Eine Wilde mit Herz

Interview mit Kim Wilde

Die Hits von Kim Wilde begeistern generationenübergreifend und schreiben seit den 1980ern Musikgeschichte. Als passionierte Skifahrerin verbringt Kim Wilde den Winterurlaub seit Jahrzehnten in St. Anton am Arlberg, wo Sie auch beim großen Ski-Opening Anfang Dezember 2015 zusammen mit „Sportfreunde Stiller“ die Bühne rockte. LA LOUPE erzählt sie von ihrem Leben als erfolgreiche Musikerin und Familienmensch.

L.L.

Sie haben in Ihrer Karriere viele Epochen der Musik, allen voran die prägenden 1980er-Jahre, erlebt. Hits von damals, darunter Ihre, sind Evergreens. Dagegen sind manche Chart-Hits von heute nur bessere Eintagsfliegen. Warum ist das so?

K.W.

Die 1980er waren eine Zeit des Umbruchs. Neue Technologien inspirierten die Songschreiber, junge wie alte Musik auf neue Art zu schaffen. Junge Schreiber wie mein Bruder Ricky gingen mit ganzem Herzen darin auf, genauso wie sehr etablierte, etwa David Bowie. Mit dem Ergebnis, dass viele Lieder, die in dieser Zeit geschrieben wurden, sich einfach bewährt haben.

L.L.

Was sind für Sie im Musik-Business die größten Veränderungen im Vergleich von damals zu heute, Stichwort Internet?

K.W.

Der größte Unterschied entsteht natürlich durch das Internet. Es ist unvorstellbar, wie wir jemals ohne haben leben können! Ich finde es großartig, dass Vinyl momentan ein großes Comeback feiert und gleichzeitig, dass man ein Album innerhalb von Sekunden mit dem Mobiltelefon herunterladen kann.

L.L.

Und wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung? Werden Künstler bald nur mehr mit Konzerten Geld verdienen können?

K.W.

Für Musiker ist Live-Musik natürlich die beste Option, sowohl vom kreativen wie auch vom finanziellen Standpunkt aus betrachtet. Die meisten Leute, die ich in der Musikindustrie kenne, machen es in erster Linie aus Liebe zur Musik und sie würden auch unabhängig vom finanziellen Gewinn einen Weg finden. Die Welt der Musik kann sich so schnell ändern, aber ich denke auch, dass wahre Leidenschaft für die Musik einen im Leben überall hin bringen kann. 

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L.L.

Wenn Sie jetzt auf Tour sind, haben Sie dann das Gefühl, Sie spielen vor „guten Bekannten“, also Fans der ersten Stunde, die mit Ihnen erwachsen geworden sind?

K.W.

Ja, das habe ich. Es herrscht eine wundervolle Chemie zwischen Publikum und Performer, die man einfach nicht beschreiben kann.

L.L.

Eines Ihrer jüngeren Alben trägt den Titel „Snapshots“. Welche „Schnappschüsse“ vom Arlberg findet man im persönlichen Fotoalbum von Kim Wilde?

K.W.

Ich habe so viele kostbare Momente im wunderschönen St. Anton erlebt und bin immer froh, hier zu sein, um den tollen Schnee, das Skifahren, die warme und aufrichtige Gastfreundschaft sowie das leckere Essen zu genießen. Ein „Schnappschuss“ war auf jeden Fall, mit einem Tandem-Paragleiter mit Skischuhen den Berg hinunterzugleiten – das war ein WOW-Erlebnis! Eine meiner Lieblingserinnerungen an St. Anton ist weiters eine Schlittenfahrt im mondbeschienenen Wald; den Berg hinunterzurodeln nach einem leckeren Schmaus in einem Holzchalet mit Kaminfeuer … einfach himmlisch.

L.L.

Als familienverbundener Mensch genießen Sie die Zeit mit Mann und Kindern, musizieren mit ihnen und vermitteln die Freude am Garten. Wie sieht es eigentlich mit den skifahrerischen Ambitionen Ihrer Familie aus – stehen Sie manchmal alles zusammen auf der Piste oder ist das ein Hobby, das Sie ganz für sich selbst pflegen?

K.W.

Mein Ehemann Hal lernte in St. Anton das Skifahren, was er wirklich gut gemeistert hat und immer noch liebt. Harry und Rose haben auch mehr an Selbstbewusstsein auf der Piste gewonnen und ich träume davon, dass wir alle zusammen bald wieder in St. Anton Skifahren können.

L.L.

Lassen Sie sich in St. Anton lieber vom historisch-mondänen Glamour verzaubern oder schätzen Sie auch die urige Gemütlichkeit alter Stuben?

K.W.

Mir hat man wundervolle Restaurants in St. Anton gezeigt und ich hatte noch nie zuvor solch ein gutes „Geschmackserlebnis“ gehabt! Ich liebe Speisen auf Tiroler Art und bevorzuge etwas vertrautere Winkel. Ich habe schon an Skitagen auf dem Berg sowie abends im Dorf gegessen. Der Standard ist überall außerordentlich hoch. Und ich habe auch tolle Erinnerungen an Après Ski in St. Anton.

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L.L.

Hand aufs Herz – was bedeutet St. Anton für Sie persönlich? Welche Eigenschaften braucht ein Ort, oder welche Gefühle muss er auslösen können, um zu einem unverzichtbaren (Urlaubs-)Zuhause zu werden?

K.W.

Ich war beruflich mit Radio 1 in den 1980ern zum ersten Mal in St. Anton und verliebte mich sofort in den Ort. Ich habe wundervolle Menschen kennengelernt, einschließlich meiner guten Freunde Wilma und Heinrich vom Tourismusbüro, sowie bezaubernde Skilehrer! Ich habe dort auch ein paar Mal Weihnachten verbracht und muss ehrlich zugeben, dass es nirgendwo sonst so ein perfektes „Christmas feeling“ gibt!

L.L.

Apropos: Dieses Jahr veröffentlichen Sie eine Deluxe-Version Ihres Weihnachtsalbums „Wilde Winter Songbook“. Was machen Ihre Weihnachtslieder so speziell?

K.W.

Schon als Kind habe ich Weihnachtslieder geliebt, auch die traditionellen. Dieses Album zu schreiben und aufzunehmen war ein Werk der Liebe, inspiriert von all den Weihnachtsliedern, aber auch mit dem Wunsch, etwas neues und persönliches an die Weihnachtstafel zu bringen. Ich habe die weihnachtliche Magie immer schon geliebt, aus verschiedensten Gründen, aber ganz besonders, weil das die Zeit ist, die wir mit geliebten Menschen verbringen.

L.L.

Könnten Sie uns spontan ein Tiroler Volkslied oder auch ein Weihnachtslied auf Deutsch vorsingen?

K.W.

Ich werde es versuchen, wenn ich für ein perfektes Weihnachten ins wunderschöne St. Anton zurückkomme.

​Kim Wilde in Kürze

Hits wie „Kids in America“, „Cambodia“ oder „You Keep Me Hangin’ On“ machten die junge britische Sängerin in den 1980er-Jahren zum Superstar. In den 1990ern legte die vielseitig talentierte Pop-Ikone eine Familienpause ein und trat vermehrt als Landschaftsgärtnerin in Erscheinung. Das ersehnte Comeback erfolgte im Frühjahr 2003 in Form des Duetts mit Nena: „Anyplace, Anywhere, Anytime“ hielt sich wochenlang in den Charts. 2006 erschien das Album „Never Say Never“ und Kim Wilde war endlich zurück auf der großen Bühne der Musikwelt. 2010 folgte das Album „Come out and play”, das an die Erfolge der 1980er Jahre anknüpft, sowie 2011 ein Cover-Album mit dem Titel „Snapshots“. Die Sängerin ist mit Hal Fowler verheiratet und Mutter von Harry Tristan (17) und Rose Elisabeth (15).

Kim Wilde im Wordrap

​1980’s, 1990’s oder jetzt?

Natürlich die 1980er – eine perfekte Mischung aus Musik und Glamour!

​LP, CD oder MP3?

Ich liebe Vinyl und alle meine Platten. Und den Plattenspieler auch!

​Musik höre ich wenn ...

ich im Auto sitze oder beim Reisen auf meinem iPhone.

​Meine erste gekaufte Schallplatte war ...

wahrscheinlich ein Elton John-Album. Ich war und bin noch immer ein großer Fan von ihm.

​Mit welchem Künstler würde ich gerne ein Duett singen?

George Ezra, was für eine tolle Stimme!

​Dieses Lied verbinde ich mit St. Anton:

„Snowbound“ vom „Kamakiriad“ Album von Donald Fagen. St. Anton ist der perfekte Ort, um eingeschneit zu sein!