Aber bitte mit Satteldach!

Karl Fahrner im Interview

Karl Fahrner, CEO der 1997 von ihm gegründeten OFA Group, hat als Bauträger und Architekt seine Handschrift in St. Anton hinterlassen. Mehr als 100 fertige Projekte sprechen dafür, dass er Kundenwünsche und örtliche Gegebenheiten perfekt unter einen Hut bringt. Warum er heute weniger modern baut als früher und sich in seiner Arbeit nicht selbst verwirklichen muss, erzählt der gebürtige St. Antoner im folgenden Interview.

L.L.

Herr Fahrner, mögen Sie Projekte in Ihrer Heimatgemeinde eigentlich besonders gerne?

K.F.

Natürlich möchte man den Ort, an dem man geboren ist, mitgestalten und identifiziert sich stark damit. Ich kenne hier ja jeden Strauch und jeden Hang! Ein großer Impuls für die Bautätigkeit in St. Anton war die Ski-WM 2001. Und obwohl ich dachte, dass sie danach etwas einbrechen würde, investiert man weiter in Qualität. Es sind tolle neue Projekte entstanden, die das Niveau der hiesigen Hotellerie und Gastronomie deutlich gehoben haben, und ich durfte ein bisschen dazu beitragen.

L.L.

Passt jeder noch so moderne Baustil nach St. Anton oder sollte man Ihrer Meinung nach extravagante individuelle Wünsche zugunsten des Ortsbildes zurückstellen?

K.F.

Ganz ehrlich: Nachdem ich auch schon zahlreiche Projekte in Lech verwirklicht habe, muss ich zugeben, dass mir der Stil dort viel besser gefällt. Als junger Architekt habe ich auch noch geglaubt, das Rad neu erfinden zu müssen mit Flachdächern, Stahl, Glas & Co. Jetzt bin ich seit 17 Jahren selbstständig und baue ganz anders als früher. Unsere aktuellen Projekte 2013/14 etwa sind im traditionellen Baustil mit viel Holz, wenig Glas, Naturstein und Satteldach ausgeführt und passen viel besser an den Arlberg als der moderne Baustil. Ich finde, dass das Ortsbild im Vordergrund stehen sollte und Lech auch als Vorbild für St. Anton dienen kann.

Chalet Eden Rock, St. Anton/Arlberg
Chalet Eden Rock, St. Anton/Arlberg

L.L.

Warum greifen überhaupt so viele neue Hotels und Chalets wieder auf den traditionellen alpinen Baustil zurück?

K.F.

Für die Gäste steht eben das Warme, Gemütliche im Vordergrund – das Moderne, Coole suchen sie bei uns nicht. Das beste Vorbild geben uns also die bestehenden Häuser. Wir können die traditionelle Bauweise natürlich mit modernen Elementen im Innenbereich, z. B. im Spa-Bereich, zu einem guten Stilmix kombinieren. Die Leute auf Winterurlaub wollen aber trotzdem viel Holz und ein offenes Kaminfeuer sehen. Glas und Stahl passen im alpinen Umfeld höchstens zu einer Seilbahnstation.

L.L.

Ist es schwierig, höchsten Luxuslevel und eine gewisse Heimeligkeit zu verbinden?

K.F.

Nein, denn ich stelle in einem Chalet die modernen Elemente – wie z. B. einen großen Fernseher – einfach nicht in den Vordergrund. Trotzdem bieten die Hütten allerhöchsten technischen Standard wie BUS-System, Klimasteuerung etc. Das lässt sich im Innenbereich sehr wohl mit gemütlicher Altholzverkleidung und Naturstein verbinden.

Chalet Tschoder
Chalet Tschoder

L.L.

Unterscheidet sich Bauen in den Bergen überhaupt noch vom Bauen im urbanen Raum?

K.F.

Sehr wohl! In der Stadt würde ich etwa kein Holz einsetzen, dafür passt dort das Flachdach sehr gut, das ich wiederum am Arlberg nicht mehr planen würde. Für mich bieten der städtische und der ländliche Raum ganz verschiedene Voraussetzungen zum Bauen, an die ich mich anpassen muss.

L.L.

Ist Architektur für Sie also mehr eine Dienstleistung als Selbstverwirklichung?

K.F.

Ich bin in einem Hotel aufgewachsen und kenne alle Abläufe noch von meinen Eltern. Daher weiß ich, dass ein Hotel in erster Linie funktionieren muss und befolge diese Spielregel: An erster Stelle kommt die Funktion, dann die Kosteneinhaltung und Termintreue. Dass es gut ausschaut, setzt man eigentlich voraus. Ich sehe mich also rein als Dienstleister und Handwerker.

TV Spot Hotel Eden Rock St. Anton Arlberg

L.L.

Im Dezember 2014 öffnet das neue 5-Sterne-Hotel „Eden-Rock" im Ortsteil Nasserein. Welche Philosophie steckt hinter diesem Eigenprojekt?

K.F.

Das Hotel hat nur 20 Betten, da der „Luxus-Gast" lieber in kleineren Häusern wohnt. Wir haben es deshalb so gestaltet, dass 3 große Schlafzimmer und große Bäder mit einem Wohn- und Essbereich mit Kamin so zusammengeschalten werden, dass drei große Suiten für je 6, 8 und 8 Personen entstehen. Entgegen den Standard-Chalet-Konzepten, die in St. Anton zum Teil auch verpönt sind, finden sich hier sehr wohl die klassischen Räume wie Rezeption, Hotelhalle, Tiroler Stube und Spa-Bereich. Jeder Gast kann im Restaurant essen oder aber die ganze Suite mieten und das Essen dort ganz privat genießen. Diese Intimität unterscheidet uns vom „normalen" Luxushotel.

Karl Fahrner
Karl Fahrner

L.L.

Und welche Projekte werden Sie 2015 in St. Anton umsetzen?

K.F.

Wir haben einiges in Planung, das geht vom Wohn- und Geschäftshaus in der Fußgängerzone über den Neubau eines Familienhotels und eines 4-Sterne-Hauses im Zentrum bis hin zu einem 140-Betten-Projekt in Nasserein. Wir bauen aber auch mal eine Wohnung oder ein Chalet um. Im Schnitt sind es so 6 bis 7 Projekte im Jahr, davon 4 bis 5 in St. Anton – und das seit 17 Jahren! Wir zeichnen also schon für mehr als 100 fertige Projekte im Ort verantwortlich.

L.L.

Wie und wo holen Sie sich Inspiration für neue Entwürfe?

K.F.

Auf Reisen und von Kollegen. Ich kann ja eigentlich nur etwas als „Output" geben, was ich selbst gesehen habe. Ich lese viele Bücher und Zeitschriften, reise sehr gerne und kann so Ideen zusammentragen, die ich dann in St. Anton umsetze. Verrückt nannte man mich etwa, als ich 2008 in ein 12-Betten-Haus ein Kino plante! Und 2000 habe ich im St. Antoner Hof die erste freistehende Badewanne des Ortes aufgestellt – heute nichts mehr Außergewöhnliches, denn die Auflösung des herkömmlichen Badezimmers im Hotelbereich ist überall zu beobachten.

1339 Berghaus Marmotte (Visualisierung)
1339 Berghaus Marmotte (Visualisierung)

L.L.

Wie wird St. Anton in 50 Jahren aussehen, was glauben Sie?

K.F.

Ich glaube, dass es eine Trendumkehr gibt und vermehrt in alpiner statt in moderner Bauweise gebaut wird. Das zeigen schon aktuelle Beispiele wie M3, MOOSERHotel, Tyrol, Tannenhof und eben auch das Eden Rock. Ich hoffe, dass es in diese Richtung weitergeht und die Bauherren im Hotelbereich – inklusive mir selbst – das Ortsbild nicht zerstören. Betten haben wir in St. Anton genug, wir können also nur gewisse Qualitätssteigerungen verfolgen wie z. B. das Skigebiet weiter ausbauen. St. Anton ist ja ursprünglich ein Eisenbahnort, kein Hotelort wie Lech Zürs, und hat demnach eine ganz andere Struktur. Das Ziel sollte jedenfalls sein, sich durch kompromisslose Qualität zu verbessern!

Karl Fahrner im Wordrap

Eine große Bausünde:

... meine Terrassenwohnanlage an der Arlberg-Straße, von Karl Schranz auch „Talsperre" genannt

Luxus heißt für mich...

Zeit haben

Mein Lieblingsgebäude in St. Anton:

Die Villa Trier, in der das Museum St. Anton beheimatet ist

Mein Lieblingshotel (weltweit):

Das Bulgari Hotel Resort in Bali

Mein Lieblingsspielzeug als Kind:

Bauklötze