Daheim in den Bergen – Zu Gast bei Max Sattler

Interview mit dem Junghotelier Max Sattler vom Hotel Grischuna, St. Anton

Seit fast 70 Jahren empfängt das Hotel Grischuna seine Gäste aus aller Welt inmitten eines einzigartigen Bergpanoramas, hoch über dem Ortskern von St. Anton. Max Sattler übernahm das Haus seiner Eltern mit dem Ziel, einen Ort zu schaffen, an dem er selbst gerne Urlaub machen würde. Ein Hotel, in dem alles ein bisschen anders läuft als gewohnt. Während seiner zahlreichen Aufenthalte weltweit entwickelte der gelernte Hotelier über Jahre seine ganz eigene Vision. Er verwirklichte diese schlussendlich 2016 in einem groß angelegten Bauvorhaben im neu übergebenen Hotel Grischuna, das er heute sehr erfolgreich in zweiter Generation gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin führt. Ein Interview über Neuanfänge, Highlights und die kulinarische Vielfalt des hoteleigenen Restaurants.  

L.L. / Herr Sattler, mit Ihrem umgebauten Hotel Grischuna stehen Sie für eine neue Generation von Hoteliers am Arlberg. Würden Sie sich selbst als „jungen Wilden“ bezeichnen?

M.S. / Als jungen Wilden vielleicht nicht. Aber als Jungen, der viele Dinge anders sieht oder anders kennengelernt hat und so einen anderen Blickwinkel entwickeln konnte. Im Hotel merkt man, dass ich viele Dinge anders machen will und genau das schätzen auch unsere Gäste. Ich will nicht alles niederreißen, sondern versuche einfach umzudenken und andere Wege zu gehen.

L.L. / Als Sie das Hotel Grischuna von Ihrem Vater übernahmen, entschieden Sie sich – wie bereits erwähnt – für einen kompletten Neu- und Umbau. Wie wichtig ist es, als Hotelier mit der Zeit zu gehen?

M.S. / Es ist generell schon wichtig, mit der Zeit zu gehen. Was wir aber gemacht haben, war nur die Hardware zu verbessern. Gleich wichtig ist aber auch die Software, also das Innenleben des Hotels und die Arbeitsabläufe. Die waren schon in unserem alten Haus vor dem Umbau sehr gut. Wenn die Software passt, kann man auch mit einem älteren Hotel Großartiges bewirken. 

Hotel Grischuna
Hotel Grischuna
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L.L. / In der Wintersaison 2016/17 fand die große Wiedereröffnung des Grischuna statt. Was hat sich verändert?

M.S. / Das alte Hotel war bis auf die Grundmauern abgerissen worden, wir haben den Eingangsbereich erweitert und die Bar und die Lobby ausgebaut. Die Rezeption wurde erneuert, die Küche komplett neu eingerichtet und das Restaurant mit der neuen Terrasse ergänzt. Außerdem haben wir alle Zimmer komplett renoviert und um elf Unterkünfte erweitert, nun haben wir 32 Zimmer. Den neuen Wellnessbereich haben wir mit Finnischer Sauna, Dampfbad, Infrarotkabinen, Ruheraum und Infinitypool ausgestattet.

Der Stil ist modern, aber trotzdem mit alpinem Tiroler Flair. Der regionale Tischler hat viel Eiche verbaut. Das Holz passt wegen des warmen Charakters perfekt zu uns, im Kontrast dazu steht viel Glas. Die Stammgäste sind von unserem Umbau total begeistert.

L.L. / Das Hotel hat sich neu positioniert – vor allem der junge, moderne Gast steht im Fokus. Warum ist Ihnen diese Zielgruppe besonders wichtig?

M.S. / Das Hotel spiegelt in erster Linie uns Gastgeber wider. Außerdem arbeiten wir viel mit neuen Medien und sozialen Netzwerken, in denen wir großen Anklang finden. Deshalb haben wir speziell im Sommer ein junges Publikum. Wir haben auch viele Rückmeldungen von unseren Gästen bekommen, die bestätigen, dass sie die neue Homepage sehr modern finden – das Schnörkellose kommt gut an.

L.L. / Das Grischuna ist ein Lifestyle-Hotel mit Longdrink-Bar, Sonnenterrasse und Infinity-Pool. Muss ein Hotel heute deutlich mehr als nur Übernachtungsmöglichkeit sein? Was muss ein Hotel im 21. Jahrhundert bieten?

M.S. / Hotels müssen heutzutage ein Highlight haben, einen gewissen Wiedererkennungswert. Bei uns ist das der Pool mit der einzigartigen Aussicht und natürlich die Zimmer.

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L.L. / Das À-la-carte-Restaurant Grischuna besticht durch eine offene Show-Küche und verwöhnt mit österreichischen Klassikern und internationalen Gerichten. Hat das kulinarische Angebot eines Hotels eine immer größere Bedeutung bei anspruchsvollen Gästen?

M.S. / Wir servieren nur Besonderes und setzen stark auf regionale Produkte, sei es bei Fleisch oder Gemüse. Der Trend geht zurück zum Regionalen – ganz im Gegensatz zu früher, als die Speisen möglichst exotisch sein mussten.

Aktuelle Highlights auf der Karte sind beispielsweise unsere Pfifferling-Spätzle oder Safran-Spaghetti sowie das feine Kalbsbackerl mit Kartoffelpüree und das Entrecote mit Bergkäsekruste mit Bergkäse aus Galtür. Was den Wein angeht, bieten wir vor allem österreichische Klassiker an. Die Weinkarte kreiere ich selbst, weil ich von meinen zahlreichen Auslandsaufenthalten spannende Weinkenntnisse mitgebracht habe. Wir haben natürlich auch italienische und französische Weine, aber der Fokus liegt ganz klar auf Österreich.

L.L. / St. Anton ist vor allem als Wintersportdestination ein Begriff. Was hat St. Anton abseits der Piste zu bieten? Wie verbringt man den Sommer am Arlberg?

M.S. / Die Sommer Card wird sehr gut angenommen und auch unsere Gäste freuen sich darauf, auf unseren hauseigenen E-Bikes die Region zu erkunden, genauso wie auf Bogenschießen oder Yoga. Im Winter ist das Skifahren natürlich das Highlight, aber es gibt auch abseits der Piste verschiedene Möglichkeiten: Vom Nachtleben in St. Anton über die Sporthallen, das ARLBERG-well.com, die Kunsthalle im Hospiz ... es wird viel geboten!

L.L. / Was denken Sie, in welche Richtung wird – oder muss – das Hotelgewerbe am Arlberg zukünftig gehen?

M.S. / Urlauber möchten nicht mehr nur eine Nummer sein, sondern beim Namen genannt werden. Persönliche Gespräche und Insider-Tipps werden immer wichtiger – der Trend geht zur Individualität. 

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Wordrap mit Max Sattler

Das ist mir bei einem Hotelaufenthalt besonders wichtig: Ich muss mich so gut aufgehoben fühlen wie daheim, möchte aber natürlich trotzdem Besonderes, das ich zuhause so nicht vorfinde – sei es der Service, das Ambiente oder die Ausstattung.

Spa oder Ski? Als St. Antoner bevorzuge ich immer noch die Skier.

Das macht das Hotel Grischuna einzigartig: Viele Dinge sind hier anders als gewohnt und genau so, wie ich sie am liebsten habe – beispielsweise ein langes Frühstück bis 12 Uhr.

Alpine Chic ist ... so wie das Hotel Grischuna.

In St. Anton muss man unbedingt erleben: Um 8.45 Uhr vor der Galzigbahn stehen und dann als Erster die Schwünge auf dem Galzig ziehen.

Max Sattler

Schon von klein auf lebte und erlebte Max Sattler den elterlichen Betrieb und lernte so alle Bereiche des Hotelgewerbes kennen. Da das Grischuna damals nur im Winter geöffnet hatte, machte er sich sommers auf, die Welt zu erkunden und arbeitete lange Zeit im Tessin, in Zürich, Nizza und Luzern. 2014 übernahm Max Sattler das Hotel seiner Eltern, baute es im Jahr 2016 um und führt das Haus heute gemeinsam mit seiner Partnerin.