Lust auf ein Feierabendbier ... in Lederhose?

Interview mit Georg Klampfer, Initiatior des LederhosenDonnerstag

Im Sommer 2013 entschieden sich die beiden Salzburger Georg Klampfer und Christian Eibl dafür, an einem Tag der Woche die Alltagskleidung gegen die Lederne zu tauschen und davon Bilder auf Instagram zu veröffentlichen – und schon war sie geboren, die Initiative LederhosenDonnerstag um Tracht im Alltag populärer zu machen. Seitdem hat das traditionelle Beinkleid donnerstags einen festen Platz in der Garderobe der beiden Gründer, egal ob auf Dienstreisen, in den Flitterwochen auf Hawaii oder in den kalten Wintermonaten. Und nicht nur die zwei Salzburger Buam sind begeistert von der Wiederbelebung der Tracht, sondern auch in New York, Wien, Südafrika und München findet die Initiative zahlreiche Nachahmer. Im Interview erklärt Georg Klampfer das ungewöhnliche Konzept, gibt Einblicke in das monatlich stattfindende LederhosenDonnerstag Feierabendbier und hat für La Loupe einige Salzburg Tipps parat.  

Christian Eibl (li.) und Georg Klampfer (re.)
Christian Eibl (li.) und Georg Klampfer (re.)

L.L. / Sie trugen schon immer gerne Tracht, jedoch viel zu selten. Welches Gefühl gibt Ihnen dieses traditionelle Kleidungsstück?

G.K. / Zum einen finde ich jede Party oder auch Business-Veranstaltung in Tracht gleich mal lustiger und lockerer als in jedem anderen Kleidungsstil. Dazu kommt, dass bei uns in Salzburg die Tracht nicht als Verkleidung oder Kostüm gesehen wird, sondern mittlerweile, vielleicht auch wegen unserem LederhosenDonnerstag, absolut alltagstauglich ist.

Zum anderen kann man die kurze Lederhosen auch zu den festlichsten Veranstaltungen und wichtigsten beruflichen Terminen anziehen – eine kurze Hose wohl nur auf den Bermudas.

L.L. / Alles entstand hier in Salzburg. Hat die Mozartstadt eine ganz besondere Beziehung zu Tradition und Tracht?

G.K. / Wie gesagt, in Salzburg nimmt niemand mehr die Tracht als Verkleidung war. Wir tragen sie gern und sind stolz darauf. Egal ob zum Rupertikirtag im Herbst, an einem sommerlichen LederhosenDonnerstag oder zum traditionellen Adventsingen im Winter im Salzburger Festspielhaus.

Übrigens: Die erste Gage der Künstler der Salzburger Festspiele nach dem zweiten Weltkrieg waren Lederhosen. Also ja, da gibt’s eine besondere Tradition.

L.L. / Der LederhosenDonnerstag feiert in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag. Hat sich am Stadtbild etwas geändert?

G.K. / Das schönste ist es, an einem sonnigen LederhosenDonnerstag mit der Vespa durch Salzburg zu fahren und an Bushaltestellen, in Cafés und anderen Lokalen die Leute in Tracht zu sehen. Ein Gast aus Deutschland hat mich mal gefragt, wieso denn hier alle Tracht tragen würden. Die Antwort war einfach, es war LederhosenDonnerstag.

LederhosenDonnerstag in Wien
LederhosenDonnerstag in Wien

L.L. / Stellen wir uns vor, es ist Donnerstag: Morgens geht es in die Arbeit, danach zu einem schicken Dinner. Was kombiniert der Mann von heute zur Ledernen um zu jedem Anlass gut angezogen zu sein?

G.K. / Wenns schick sein soll, dann gern ein sportliches, elegantes Sakko. Das passt auf jeden Fall.  Bitte keine karierten Hemden dazu – das wär’ dann doch zu kitschig.

Oder natürlich auch den klassischen Trachten Schalk. Das Non-Plus-Ultra wär’ dann noch der federkielgestickte Ranzen um den Bauch. Mehr geht nicht. Schicker geht nicht.

Es muss aber nicht immer alles traditionell zusammenpassen. Die Lederne ist so universell tragbar wie die Blue Jeans.

LederhosenDonnerstag beim Latschenwirt
LederhosenDonnerstag beim Latschenwirt

L.L. / Jeden Monat veranstalten Sie das LederhosenDonnerstag Feierabendbier in Salzburg. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

G.K. / In Salzburg gibt es wenige bis keine After Work Parties. Und schon gar nicht in Tracht. Wir wollten den Leuten, die nicht so verrückt sind wie wir, einen Grund geben, einmal im Monat die Tracht zu tragen. Das gefällt nicht nur den Burschen in der Ledernen, sondern vor allem auch den Damen im Dirndl.

Also laden wir einmal im Monat in ungewöhnliche aber auch und traditionelle Salzburger Locations um bei guten DJ Klängen einen Sundowner zu genießen. Auf HumpfTata verzichten wir dabei gerne. Da hat sich gleich zu Beginn eine echt coole Klientel entwickelt. Das macht uns schon auch ein bisschen stolz. Und für unsere Partnerbetriebe ist das natürlich auch super.

Die Termine und Locations veröffentlichen wir zeitnah auf unserer facebook-Seite.

L.L. / In diesem Jahr wird es noch eine eigene Salzburg-Ausgabe des La Loupe geben. Welche Chancen bieten sich dem Magazin in der Mozartstadt? Welche Empfehlungen sollten aufjedenfall dort erscheinen?

G.K. / Ich bin schon sehr gespannt auf Salzburgs La Loupe!

Es gibt so viele tolle Dinge abseits der touristischen Klassiker in Salzburg zu besuchen. Vor allem die kleinen Handwerksbetriebe in der Altstadt, die Dachterrassen, die Prunkräume der Galerien, Stadthäuser und Schlösser, die man zum Teil nur am LederhosenDonnerstag betreten darf. Aber auch das Umland mit den vielen Seen, Bergen und Wäldern, das ich am liebsten mit der Vespa erkunde. Dabei kommt auch die Kulinarik beim Latschenwirt am Untersberg, oder bei den Döllerers in Golling auf gar keinen Fall zu kurz.

Und Achtung: Es entwickelt sich eine feine StartUp Szene in Salzburg mit vielen überraschenden Lokalen, Geschäften und Werkstätten.

Salzburger des Jahres
Salzburger des Jahres

Wordrap mit Georg Klampfer

Ich besitze ... 4 ... Lederne.

Von Lederhosen made in China halte ich ... gar nix. Lieber ein bisschen was sparen und a echte Hirscherne kaufen. Die hält dann auch ein Leben lang. 

Der einzige Anlass, bei dem ich nicht zum traditionellen Beinkleid greifen würde: Für den Eröffnungstanz beim Opernball bin ich schon zu alt. Also bleibt nur eines: Beim Sprung ins Wasser tut man der Ledernen nix Gutes. Dann doch lieber kurz so wie Gott mich schuf.