Tourismusprofis mit Leib & Seele

Johanna Moosbrugger und Klaus Moosbrugger- Lettner zählen zu den engagierten Gastgebern am Arlberg. Gemeinsam führen sie das traditionsreiche Hotel Bergschlössl und die Eisbar „Basecamp“ in St. Anton sowie luxuriöse Ferienchalets in Lech. Mit La Loupe plaudern die beiden über spannende Kontraste zwischen Alt und Neu, Après-Ski als Ausdruck von Kultur, innovative Tourismuskonzepte und vieles mehr.

Lech Lodge
Lech Lodge

L.L.

Das Bergschlössl ist seit vielen Jahrzehnten in Familienbesitz. Macht es Sie stolz, dass sich hier Menschen aus aller Welt wohlfühlen?

J.M.

Das internationale Publikum zieht ja der Arlberg als Region an, und wir sind auch sehr dankbar dafür. Das Wohlfühlen des Gastes muss man sich aber jeden Tag neu erarbeiten. Es ist immer wieder eine Herausforderung und wird nie aufhören!

L.L.

Sie verfügen beide über viel Erfahrung in der gehobenen Hotellerie und Gastronomie. Hat man echte Gastfreundschaft im Blut oder kann man sie erlernen?

J.M.

Weder noch, es ist eine Einstellungssache! Man muss Menschen mögen, dann hat man viel Freude in diesem Beruf. Ob mit Gästen, Mitarbeitern oder Lieferanten, schlussendlich geht's ja immer um Menschen und ums Wohlfühlen!

Bergschlössl & Basecamp St. Anton am Arlberg
Bergschlössl & Basecamp St. Anton am Arlberg

L.L.

Traditionsreiche Hotels mit Charakter gibt es einige in St. Anton. Was macht das Bergschlössl so besonders?

K.L.M.

Es ist ein historisches Haus, über 100 Jahre alt. Außerdem ist es mit nur 10 Zimmern und Suiten angenehm klein. Natürlich ist auch seine Lage direkt an der Piste zwischen zwei Bahnen etwas Besonderes. Wenn heute ein anderer Betrieb an diesem Platz stünde, wäre er viel größer ausgebaut. Dieses Privatsein hat schon was für sich.

J.M.

Das Haus hat viel Geschichte, die auch parallel läuft zur Geschichte von St. Anton. Es ist ja schon 1905/06 als Getreide-Aufschlagstation mit der Bahnstrecke erbaut worden. Also lange bevor die Galzigbahn und die ganze andere Infrastruktur des Skigebiets da war! Trotzdem ist es mit den großen hellen Badezimmern und Apple-TVs in den Zimmern auch sehr modern. Der Kontrast macht es so spannend – zwischen der Tradition, die bewusst bewahrt worden ist, und den Annehmlichkeiten der heutigen Zeit, auf die man nicht verzichten muss.

L.L.

Apropos Kontrast: Ihre Eisbar ist seit über 10 Jahren eine der ersten Après-Ski-Adressen in St. Anton. Wie funktioniert das mit der Ruhe im Hotel, wenn daneben im „Basecamp" vielleicht auf den Tischen getanzt wird?

K.L.M.

Prinzipiell findet das ja zu verschiedenen Zeiten statt. Auf den Tischen dürfen unsere Gäste nicht tanzen. Aber auf den Bänken kann es schon manchmal vorkommen! Und in der Nacht herrscht auch im „Basecamp“ Ruhe. Diese Nähe zwischen Bar, Gastronomie und Hotelzimmer ist ja auch praktisch, viele Bergschlössl-Gäste schätzen das sehr.

J.M.

Sie dürfen natürlich feiern, aber mit Niveau! Das Après-Ski als Fest nach dem Naturerlebnis gehört zum Skifahren dazu. Früher war es der 5-Uhr-Tee und das wandelt sich eben im Lauf der Zeit. Man kann es als Ausdruck von Kultur sehen – Naturvölker feiern zum Beispiel anders als beim Opernball. Après-Ski ist unkompliziert und leger, man kann dabei oft den Millionär nicht vom einfachen Büroangestellten unterscheiden.

K.L.M.

Was bei uns im Vordergrund steht, sind die gute Qualität der frischen Küche und eine hervorragende Selektion an Weinen. Hier kann man nach dem Skifahren in ungezwungener Atmosphäre feiern.

L.L.

Gibt es in den letzten Jahren Veränderungen beim Après-Ski- Verhalten?

K.L.M.

Es wandelt sich jede Woche! Die Gäste sind immer komplett unterschiedlich: Es gibt ruhigere Familienwochen und ausgelassene Partywochen. Auch das Wetter, das natürlich die Feierlaune beeinflusst, ist ja jeden Tag anders.

Bergschlössl St. Anton am Arlberg
Bergschlössl St. Anton am Arlberg

L.L.

Wie wichtig ist heutzutage das Entertainment-Angebot nach dem Skifahren?

K.L.M.

Sicherlich hat sich das Après-Ski-Thema über die Jahre stark entwickelt. Viele Lokale sind sehr engagiert, den Leuten ein paar Stunden Begeisterung, Spaß und Freude zu bieten.

​J.M.

Wichtig ist die ganze Palette. Für den Urlaubsgast muss von der Infrastruktur im Skigebiet über das geführte Erlebnis, die Unterkunft, das Kulinarische bis hin zum Feiern alles passen. Das Urlaubserlebnis setzt sich aus vielen Komponenten zusammen!

​K.L.M.

Für Familien ist Après-Ski natürlich nicht so wichtig, aber wenn außerhalb der Ferienzeiten Männer- oder auch Frauenrunden für einige Tage anreisen, dann gehört neben dem sportlichen Aspekt auch das anschließende Feiern einfach dazu.

​J.M.

Wobei das „Basecamp" ja nicht nur für Après-Ski steht. Man kann hier vormittags gemütlich einen Kaffee trinken oder gut Mittag essen. Oft kommt es vor, dass Nicht-Skifahrer hier auf die restliche Familie oder Freunde warten – so herrscht den ganzen Tag über ein Kommen und Gehen wie in einem Basislager, wo man auch immer wieder hingeht und Kraft tanken kann!

L.L.

Wie rasch muss man auf neue Trends reagieren? Braucht es manchmal den Mut, etwas Neues NICHT mitzumachen, oder hat man dann schon gegen die Konkurrenz verloren?

J.M.

Die Herausforderung liegt darin, sein eigenes Profil herauszuarbeiten. Das gilt für den Ort im Gesamten sowie für jeden einzelnen Betrieb. Manche Gastgeber verschreiben sich dem Wandern, andere dem Bordeaux-Wein, wieder ein anderer kann gut tanzen oder hat sonstige Vorzüge. St. Anton wird sicher weiterhin als sportliches Skigebiet gelten, und die Gäste erwarten sich Profis auf diesem Gebiet. Das sollte auch gepflegt werden. Daneben stellt sich die Herausforderung, den Ort 365 Tage lang attraktiv zu gestalten, denn neben den Touristen sollen sich hier auch die Einheimischen wohlfühlen. Ich glaube, es gibt mehr Möglichkeiten, den Ort lebenswert zu machen, als momentan im Bewusstsein sind.

​L.L.

Sie selbst zeigen sich ja sehr innovativ und betreiben seit Dezember 2012 die luxuriösen Lech Lodge Chalets. Wie entstand die Idee dazu?

K.L.M.

Das war vor etwa sieben Jahren. Die Ruhelage des vorhandenen Grundstücks hat sich für ein Chaletkonzept einfach angeboten. Zu der Zeit gab es in Lech nur ein paar Ferienhäuser, aber noch keine Chalets, die ja stärker in der Schweiz und in Frankreich verbreitet sind.

​L.L.

Individualität und Privatsphäre werden heute wieder groß geschrieben. Sind solche Ferienhäuschen, in denen es anspruchsvollen Gästen an nichts fehlt, die Beherbergungsform der Zukunft?

K.L.M.

Das kann man so, glaube ich, nicht sagen, aber die Privatsphäre ist auf jeden Fall ein hohes Gut. Gerade heute, wo alles so schnelllebig und auf Multitasking ausgerichtet ist, sind Freizeit und Ruhe wertvoller denn je. Für viele vielleicht sogar wertvoller als Geld und materielle Dinge.

​J.M.

Vor allem die Zeit mit der Familie und mit Freunden, die man sich selbst ausgewählt hat. Nicht mit Leuten, die man eben zufällig im Hotel trifft. Die Chalets werden aber trotzdem ein Nischenprodukt bleiben.

​K.L.M.

Ja, ein Nischenprodukt, das für jemanden zu einer gewissen Zeit oder in einer bestimmten Lebensphase perfekt passt. Aber es ist jetzt keine Konkurrenz zum Hotel.

Lech Lodge
Lech Lodge

​L.L.

Welche Art von Gästen schätzt das Wohnen im privaten Ambiente eines Chalets?

J.M.

Meist sind das Menschen, die beruflich das ganze Jahr über reisen und dadurch viel Zeit in Hotels verbringen. Im Urlaub sind sie dann lieber etwas abgeschieden. Auch Familienverbände, von denen Teile in unterschiedlichen Ländern oder gar auf verschiedenen Kontinenten leben, suchen beim gemeinsamen Winterurlaub in den Bergen das heimelige Ambiente eines Holzchalets.

​L.L.

Welche Art von Gästen schätzt das Wohnen im privaten Ambiente eines Chalets?

J.M.

Meist sind das Menschen, die beruflich das ganze Jahr über reisen und dadurch viel Zeit in Hotels verbringen. Im Urlaub sind sie dann lieber etwas abgeschieden. Auch Familienverbände, von denen Teile in unterschiedlichen Ländern oder gar auf verschiedenen Kontinenten leben, suchen beim gemeinsamen Winterurlaub in den Bergen das heimelige Ambiente eines Holzchalets.

​L.L.

Das Bergschlössl und die Chalets sind ganzjährig geöffnet. Reicht es in Zukunft nicht mehr, sich auf den Winter zu konzentrieren?

J.M.

Wahrscheinlich ist der Sommer nicht unbedingt notwendig, sonst würden nicht so viele Betriebe zusperren. Es bringt aber eine bessere Ausgeglichenheit. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, in welchem Rhythmus er leben möchte. Dass eine gewisse Kernzone an Betrieben ganzjährig funktioniert, würde dem Ort sehr gut tun und ich glaube auch, dass St. Anton in jedem Monat des Jahres absolut lebens- und besuchenswert ist. Wir sind verkehrstechnisch super angebunden zwischen Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz, wir haben tolle Veranstaltungsmöglichkeiten – also von der Infrastruktur her bieten wir schon mal sehr viel. Gott sei Dank wird jetzt durch die „Sommercard“ auch besser kommuniziert, dass es hier nicht nur in den Wintermonaten etwas zu erleben gibt.

​L.L.

Und nun Beruf beiseite: Wo machen Sie eigentlich selbst am liebsten Urlaub?

J.M.

Nachdem wir im Moment mit drei kleinen Kindern im Alter zwischen zwei und sieben Jahren leben, ist der Radius etwas kleiner. Umso mehr schätzen wir Besuche bei Freunden und Familie. Wichtig scheint uns, dass die Kinder zuerst die eigene Heimat kennenlernen, bevor wir dann in die weite Welt fahren. Es soll ihnen ja später auch noch was zum Entdecken bleiben! Wenn wir beide alleine fahren, schauen wir uns gerne innovative Hotelkonzepte an und andere Länder. Aber oft kommen wir tatsächlich nicht dazu ...