Organisationstalent mit Sportsgeist

Interview mit Peter Mall

Peter Mall kennt sich aus auf den Sport- und Show-Bühnen in seinem Heimatort St. Anton. Als Geschäftsführer der St. Antoner Fremdenverkehrs - Förderungsgesellschaft m.b.H. ist er vielbeschäftigter Veranstaltungsmanager und organisiert Event-Highlights wie das legendäre Skirennen „Weißer Rausch“ oder den Arlberg Giro. LA LOUPE erzählt er, welche Herausforderungen sein Job mit sich bringt.

L.L.

Welche Veranstaltungen sind besonders arbeitsintensiv und welche Events liegen Ihnen speziell am Herzen?

P.M.

Jedes Event hat seine Eigenheiten. Aber der Weiße Rausch im Winter und der Arlberg Giro im Sommer verlangen uns als Organisatoren sicher alles ab. Mit den Winter-Opening-Konzerten beschäftigen wir uns durch die Vorlaufzeit, die die Buchung der Künstler in Anspruch nimmt, schon mal eineinhalb Jahre vorher. Ich kann nicht sagen, dass mir eine Veranstaltung mehr am Herzen liegt als die andere. Ich bin prinzipiell mit Leidenschaft in meinem Beruf tätig und freue mich über jeden Teilnehmer und jeden Zuschauer, der unser Angebot in Anspruch nimmt.

L.L.

Mit wie vielen Mitarbeitern stemmen Sie Ihre Aufgaben? Wie hoch ist der Stressfaktor in Ihrem Job?

P.M.

Wir arbeiten mit einem fantastischen Kernteam. Man spürt bei jedem einzelnen, dass er mit viel Enthusiasmus dabei ist und den Job lebt. Je nach Veranstaltung kommen unterschiedlich viele Personen dazu, die am Veranstaltungstag im Einsatz sind. Beim Opening Konzert, das heuer mit den Sportfreunden Stiller über die Bühne geht, sind es zum Beispiel 30 bis 40 Leute. Für mich ist es schön, mit Menschen zu tun und miteinander Spaß zu haben. Ich gehe gerne ins Büro, weil mein Beruf meine Leidenschaft ist. Darum fühle ich mich nicht negativ gestresst. Wenn ich Freiraum brauche, dann nehme ich ihn mir, sofern es die Zeit erlaubt.

laloupe-stanton-arlberg-peter-mall-interview-04

L.L.

Der FIS Skiweltcup der Damen macht im Jänner Station in St. Anton und firmiert als Arlberg Kandahar Rennen. Woher kommt der Name und was macht die Rennen so besonders?

P.M.

Sir Arnold Lunn war Mitbegründer des britischen Kandahar Ski Club im schweizerischen Mürren und ist im Jahr 1928 gemeinsam mit unserem Skipionier Hannes Schneider auf die Idee gekommen, ein Skirennen im großen Stil zu organisieren. Auch heute noch fällt den Kandahar-Rennen im Skizirkus große Bedeutung zu. Der Austragungsort wechselt, im Jänner ist St. Anton am Arlberg wieder an der Reihe. Die Piste „Karl Schranz“ zählt zu einer der herausforderndsten Strecken. Man sieht hier, wie sich die Spreu vom Weizen trennt. Für uns ist es natürlich schade, dass Anna Fenninger verletzt ist. Dafür startet Mikaela Shiffrin zum ersten Mal im Super Ski und natürlich hoffen wir auch auf eine Teilnahme „unserer“ Nina Ortlieb.

L.L.

Sie sind beim „Weißen Rausch“ federführend in der Organisation. Wie kam es zur Idee?

P.M.

Im Jahr 1997 waren wir auf der Suche nach Konzepten, um die Nachsaison zu beleben. Ich hatte den Film „Der Weiße Rausch“ mit seinen spektakulären Massenabfahrten im Kopf und dachte mir: Wow, coole Idee! Und wir entschieden uns, das Rennen tatsächlich durchzuführen. Als wir im Ziel die Sportler euphorisch ankommen sahen, wussten wir: das wird was Großes. Wir starteten mit nur 60 Teilnehmern und freuen uns heute über mehrere hundert begeisterte Hobby-Athleten. Für uns Organisatoren bedeutet es eine große Herausforderung, das Rennen so sicher wie möglich zu gestalten.

L.L.

Warum erleben manche Veranstaltungen einen Mega-Hype, während andere kaum beachtet werden?

P.M.

Ich glaube, es liegt an der Teilnehmer­anzahl, die eine Veranstaltung hat. Je mehr Leute dabei sind, desto größer der Hype. Und wenn man eine gewisse Schwelle erreicht hat, bekommt das Event eine eigene Dynamik, die die Leute mitzieht. Als wir vor zwanzig Jahren in St. Anton am Arlberg Mountainbike-Rennen organisierten, waren wir einer der ersten Veranstalter. Jetzt ist allgemein eine gewisse Über­sättigung spürbar. Momentan erreichen vor allem die Sport-Veranstaltungen Zuspruch, bei denen sich die Teilnehmer körperlich extrem anstrengen müssen. Die Menschen lieben die Extreme und die Exklusivität. Ein Beispiel dafür: das Bergfilmfestival. Es werden einem ausgewählten Publikum außergewöhnliche Filme gezeigt. Sportler, die hart am Limit oder sogar darüber hinaus agieren, sind die Protagonisten des Filmfestivals. Das trifft genau den Geschmack des bunt gemischten Publikums.

laloupe-stanton-arlberg-peter-mall-interview-08

L.L.

Das ARLBERG-well.com ist seit 2001 fixer Bestandteil von St. Antons MICE-Angebot, also Kongresse & Tagungen. Wen können Sie in erster Linie begrüßen?

P.M.

Unser Kongressangebot findet speziell im medizinischen Bereich großen Anklang. Von den Anästhesisten über die Kieferchirurgen finden viele Facharzttagungen bei uns statt. Es wird wirklich intensiv gearbeitet. Das Skifahren am Arlberg kommt erst an zweiter Stelle für Geschäftsreisende, wird aber natürlich trotzdem gern genutzt. Unsere Kongressabteilung im Tourismusverband versucht derzeit mit aller Kraft im Herbst und im Frühjahr noch mehr MICE-Veranstaltungen an den Arlberg zu bringen. Wir sind bei der Angebotserstellung stark im Finden bzw. Erfinden passender Rahmenprogramme. Wenn kurzfristig etwas benötigt wird, fungieren wir gerne als „Feuerwehrleute“. Dabei hilft uns unsere gute Vernetzung im Ort.

L.L.

Welche Infrastruktur bietet das ARLBERG-well.com für Kongress- und Tagungsgäste?

P.M.

Unser Haus besticht neben der frischen Architektur vor allem durch Multifunktionalität. Wir bieten bis zu 1.500 Sitz- und 3.000 Stehplätze. Die Räumlichkeiten sind teilbar, die Tribünen jeweils verschiebbar. Diverse Break-Out-Rooms sind ideal für Besprechungen im kleineren Rahmen. Außerdem liegt das ARLBERG-well.com idealerweise mitten im Zentrum von St. Anton und ist für jeden gut erreichbar.

L.L.

Ein weiteres Infrastruktur-Highlight ist das arl.rock mit vielfältigen Angeboten für Kletter- und Boulderfans. Nutzt auch der Gast diese Anlage?

P.M.

Unsere Indoorsportanlage boomt besonders im Herbst und Winter. Wir bieten mehr als 100 Touren für Kletterer und ändern die Routen in regelmäßigen Abständen. Dadurch kommen viele Einheimische und Klettersportler aus Tirol und Vorarlberg zu uns. Der Wintergast kommt zwar primär zum Skifahren nach St. Anton, nutzt die Halle aber bei schlechtem Wetter auch sehr gern. Alles in allem war das arl.rock mit Sicherheit eine Investition in die richtige Richtung. Wir profi­tieren alle davon.

Slideshow arl.rock

L.L.

Gibt es etwas, das Sie an den touristischen Strukturen an St. Anton am Arlberg als Event- und Tagungshochburg ändern würden? Was funktioniert besonders gut?

P.M.

St. Anton ist ein gewachsener Ort und entwickelt sich im Puls der Zeit. Das Themen Berg, Skifahren und Wintererlebnis faszinieren nach wie vor. Natürlich sind die Hotels den ganzen Winter über gut gebucht. Es kommt dadurch ab und an zu Engpässen in Sachen Zimmerkapazität für kurzfristige Kongresse und Veranstaltungen. Im Großen und Ganzen sind wir aber sehr gut bedient.

Peter Mall im Wordrap

​Angekommen im Himmel auf Erden bin ich, wenn …

ich in der Früh aufstehen kann.

​Das möchte ich beruflich noch erreichen:

Ich war nie einer, der sich Ziele gesetzt hat. Ich lebe von Aufgabe zu Aufgabe und bin derzeit sehr zufrieden.

​Um innere Ruhe zu erreichen …

laufe ich viel.

​Meine schönstes Hobby?

Laufen und in die Berge gehen.

​Klettern oder Skifahren?

Skifahren.

​SMS, WhatsApp oder Telefon?

Telefon.

​Mein absolutes Lieblingsevent (muss nicht zwangsweise in St. Anton stattfinden)?

New York Marathon.