Den Sommer genießen

Axel Bach, Präsident des Kulinarik & Kunst Festivals in St. Anton, im Gespräch mit La Loupe

Bereits zum dritten Mal gaben sich Größen aus Kulinarik, Kunst und Musik beim Kulinarik & Kunst Festival in St. Anton im August und September 2016 die Klinke in die Hand. In atemberaubender Kulisse verwöhnten Haubenköche und Star-Winzer unter der Schirmherrschaft von Eckart Witzigmann, Hans Peter Wodarz und Heinz Winkler einen Monat lang die Gaumen eines anspruchsvollen Publikums. Axel Bach, Präsident des Vereins Kulinarik & Kunst in St. Anton am Arlberg, teilt seine Highlights exklusiv mit La Loupe und verrät, wie es mit dem Festival in Zukunft weitergeht. 

Axel Bach
Axel Bach

L.L. / 40 internationale Sterne- und Haubenköche, 17 renommierte Winzer und 30 herausragende Künstler. Das 3. Kulinarik & Kunst Festival war ein voller Erfolg. Herr Bach, können Sie sich trotzdem für ein persönliches Festival-Highlight entscheiden?

A.B. / Grundsätzlich ist die komplette Veranstaltungsreihe ein Highlight. Für mich gab es aber drei herausragende Höhepunkte: die Eröffnung zu Beginn, der Gourmet-Gondel-Gipfelsturm in der Mitte und der Abschluss mit dem Culture-Clash Tirol und Japan. Jedes dieser Events stellt sich separat voneinander an die Spitze. 

L.L. / Sie sind Präsident des Vereins Kulinarik & Kunst in St. Anton am Arlberg, der das Festival gemeinsam mit den fünf Top-Hotels St. Antons – Schwarzer Adler, Der Waldhof, Das Sonnbichl, Arlberg Hospiz und Tannenhof – 2013 ins Leben rief. Warum hat ein Event dieser Art in St. Anton noch gefehlt?

A.B. / Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, den Sommer zu promoten. Die Aktivitäten der Gemeinde und des Tourismusverbandes sind natürlich mannigfaltig – vom Arlberg Giro bis hin zu Marathonläufen. Diese Events sind sehr sportlich ambitioniert, das spricht natürlich auch für St. Anton. Unser Ansinnen ist es aber, der Klientel, die St. Anton im Winter besucht, auch den Sommer schmackhaft zu machen – weg vom Billigtourismus, dieser kann nicht das Ziel sein. St. Anton hat auch einen Namen zu verteidigen, nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer. Gefehlt hat das Kulinarik & Kunst Festival, weil es so ein Event einfach nicht gab. Wir haben das Rad aber nicht neu erfunden, sondern uns umgesehen und versuchen nun das, was andere gut machen, besser umzusetzen. 

L.L. / Die Schirmherrschaft haben auch dieses Jahr die „W³“ übernommen - Eckart Witzigmann, Hans-Peter Wodarz und Heinz Winkler. Sie gelten als Begründer der Spitzengastronomie im deutschsprachigen Raum. Hat es Überredungskünste gekostet, sie nach St. Anton zu locken oder waren die Köche sofort von der Idee begeistert?

A.B. / Ich habe im Februar angerufen und die Köche gefragt, wann sie Zeit hätten. Sie meinten daraufhin, dass es ihnen egal wäre und sie jederzeit kommen würden. Ich musste also gar keine Überredungskünste leisten. Sie waren gleich von der Idee begeistert, denn die Köche sind gerne hier. Uns verbindet eine über 30jährige Freundschaft, alle drei sind meine ehemaligen Lehrmeister. Sie sind stolz darauf, was ich hier veranstalte, und man trifft sich auch nach dem Festival regelmäßig und telefoniert viel.

L.L. / Im Rahmen der Eröffnung am 19. August 2016 wurde Eckart Witzigmann anlässlich seines 75. Geburtstags mit dem neu geschaffenen Summitas-Preis ausgezeichnet. Welcher Gedanke steht hinter dem Award und für welche Leistungen wurde Eckart Witzigmann geehrt?

A.B. / Der Gedanke hinter dem Award ist sicher erstmal die Verquickung von Kulinarik und Kunst. Das spiegelt dieser Preis auch optisch wieder: ein Arlberger Granitstein und zwei herausragende, sich drehende Stelen, die auf gleicher Höhe enden. Die beiden Stelen versinnbildlichen einerseits die Kunst, andererseits die Kulinarik. Sie sind in sich drehend, weil sowohl Kunst als auch Kulinarik flexibel sind, aber gemeinsam Höhen erreichen können. Ausgezeichnet wurde Eckart Witzigmann, weil er genau das wie kein anderer seit über 50 Jahren zelebriert. Einerseits menschlich, andererseits mit seiner Kreativität in der Kulinarik. Und auch als Mäzen und Förderer der Kunst. 

Diese Entscheidung lag dieses Jahr sehr nah. Eckart Witzigmann feierte seinen 75. Geburtstag, und es war uns eine große Ehre, ihn als ersten Preisträger zu benennen. In den folgenden Jahren werden wir sehen, welche nationale und internationale Persönlichkeit die Nachfolge antritt.


Eröffnung Kulinarik & Kunst Festival
Eröffnung Kulinarik & Kunst Festival
Promotion

L.L. / Werden denn nur Köche mit dem Summitas-Preis geehrt?

A.B. / Selbstverständlich können auch Künstler und Personen des öffentlichen Lebens den Preis erhalten. Man muss die Augen und Ohren offen halten und darauf achten, was in der Welt geschieht. Der Summitas-Award ist kein Pseudo-Preis, sondern zeigt die Verbindung zu uns, zu unserem Verein und der Region.  

L.L. / Jeden Abend zeigte ein anderer Sternekoch sein außergewöhnliches Können und verwöhnte die Gaumen eines erlesenen Publikums. Warum war es Ihnen wichtig, aus den einzelnen Programmpunkten keine Massenevents zu machen?

A.B. / Bei einem großen Event würde die Exklusivität verloren gehen. Eine begrenzte Personenzahl gibt dem Gast die Möglichkeit, hautnah am Koch zu sein und persönliche Gespräche zu führen – beispielsweise auch mit den Winzern. Die Exklusivität gibt dem Gast das Gefühl des Besonderen und des Auserwähltseins, auch wenn er die Karte kaufen muss. Auch den Köchen und den Winzern macht es sehr viel Freude, weil sie direkt mit dem Endklienten kommunizieren und ihre Philosophie transportieren können. Gast als auch Protagonist haben die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen, und das ist sehr sinnlich und intim. Das ist wirklich besonders. Ein Gast, der ein solches Event erlebt, hat etwas zu erzählen.  

L.L. / Ein Erlebnis der Spitzenklasse garantierte der Gourmet-Gondel-Gipfelsturm am 3. September 2016. Dieses Event war im wahrsten Sinne des Wortes ein Gipfeltreffen der Topgastronomie. Was war die Idee dahinter?

A.B. / Die Idee kommt ursprünglich aus Fiss auf dem Sonnenplateau. Dort gibt es auch eine Genussgondel, in der man frühstücken und essen kann. Diese Gondel fährt aber nur im Kreis. Wir entwickelten daraus die Idee, die Gäste ganz nach oben, auf die 2.811 Meter hohe Valluga zu bringen.

Dieses Jahr fand der Gourmet-Gondel-Gipfelsturm zum dritten Mal statt und bis jetzt hat das Event immer wunderbar geklappt. Logistisch ist der Aufwand sehr groß, denn wir müssen Equipment auch auf die Valluga bringen und es zeitig auch wieder abtransportieren –  um 22 Uhr endet die Fahrzeit der Bergbahnen. Wenn sich der letzte Gast verabschiedet hat, muss sofort alles wieder abgebaut werden.

Im ersten Jahr hat es geschneit, im zweiten geregnet und dieses Jahr war es schon fast kitschig schön. Mit Gämsen auf den Berggipfeln, Sonnenuntergang und Nebel, der sich über den Galzig zog. Es hat nur noch Sissi gefehlt, die Edelweiß pflückt (lacht). Die Gäste standen oben und konnten sich nicht sattsehen, an dieser Kitsch-Kulisse. Es war toll. Die Köche, Winzer und Musikanten haben ihr Übriges dazu beigetragen. Bei einem Event dieser Größenordnung haben wir ungefähr 50 bis 60 Mitarbeiter, obwohl wir sonst nur zu fünft sind. Es muss alles gut koordiniert sein. Wenn die Gäste aber zufrieden nachhause gehen, haben sich die Mühen auf jeden Fall gelohnt. 

James Baron
James Baron

L.L. / Ein großer Fokus des Festivals liegt auf der Verwendung von heimischen Produkten. Warum wird es heutzutage immer wichtiger, regionale Lebensmittelproduzenten zu unterstützen?

A.B. / Es ist generell ein zweischneidiges Schwert, denn „lokal“ ist nicht immer „lokal“. Ein Großhändler, der hier seine Firma hat, muss nicht zwingend Produkte aus der Region führen. Heutzutage muss man rausgehen und die ehrlichen Produzenten suchen. Man muss sie überzeugen, gemeinsame Projekte durchzuführen – auch wenn man keine großen Mengen abnimmt. Die Faszination und die Leidenschaft des Produzenten müssen vorne anstehen. Wenn er nicht will, geht es nicht. Das macht uns als Verbraucher abhängig vom Wollen und dem Weitblick eines Zulieferers. Einige Gäste haben mittlerweile verstanden, dass sie hier in der Alpenregion beispielsweise keine Jakobsmuschel oder keinen Steinbutt bestellen sollten. Ein Saibling oder ein Zander aus der Region sind eine tolle Alternative.

Als Gastronom muss man die Karten auf den Tisch legen und zu seinem Wort stehen. Ansonsten geht der Schuss nach hinten los. Der Gast muss immer ehrlich behandelt werden, denn er erweitert beispielsweise durch Kochshows seinen kulinarischen Horizont. Unsere Branche lebt immer mehr von Gefühlen. Man muss dem Gast unsere Werte erklären und ihm unsere Küche näher bringen.  

L.L. / Einen Monat lang war St. Anton Ort der Begegnung und der Inspiration. Eva-Maria Hüttl, Sie sind intensiv in die Planung des Kulinarik & Kunst Festivals involviert. Wie lange arbeiten Sie mit Ihrem Team an der Umsetzung und was waren 2016 die größten Herausforderungen?

E.H. / Die Planung des Festivals dauert fast ein ganzes Jahr. Grundsätzlich starten wir im Winter mit der Befüllung der Website und der Planung des Programmhefts.  Nach den Weihnachtsfeiertagen geht es richtig los und ab März beginnt dann die heiße Phase.

Die Köche und Künstler stehen in engem Kontakt mit Axel Bach und kennen das Festival meistens schon aus dem Vorjahr. Highlights und Herausforderung zugleich waren in diesem Jahr die Eröffnung, der Gourmet-Gondel-Gipfelsturm und die Fashionshow im Herminenstollen. Die logistische Durchführung und die Koordination der zahlreichen Teilnehmer ist immer die größte Herausforderung des Festivals.             

L.L. / Was war das schönste Kompliment, das jemand über das Festival gemacht hat?

E.H. / Die Menschen am Ende einer Veranstaltung strahlen zu sehen – das ist das größte Kompliment.

Fashionshow von Rebekka Ruétz
Fashionshow von Rebekka Ruétz
Promotion

L.L. / Im Winter gibt es als Pendant das Event „Kitchen Unplugged“. Welches Konzept verbirgt sich dahinter? 

A.B. / Der Winter ist in St. Anton kulinarisch sehr hoch und künstlerisch eher gering besetzt. Während der Wintersaison gibt es nicht die Option, die kulinarische Qualität von Externen nach St. Anton zu holen. Alle Köche haben im Winter volle Häuser und mehr als genug zu tun. Kitchen Unplugged ist eine ganz besondere Erfahrung für eine sehr limitierte Anzahl an Gästen, vier an der Zahl, die in den Küchen unserer Mitgliedshotels parallel zum Tagesgeschäft erleben können, was dort passiert. Die Gäste haben dabei den hautnahen Kontakt zu den jeweiligen Küchenchefs und essen und trinken ebenfalls in der Küche. Erleben kann man das Konzept gangweise in drei verschiedenen Hotels. Kitchen Unplugged ist nicht neu, die Idee kommt ursprünglich aus Zermatt und mit Genehmigung der dortigen Initiatoren haben wir das Konzept für St. Anton übernommen und etwas abgewandelt. 

Wordrap mit Axel Bach

Dieses Gericht ist mir vom Kulinarik & Kunst Festival ganz besonders in Erinnerung geblieben: Das Forellenfilet auf dem Salzstein von Lukas Nagl.

So genieße ich St. Anton im Sommer: Natur, Schwammerl suchen und mit den Hunden spazieren gehen.

Und im Winter? Bis aufs Schwammerl suchen dasselbe. Im Winter kommt noch das Skifahren dazu, wobei der Tag dafür perfekt sein muss. Ich bin sehr wählerisch, oft stört mich schon eine Wolke.

Von Fast Food halte ich...wenn es gut ist, viel.

Das macht den Genuss in St. Anton einzigartig: St. Anton.

Axel Bach

Seit 2014 veranstaltet Axel Bach gemeinsam mit den fünf Hotels Tannenhof, Arlberg1800 Resort, Schwarzer Adler, Der Waldhof und Das Sonnbichl das Kulinarik & Kunst Festival in St. Anton am Arlberg. Als Geschäftsführer des Tannenhofs setzt er sich für regionale Lebensmittelproduzenten ein und möchte mit dem Festival den Sommertourismus in St. Anton fördern. Dazu sagt Axel Bach: „Der Gast soll sich einlassen, auf die Vielfalt der Geschmäcker, auf die Nuancen der Kunst, auf die Landschaft und auf St. Anton – eben auch und im Besonderen im Sommer“. Der Erfolg gibt ihm Recht, das Kulinarik & Kunst Festival ist ein Feuerwerk für die Sinne.