Der Grandseigneur vom Arlberg

Adi Werner im Interview

Der Name Adi Werner ist ein Gütesiegel – wo dieser drauf steht, stecken zu 100 Prozent Qualität, Pioniergeist und Tatkraft drin. Das gilt für das berühmte Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph, für dessen international ausgezeichneten Bordeaux-Weinkeller, für die Bruderschaft St. Christoph und vieles mehr. Der Parade-Hotelier und Wirt aus Leidenschaft im Gespräch mit La Loupe.

Adi Werner
Adi Werner

L.L.

Mittlerweile führt ja Ihr Sohn Florian das Hospiz. Fällt es dem Seniorchef schwer, die Zügel aus der Hand zu geben oder überwiegt das Vertrauen in die Lenkfähigkeit der jüngeren Generation?

A.W.

Das Vertrauen ist sicher da. Solange es funktioniert und unterm Strich genügend überbleibt, ist das alles kein Problem.

L.L.

Was zeichnet denn eine erfolgreiche Betriebsübergabe aus?

A.W.

Dass sie trotz vieler Schwierigkeiten, die sich durch die Generationen ergeben, funktioniert, und man das Gefühl hat, dass alles weiterhin so reibungslos ablaufen wird.

L.L.

Im Rückblick auf Ihre Zeit als Hotelchef: Worauf sind Sie besonders stolz?

A.W.

Besonders stolz auf gar nichts, nur dass ich gemeinsam mit Gerda das Hospiz fast 50 Jahre führen konnte, und wir das Geld, das wir verdient haben, immer wieder investiert haben.

Adi Werner
Adi Werner

L.L.

Mit dem Hospiz haben Sie den Tourismus am Arlberg fast 50 Jahre lang wesentlich mitgeprägt. Was hat sich in den letzten Jahrzehnten hier am stärksten gewandelt, welche Entwicklung hat Sie am meisten überrascht?

A.W.

Die größte Veränderung war sicher der enorme Zuwachs an Betten. Vor knapp 50 Jahren gab es am Arlberg insgesamt 6.000 Betten, heute sind es 22.000. Das heißt natürlich, dass die Konkurrenz größer geworden ist. Am meisten überrascht hat mich die Veränderung im Urlaubsverhalten der Gäste. Früher haben unsere Stammgäste für Weihnachten, Februar und Ostern gebucht. Heute verreisen die Leute viel kurzfristiger, sie machen mehrere Urlaube im Jahr, aber jeweils mit viel kürzeren Aufenthalten.

L.L.

„Im Winter haben das Hospiz und der Arlberg im Allgemeinen ein Niveau erreicht, das wohl nicht mehr zu toppen ist. Die größte Herausforderung liegt also darin, die restliche Zeit des Jahres zu beleben“, sagte Ihr Sohn Florian letztes Jahr im LA-LOUPE-Interview. Ihre Meinung dazu?

A.W.

Die größte Herausforderung für mich besteht darin, das Niveau zu halten. Die Saison wird vielleicht länger werden, aber eine Ganzjahresöffnung im Hospiz und allgemein am Arlberg ist sicher nur ein Wunschdenken und wird meiner Meinung nach nicht kommen.

L.L.

In Ihrem Weinkeller lagert eine der weltweit größten Bordaux- Sammlungen an Weinen in Großflaschen – bis hin zu den 18 Liter fassenden Melchiorflaschen. Wann haben Sie zuletzt so ein besonderes Exemplar geöffnet?

A.W.

Wir hatten vor 14 Tagen eine Hochzeit, da wurden drei davon geöffnet. Hauptsächlich benötigen wir diese Flaschen bei Geburtstagen, Hochzeiten und ähnlichen Festen, oder wenn ein Freundeskreis von 15 bis 20 Leuten kommt. Im Jahr öffnen wir so zwischen 150 und 160 Flaschen.

L.L.

Den Wein, den Sie heute einkaufen, werden Sie zum Teil gar nicht mehr selbst trinken. Malen Sie sich manchmal den Moment aus, wenn ihn Ihre Nachfolger genießen?

A.W.

Für einen guten Weinkeller muss man jedes Jahr einkaufen. Daher ist es von Haus aus gegeben, dass die nachfolgenden Generationen den Wein genießen werden. Eine Flasche aus einem guten Jahrgang hält heutzutage nämlich 50, 60, 70 Jahre und mir gefällt der Gedanke, dass mein Enkel einmal Freude hat an den Weinen, die ich noch einkaufen konnte.

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L.L.

Sie haben die Bruderschaft St. Christoph im Jahr 1964 mit 126 Mitgliedern übernommen. Wie viele sind es heute und gibt es eine Zahl, die Sie gerne noch erreichen möchten?

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A.W.

Wir stehen jetzt bei ca. 19.800, also knapp an den magischen 20.000. Aber man muss sich immer wieder ein neues Ziel setzen! Viel wichtiger ist ohnehin, dass wir im Laufe dieses Winters der 10.000sten Familie mit unserer Bruderschaft helfen werden können. Wir haben bisher seit 1977 mit über 14 Mio. Euro geholfen!

L.L.

Sie sind amtierender Bruderschaftsmeister. Empfinden Sie diese ehrenamtliche Tätigkeit als erfüllenden Ausgleich zur Luxushotellerie?

A.W.

Wir haben keine Luxushotellerie, sondern eher eine Eventhotellerie. Wir sind zwar „First Class“, aber das Wort „Luxus“ finde ich zu hoch gegriffen. Die Bruderschaft füllt mich insofern aus, als dass der Erfolg die Motivation ist, weiterzumachen. Wir dürfen im Jahr 500 bis 600 neue Mitglieder aufnehmen, und das ist auch die größte Triebfeder.

L.L.

Was bedeutet für Sie eigentlich Luxus?

A.W.

Weiß ich nicht genau. Heutzutage kann man sich eh fast alles leisten. Er ist beinahe zur Normalität geworden. Luxus ist, wenn man sich Dinge kaufen könnte, obwohl man diese nicht braucht.

L.L.

Und wie sieht es mit Wünschen und Plänen für die Zukunft aus?

A.W.

Dem Hospiz wünsche ich, dass es sich weiterhin positiv entwickelt. Pläne für meinen Ruhestand gibt's keine, weil man als Wirt eigentlich ein Leben lang im Betrieb involviert bleibt, wenn man Freude am Beruf hat. Der einzige persönliche Plan ist, dass ich 100 Jahre alt werden möchte!