigt.

L.L.

Sehr spannend ist auch Ihr „neues Baby", das MOOSER Hotel. In unmittelbarer Nähe zum MooserWirt bietet es inhaltlich ein ziemliches Kontrastprogramm. Wie gut vertragen sich Luxushotellerie für ruhesuchende Gäste und Après-Ski-Partys für die breite Masse?

E.S.

Viele Experten haben uns prophezeit, dass das nie funktionieren kann. Also haben wir es versucht. Und die Auslastung der vergangenen drei Winter und die vielen tollen internationalen Stammgäste, die wir bereits haben, widerlegen die Experten. Sehr interessant ist übrigens, dass über drei Viertel unserer Hotelgäste vorher nie in St. Anton am Arlberg waren, sondern von anderen bekannten Orten im In- und Ausland zu uns „abgewandert" sind.

The MOOSER Hotel
The MOOSER Hotel

L.L.

Wo fühlen Sie sich heute persönlich wohler, im Getümmel der Skihütte oder im gediegenen Ambiente des Hotels?

E.S.

Grundsätzlich überall, aber – jeder Esel wird ja irgendwann auch einmal ruhiger – immer häufiger im MOOSER Hotel. Diese neue Aufgabe ist einfach extrem spannend. Aber dass es schon der MooserWirt ist, der es uns ermöglicht, das Hotel ruhig und konsequent weiterzuentwickeln, vergessen wir natürlich nicht!

L.L.

In welche Richtung wird sich Ihrer Meinung nach der Tourismus in St. Anton entwickeln, sollte man heute besser in Qualität oder Quantität des Angebots investieren?

E.S.

Qualität und Quantität schließen sich nicht aus, denn das gewünschte Resultat von Qualität ist ja genau die Erhöhung der Nachfrage. In St. Anton gab es durch die Ski-WM 2001 eine Art „Relaunch" des ganzen Orts und diese positive Entwicklung zieht sich bis heute durch.

Wenn wir diesen Weg der konsequenten Verbesserung weiter beschreiten, dann ist mir um unseren Ort nicht bange. Wir haben hier gottseidank sehr viele gute und mutige Unternehmer, die zwar in der heutigen „Alles-verhindern-ist-modern"-Zeit keinen leichten Stand haben, aber trotzdem der wichtigste Garant für Weiterentwicklungen sind. Organisationen wie die Gemeinde oder der Tourismusverband können diese Eigenmotivation der Unternehmer nie ersetzen, sondern immer nur helfend begleiten.

Eugen Scalet im Wodrap

Mein Lebensmotto:

Leben und leben lassen.

Das Nervigste an meinem Job:

Die Mitarbeiter

Das Schönste an meinem Job:

Die Mitarbeiter

Ein guter Unternehmer ist …

Ehrlich.

St. Anton am Arlberg ist …

Der Ort, an den ich hingehöre.

The MOOSER Hotel at St. Anton/Arlberg
The MOOSER Hotel at St. Anton/Arlberg