Der Adler vom Arlberg

Interview mit Skirennläufer Mario Matt aus St. Anton

Mit zwei Jahren stand Mario Matt bereits auf den Brettern, die die Skiwelt bedeuten – nur vier Jahre später fuhr der Tiroler sein erstes Rennen. Es sollte nicht sein letztes bleiben! Der Adler vom Arlberg durfte sich während seiner Karriere über 42 Podiumsplatzierungen freuen, die meisten davon im Slalom. Im Interview mit La Loupe spricht Mario Matt über seine bedeutendsten Erfolge, seine Leidenschaft zu Pferden und zum Après-Ski und über neue Herausforderungen im Sportler-Ruhestand. 

L.L. / Herzliche Gratulation, am 14. Oktober 2017 erblickte Ihre kleine Tochter Aurelia das Licht der Welt. Als ehemaliger Skiprofi, wie würden Sie eigentlich reagieren, wenn sie sich in ein paar Jahren auch für den Skizirkus entscheiden würde? Was würden Sie ihr mit auf den Weg geben?

M.M. / Wenn meine Tochter das wirklich machen möchte, würde ich sie natürlich unterstützen. Der Spaß beim Skifahren sollte aber gerade in jungen Jahren im Vordergrund stehen – der Druck kommt nämlich früh genug. Ich bin der Ansicht, dass man in Kinder- und Jugendjahren den Skizirkus nicht so verbissen sehen sollte. Ich würde mir hier etwas mehr Lockerheit wünschen.  

Mario Matt
Mario Matt
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L.L. / Sie selbst bestritten bereits mit drei Jahren Ihren ersten Wettkampf. 17 Jahre später, mit 20, fuhren Sie Ihren ersten Weltcup. Würden Sie sagen, dass Ihnen Ihr Talent und die Liebe zum Skisport von Ihren Eltern, die selbst begeisterte Skifahrer sind, mitgegeben wurden?

M.M. / Die Leidenschaft zum Skifahren liegt definitiv in der Familie. Ohne meine Eltern wäre meine Karriere nicht möglich gewesen. Sie haben mich immer unterstützt und in jungen Jahren nicht zu stark gepusht – so habe ich nie den Spaß am Sport verloren. Das war ideal. Sie haben mich jedoch immer motiviert und mich zum Weitermachen angeregt, wenn es mal nötig war.

L.L. / Ihre Karriere ging steil bergauf, bis Sie in der Saison 2001/02 mit einigen Rückschlägen zu kämpfen hatten: zunächst eine schwere Schulterverletzung, später weitere Verletzungen im Trainingslager. Woher nahmen Sie die Motivation weiterzumachen?

M.M. / Ich wusste immer, wenn ich wieder gesund bin und gutes Material habe, werde ich wieder ganz vorne mitfahren. Nach einer Verletzung muss man sich wieder zurück in den Sport kämpfen, mit einer hinteren Startnummer anfangen und Schritt für Schritt nach vorne schauen. In so einer Situation muss man seine Ziele anders ausrichten und einfach schauen, dass man sich wieder qualifiziert.  

L.L. / Sie kämpften sich zurück an die Spitze und gewannen nicht nur mehrere Weltcup-Titel, sondern auch Olympia in Sotchi. Was war das für ein Gefühl?

M.M. / Sotchi war am Ende meiner Karriere und die letzte Möglichkeit, einen Olympia-Sieg zu ergattern, denn im Vergleich zu anderen Sportlern war ich zu diesem Zeitpunkt schon relativ alt. Deswegen war der Triumph in Sotchi etwas ganz Besonderes, den Gewinn schätze ich sehr. Nach all den Rückschlägen und Verletzungen hat mich der Erfolg in Sotchi natürlich umso mehr gefreut. 

La Loupe Mario Matt St Anton 6

L.L. / 2015 gaben Sie Ihren Ruhestand bekannt. Wie gestaltet sich Ihr Alltag heute?

M.M. / Im Winter habe ich mit meiner Après-Ski Bar Krazy Kanguruh alle Hände voll zu tun, sonst bin ich sehr mit unseren Pferden eingespannt. Wir betreiben eine Vollblut-Araber-Zucht. Das bedeutet, dass ich jeden Tag reite und auch die Pferde ausbilde. Von dem her ist mir auch nicht langweilig, mein Alltag gestaltet sich sehr abwechslungsreich. 

L.L. / Sie haben es gerade erwähnt: Seit 2009 sind Sie Besitzer des geschichtsträchtigen Après-Ski Lokal Krazy Kanguruh in St. Anton. Wie kamen Sie zum Gastgewerbe?

M.M. / Mir war es einfach wichtig, dass ich neben der aktiven Skikarriere noch ein anderes Standbein aufbaue – es hätte auch eine Pension oder ein Restaurant sein können. Das Krazy Kanguruh hat sich dann einfach ergeben und ich war von der Bar sofort begeistert. Seit ich das Lokal übernommen habe, hat sich einiges geändert. Es gibt jetzt eine tolle Sonnenterrasse und die Atmosphäre ist wirklich einzigartig. Unsere Speisen sind sehr gut und immer frisch zubereitet. Gerade als Sportler achte ich sehr auf die Qualität der Lebensmittel. Wir sind sehr international, unsere Gäste kommen aus der ganzen Welt, und daher ist das Publikum immer bunt gemischt. Deswegen macht der Après- Ski im Krazy Kanguruh auch ganz besonders viel Spaß!

Krazy Kanguruh
Krazy Kanguruh

L.L. / Abgesehen vom Skisport gilt Ihre große Leidenschaft den Pferden. Was bedeutet Ihnen die Zeit mit ihnen? Lässt sich das Gefühl auf zwei Brettern mit dem auf einem Pferd vergleichen?

M.M. / Die Zeit mit den Pferden ist sehr entspannend. Außerdem konnten wir mit unseren Züchtungen in ganz Europa schon große Erfolge feiern. Das Gefühl auf Skiern und auf Pferden ist durchaus vergleichbar: Man muss sich in Geduld üben und sich selbst gegenüber kritisch sein, damit man besser wird. 

L.L. / Sie krönten Ihre Karriere mit zwei Weltmeistertiteln und 14 Weltcupsiegen. Vermissen Sie die Wettkämpfe und den Nervenkitzel manchmal?

M.M. / Hier und da gibt es schon die Situation, in denen ich den Skizirkus vermisse, es hält sich jedoch in Grenzen. Besonders, wenn ich aber bei Rennen zuschaue, überkommt es mich manchmal. Doch dann bedenke ich, wie viel Arbeit hinter den Leistungen steckt. Ich schätze mich momentan doch sehr glücklich.

L.L. / Sie kommen aus der Region St. Anton. Was schätzen Sie am meisten an Ihrer Heimat? Welche Pisten sollte man sich hier herunterstürzen?

M.M. / Dank der Pferde und den damit verbundenen Ausritten lerne ich immer wieder neue Facetten der Region kennen. Sowohl im Sommer als auch im Winter hat St. Anton viel zu bieten. Natürlich ist das Skigebiet einzigartig – es gibt kaum Vergleichbares. Für jeden ist hier eine passende Piste und das passende Gelände dabei.

La Loupe Mario Matt St Anton 7
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Mario Matt im Wordrap:

Um am nächsten Tag wieder fit zu sein, empfehle ich beim Après-Ski: Das Tanzbein zu schwingen.

„Schifoan“ oder „Schatzi, schenk mir ein Foto“? Schifoan.

St. Anton in drei Wörtern: Traum-Destination, perfektes Skigebiet, bester Après-Ski.

Nach einem langen Tag auf der Piste ... freue ich mich auf den Après-Ski.

Piste oder Powder? Beides.

Mit meiner Familie verbringe ich die Zeit am liebsten mit ... ganz verschiedenen Sachen.

Dieser Sieg ist mir am stärksten in Erinnerung geblieben: Olympia-Sieg. 

Mario Matt

Mario Matt wurde 1979 in Zams geboren. Seine Liebe zum Skifahren wurde ihm bereits von seinen Eltern, zwei begeisterten Wintersportlern, in die Wiege gelegt – so verwundert es auch kaum, dass er bereits mit zwei Jahren auf den Brettern stand und seit seinem sechsten Lebensjahr regelmäßig Rennen fuhr. Einen Olympiasieg, zwei Weltmeistertitel und 14 Weltcupsiege später verabschiedete sich der Adler vom Arlberg 2015 vom Rennzirkus. Langweilig wird es dem Tiroler jedoch nicht, führt er doch das Après-Ski Lokal Krazy Kanguruh in St. Anton und beweist sich als frischgebackener Vater einer kleinen Tochter.