Man trägt ein „B“ am Reissverschluss

Interview mit ​Willy Bogner

Willy Bogner hat bei der Verteilung von Talenten wohl öfters aufgezeigt: In den 1960ern zählte er zu den besten deutschen Skirennläufern. Als autodidaktischer Filmemacher begeisterte er selbst James-Bond-Produzenten.

Und als Designer und Inhaber der Bekleidungsfirma Willy Bogner sorgt er dafür, dass wir stilvoll über die Pisten wedeln. Der Tausendsassa im Interview.

L.L.

Wann waren Sie das letzte Mal auf der Piste am Arlberg?

W.B.

Das war 2007 – leider schon eine ganze Weile her!

L.L.

Und wie viele Gäste haben Sie gesehen, die Bogner trugen?

Willy Bogner
Willy Bogner

W.B.

Gefühlt in etwa 57… Nachgezählt habe ich aber natürlich nicht.

L.L.

Ihr Unternehmen sieht einem runden Jubiläum entgegen - 80 Jahre Bogner. Wie werden Sie dieses Ereignis feiern?

W.B.

Gebührend natürlich: Wir haben z. B. eine Bogner Heritage Collection entwickelt, die die acht Jahrzehnte der
Unternehmensgeschichte Revue passieren lässt. Unsere Designer haben sich dafür von Bildern aus dem Archiv inspirieren lassen und diese Styles neu und modern interpretiert. Im Oktober erscheint zudem das Jubiläumsbuch „Bogner Moments“, das unsere Historie in eindrucksvollen Bildern und unterhaltsamen Geschichten wiedergibt. Und Familie und Freunde von uns, darunter viele bekannte Persönlichkeiten aus der deutschen und internationalen Sport- und Filmwelt, haben die Laufflächen unseres Bambus-Skis mit Glückwünschen individuell gestaltet – so ist jeder Ski dieser limitierten Auflage ein außergewöhnliches Unikat.

L.L.

Ihre Familie hatte früher eine Wohnung ist St. Anton. Welche Erinnerungen haben Sie an den Arlberg?

W.B.

Schwierige Pisten, exzellente Skifahrer, gute Stimmung.

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L.L.

„Fire and Ice“, James Bond – wie bitte kommt man von der Piste auf die Leinwand?

W.B.

Meine Liebe zur Kamera entwickelte sich durch die Jagdleidenschaft meines Vaters. Ich begleitete ihn auf die Pirsch und fotografierte Rehe und Hirsche. Dann kaufte sich mein Vater eine 16-mm-Kamera, die ich mir bald darauf „aneignete“. So wurde ich später von meinem Vater auf dessen Jagdreisen als „Reporter“ angestellt.

Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass es quasi auf der Hand lag, auch über meine große Leidenschaft, das Skifahren, Filme zu machen. Der erste „professionelle“ Schritt kam 1960, als Harry Valérien, ein berühmter TV-Moderator, mich fragte, ob ich als Teilnehmer der olympischen Spiele nicht einen Bericht aus dem olympischen Dorf machen wollte, weil Presseleute keinen Zutritt hatten. Bei der Bearbeitung dieses Materials, beim Schnitt, bei der Vertonung etc. habe ich sehr viel gelernt.

Learning by doing, wie man so schön sagt. Ich habe ja nie eine Filmschule besucht. Der zweite Schritt folgte 1964. In „Ski Faszination“ entwickelte ich eine neue Technik: mit der 35-mm-Kamera in hoher Geschwindigkeit filmen. Diese Szenen sah ein Produzent von James Bond, und so ergab es sich, dass ich für vier James-Bond-Filme die Skisequenzen drehte, erstmals 1968 in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.

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L.L.

Gibt es ein aktuelles Filmprojekt bzw. eine Idee, die Sie noch verwirklichen wollen?

W.B.

Ja, denn nächstes Jahr steht schon wieder ein Jubiläum an – dann jährt sich der Beginn meiner Filmkarriere zum 50. Mal. Und diese 50 Jahre werde ich mit zahlreichen bekannten Wintersport-Größen und atemberaubenden Ski-Action-Szenen in einem 3-D-Kinoerlebnis wieder aufleben lassen.

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L.L.

Ihr Trendtipp: Was trägt man diesen Winter auf der Skipiste?

W.B.

Ein B am Reißverschluss.

L.L.

Und was sollte man unbedingt im Skistall lassen?

W.B.

Man sollte generell tragen, was einem gefällt – und besonders, wenn es der 20 Jahre alte Bogner-Overall des Vaters ist!

L.L.

Wie oft gehen Sie heute selbst noch Skifahren?

W.B.

So oft, wie’s geht – wo immer guter Schnee, gutes Wetter und gute Freunde zusammenkommen.

L.L.

Schneehemden, Jethosen, Neon-Sunblocker. Müssen wir uns davor irgendwann wieder fürchten?

W.B.

Ist doch schön, wenn man über irgendwen oder irgendwas lästern kann!