Die Hohe Kunst der Begegnung

Interview mit Florian Werner

Florian Werner, Gastgeber im legendären Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph ist nicht nur mit Leib und Seele Hotelier. Seine Leidenschaft für die Kunst machte ihn federführend in Konzeption und Umsetzung der neuen, unterirdischen Kunsthalle arlberg1800. Das Vorzeigeprojekt, gelegen auf 1.800 m in St. Christoph am Arlberg, gilt als Plattform für Künstler von Weltformat und aufstrebende Talente. Gäste finden bei inspirierenden kulturellen Ereignissen einen wertvollen Ort der Begegnung inmitten der Wintersportdestination. LA LOUPE spricht mit Pionier Florian Werner über Unternehmensführung, Gastfreundschaft und künstlerische Visionen.

Florian Werner
Florian Werner

L.L.

Das Arlberg Hospiz Hotel steht für außergewöhnliche Gastfreundschaft. Woher kommt in Ihrer Familie diese große Leidenschaft für das Gastgeber-Sein?

F.W.

Ich glaube, das wird einem über Generationen vorgelebt. Ich selbst habe von klein auf all die Jahre gesehen, mit welcher Leidenschaft meine Eltern in St. Christoph ihren Beruf ausleben. Diese Freude am Tun hat sich auf mich übertragen. Woher meine Eltern die große Gastfreundschaft haben, weiß ich eigentlich auch nicht genau. Wahrscheinlich hat mein Vater sie in seiner Zeit im Ausland erlebt und verinnerlicht.

L.L.

Stichwort Hotelübergabe: Erzeugt das Vertrauen der älteren Generation manchmal auch Druck – schließlich geht es um das Fortschreiben einer Erfolgsgeschichte?

F.W.

Ich bin 1993 vom Ausland nach Hause gekommen und habe mich mit meinem Vater zusammengesetzt, um die neue Arbeitsaufteilung zu besprechen. Dann kam die nächste Saison und alles blieb so, wie es immer war. Ist ja auch verständlich, dass sich gerade langjährige Mitarbeiter weiterhin an den Vater wenden und nicht an den 27-jährigen Junior. Der Übergabeprozess hat also einiges an Geduld erfordert und bis ungefähr 2001/2002 gedauert. Damals kamen viele neue Abteilungsleiter, die ich mir selbst aussuchen konnte. Es war also ein ganz natürlicher Prozess, eine „Soft-Übergabe“ sozusagen, die gut funktioniert hat. Dabei musste der Übergebende, also mein Vater, dazulernen und sich zurücknehmen und ich genauso. Wenn beide Seiten stur wären, würde es rasch zum Generationenkonflikt kommen, aber wir haben es beide gut geschafft und ich habe meinen eigenen Weg gefunden. Ich bin anders als mein Vater, das akzeptieren mittlerweile die Gäste und auch er selbst. Zum Glück habe ich durch die Entdeckung der Kunst einen unvergleichbaren Weg eingeschlagen. Hätte ich Whiskeys oder Burgunder zu sammeln begonnen, wäre ich meinem Vater wohl zu ähnlich.

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L.L.

Das Arlberg Hospiz Hotel setzt auf lange Tradition, ohne im Stillstand zu verharren. Wie schafft man es, immer am neuesten Stand zu bleiben?

F.W.

Das Hotel immer am aktuellen Stand der Zeit zu halten ist schwierig. Es gibt immer wieder Bereiche die optimiert werden können. Das ganze Haus auf einmal zu erneuern ist ja auch finanziell schwierig. Natürlich verspüren wir den Drang, uns stetig weiter zu entwickeln und müssen uns gleichzeitig überlegen, wie man die Auslastung der restlichen 8 Monate steigern könnte. Im Winter haben das Hotel und der Arlberg ein Niveau erreicht, dass kaum zu toppen ist. Die größte Herausforderung liegt also darin, die restliche Zeit des Jahres zu beleben. Dazu haben wir die Kunsthalle arlberg1800 geschaffen.

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L.L.

Die Kunsthalle arlberg1800 setzt auf Kunst und Kultur im Jahreskreis. Was wird in diesen Räumlichkeiten geboten?

F.W.

Das arlberg1800 versteht sich als „home away from home“ für Künstler aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Ein Konzertsaal für 200 Personen, sowie eine 600 m² umfassende Ausstellungsfläche werden das ganze Jahr über bespielt. Künstler finden ein großes Atelier, Musiker ein Studio auf dem neuesten Stand der Technik als ideale Plattform zur Entstehung ihrer Projekte. Gäste erleben die Region abseits ihrer bekannten Charakteristika und freuen sich über den perfekten Ort für intellektuelle Begegnung und Kunstgenuss.

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L.L.

Vor allem im Sommer und Herbst soll arlberg1800 dazu beitragen, die Auslastung St. Christophs zu steigern. Wie bewerten Sie die Attraktivität von Kunst und Kultur in einem traditionellen Wintersportort?

F.W.

Das Thema Wellness ist längst touristisches Standardprogramm. Weinkeller gibt es auch schon jede Menge und nur Betten vermieten reicht schon lange nicht mehr aus. Das Thema Kultur, wie wir es besetzen, ist noch nicht „vergriffen“. Über 150 Konzerte, Kabaretts und zwei Ausstellungen pro Jahr verleihen dem arlberg1800 RESORT das ganze Jahr über Festwochen-Atmosphäre. Mit der Kunsthalle wurde die ideale Infrastruktur für Veranstaltungen, Events, Tagungen, Kongresse, etc. geschaffen. Das sportliche und kulinarische Angebot wird um einen hochkarätigen Aspekt – Kunst und Kultur – erweitert.

L.L.

Sie verstehen sich vor allem als Plattform für die „next generation“. Welche Künstler und Musiker dürfen Sie in den kommenden Monaten in St. Christoph begrüßen?

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F.W.

Es wird zwei hochkarätige Konzertserien, „Meisterkonzerte“ und „Sonderkonzerte“ geben. Klassische Musik, Jazz und echte Volksmusik findet sich in den 150 Konzerten der Reihe „Meisterkurse“ wieder. Aufstrebende Meister wie Claire Huangci, das AMAR Quartett, Jeanne Mikitka, Dimitri Lavrentiev, Julian Bachmann, Sophie Wang, Valeriy Sokolov, das Gémeaux Quartett, Viktoria Hirschhuber, Faltenradio, Die Hoameligen, Bradlberg Musig, Saxofour und viele mehr begeistern mit musikalischen Meisterleistungen. Aber auch Weltstars wie Art Garfunkel, Chris de Burgh oder Reinhard Fendrich sind Teil unseres Programmes und liefern sich bei den „Sonderkonzerten“ ein echtes Hitfeuerwerk. Die Besten der deutschsprachigen Kabarettszene wie Florian Adamski, Ohne Rolf, Adele Neuhauser, Paolo Nani, Markus Jeroch, Werner Koczwana, Michael Quast und Sabine Fischmann, Thomas Stipsits oder Alexander Goebel geben ab Jänner 2016 mit Witz und Charme den Ton an. Die erste Ausstellung des arlberg1800 (4.10.2015 – 17.04.2016) beschäftigt sich mit dem Thema „High Performance“. Visuelle, akustische und räumliche künstlerische Arbeiten entstehen vor den Augen der Besucher und vereinen sich zu einem performativen Ereignis. Dabei sind Künstler wie Ovidiu Anton, Maria Anwander oder Sonia Leimer.

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L.L.

Das arlberg1800 folgt einem sehr innovativen Konzept. Was oder wen braucht es, um Projekte dieser Art zu verwirklichen?

F.W.

Man muss über einen festen Willen, Durchhaltevermögen und große Lernbereitschaft verfügen. Außerdem sollte man ein Spitzen-Team und Freunde mit Knowhow an seiner Seite haben. Eine tolle Familie und das gewisse Quäntchen Glück unterstützten die Realisierung meines Traumes.

L.L.

Ihre Kunstleidenschaft ist neben dem arlberg1800 auch im familieneigenen Arlberg Hospiz Hotel sichtbar. Wie kommt das bei den Gästen an?

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F.W.

Den Gästen wird immer bewusster, dass hier in der Kunst etwas passiert. Anfangs wurde ich natürlich von allen Seiten beobachtet: Ist es eine Eintagsfliege oder hält er das durch? Aber je länger ich es jetzt schon mache, umso mehr wird man auch in der Kunstszene wahr- und ernstgenommen. Mit der neuen Kunsthalle werden wir ganz anders wahrgenommen. Viele Gäste wurden und werden bei uns erstmals mit diesem Thema konfrontiert und müssen zunächst Berührungsängste ablegen. Unsere Gäste befassen sich seit einigen Jahren mit den einzelnen Künstlern und Kunstrichtungen. Dabei müssen die Gäste die Kunst nicht lieben, aber sie beschäftigen sich damit und öffnen sich Neuem gegenüber. Ich empfinde das als einen spannenden Prozess, der das ganze Haus belebt. Durch die wechselnden Ausstellungen und das „artists-in-residence“-Programm ist immer etwas Neues zu sehen.

L.L.

Was sind für Sie wesentliche Faktoren, damit der Arlberger Tourismus in Zukunft erfolgreich bleibt?

F.W.

Wir sollten die Qualität halten und keine Entwicklungen verschlafen. Der Winter wird einträglich sein, solange es eben Schnee gibt. Durch die große Zahl an tollen Hotels und Restaurants sind wir bereits einzigartig. Trotzdem muss jeder Betrieb für sich eine Möglichkeit finden, länger offen zu halten als nur im Winter. Unsere Vorfahren haben das gesamte Werbebudget lange Zeit nur in den Winter investiert, da ist es nur logisch, dass der Arlberg heute massiv für den Winter gebrandet ist. Es wird also noch länger dauern und einige Bemühungen kosten, bis wir als Ganzjahresdestination gelten. Das ist eine große Challenge. Derzeit wird der Arlberg ab Mai als Urlaubdestination kaum wahrgenommen. So wie eben niemand im Herbst an den Gardasee oder im Winter an die Côte d’Azur fährt. Als Tourismusverband sind wir am Arlberg klein und exklusiv und können daher keine Wunder bewirken.

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Ausstellungen, Konzerte, Kabarett und Lesungen auf 1.800 m Seehöhe. Die Kunsthalle arlberg1800 – eine architektonische Meisterleistung – verleiht St. Christoph am Arlberg das ganze Jahr „Festwochencharakter“. Weltklassekünstler und junge Talente bieten ein attraktives Programm für Hotel- und Abendgäste und genießen im arlberg1800-Resort ein inspirierendes „home-away-from-home“. Ein Konzertsaal mit hervorragender Akustik, ein großes Atelier, ein Musikstudio auf dem neuesten Stand der Technik und eine Ausstellungshalle bilden die besten Voraussetzungen zur Umsetzung kreativer Projekte. Mit unterschiedlichen Patenschaften hat man die Möglichkeit, das Projekt zu unterstützen und ist Teil der Kunsthalle arlberg1800.