Landwirtschaftliches Kulturerbe

Interview mit Stefan Muxel

Stefan Muxel, erfolgreicher Hotelier im Vier-Sterne-Resort Mohnenfluh ist seit 2012 auch Bergbauer. Hoch oben auf 1.750m liegt er, der Muxelhof. Leben im Zyklus der Jahreszeiten, Ruhe und Authentizität erwarten den Besucher. Respektvolles Geben und Nehmen bestimmen die Herstellung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Mehr über ein neues Ernährungsbewusstsein und die Rückkehr zur Regionalität erzählt Stefan Muxel im LA LOUPE-Gespräch.

L.L.

Sind Sie selbst im bäuerlichen Umfeld aufgewachsen oder hat sich Ihre Leidenschaft für die Landwirtschaft erst später manifestiert?

S.M.

Seit jeher ist der Muxelhof als höchst gelegener, ganzjährig bewirtschafteter Bergbauernhof Vorarlbergs in Familienbesitz. Mir wurde die Verbundenheit zur Landwirtschaft also bereits in die Wiege gelegt. Die Leidenschaft dafür wuchs im Laufe meines Lebens zum großen Wunsch, den Hof selbst zu bewirtschaften. Im Jahr 2012 wurde er mit dem Erwerb des Muxelhofes Wirklichkeit. Heute bin ich gemeinsam mit meiner Familie stolz, das Erbe meiner Vorfahren in eine lebendige Zukunft zu führen. Immerhin wurde der Bauernhof bereits 1660 erstmals urkundlich erwähnt!

L.L.

Was waren die Beweggründe, den alten Muxelhof zu revitalisieren?

S.M.

„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“. Ein wunderschönes Zitat von Goethe trifft unsere Motivation am besten. Das Leben am Hof war früher hart und entbehrlich. Wir haben großen Respekt vor der unglaublichen Leistung der vorhergegangenen Generationen und möchten ihre ursprüngliche, geerdete Lebensweise erhalten. Im Muxelhof sollen alte Traditionen neben den Einflüssen der heutigen Freizeitkultur bestehen. Das eine kann das andere nur bereichern.

Stefan Muxel
Stefan Muxel

L.L.

Sehen Sie die Arbeit am Hof als Ausgleich zum Hoteliersberuf? Wie viel Zeit bleibt überhaupt für Ihr Hobby, wenn man das so nennen darf?

S.M.

Manchmal ist die Vereinbarkeit beider Betriebe tatsächlich ein Balanceakt. Aber das ist es mir wert! Der Muxelhof ist heute mehr denn je eine Kraftquelle und lässt mich in meiner Mitte ruhen. Nirgendwo sonst bin ich 365 Tage im Jahr so stark mit der Natur verbunden. Die Arbeit auf der Landwirtschaft gibt unheimlich viel zurück, sie erdet mich und lässt mich bewusster leben. Der Muxelhof ist in vielerlei Hinsicht ein großes Glück, das mich wahrhaftig berührt.

L.L.

Überspitzt formuliert führen Sie mit dem Muxelhof eine Art Luxushotel für Tiere. Wer ist eigentlich launischer, die tierischen oder die menschlichen Gäste?

S.M.

Vielen Dank fürs Kompliment, die räumliche Gestaltung ist uns wirklich gut gelungen. Nicht nur unsere tierischen Bewohner fühlen sich wohl, auch die Gäste unseres Hotels kommen mit Freude hierher. Besonders gern trifft man sich in unserer gemütlichen Stube mit Aussicht auf Geißlein, Esel und Co. Zum Thema Sturheit fällt mir die Wahl schwer. Die Launen von Mensch und Tier sind sich oft ähnlicher als man denkt. Der große Unterschied ist vielleicht, dass es leichter fällt, einem Kälbchen seinen Sturkopf zu verzeihen, als einem menschlichen „Ochsen“.

L.L.

Wie kommt der Muxelhof bei Ihren Hotelgästen an? Spüren Sie eine wachsende Sehnsucht nach authentischen Urlaubserlebnissen?

S.M.

Die Mohnenfluh-Gäste lieben den Muxelhof. Nicht zuletzt aufgrund der vielen Schmankerln, die direkt vom Hof in unsere Küche „wandern“. Unsere Gäste genießen genau wie wir die Ruhe und Naturverbundenheit, die der Muxelhof ausstrahlt. Die Welt ist laut und hektisch geworden. Gelassenheit, Echtheit, ja, einfach „sein“ dürfen ist das, was die Menschen immer mehr suchen. Die Tiere am Hof interessieren sich nicht für Kontostand und Sportwagen. Sie wollen den Gast als Mensch mit seiner ganzen Aufmerksamkeit. Dafür schenken sie dir ein Gefühl tiefen, inneren Friedens. Unsere Besucher schauen gern vorbei und nehmen sich ein Stück davon mit ihr Leben daheim. Es freut uns sehr, dass einige sogar Tierpatenschaften übernehmen. Übrigens ist der Muxelhof ein offenes Haus – auch Nicht-Hotelgäste sind jederzeit sehr herzlich willkommen!

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L.L.

Schon mal ein Gästekind erlebt, das an lila Kühe glaubte?

S.M.

Bis zum heutigen Tag ist das noch nicht vorgekommen. Aber es wäre schön, mit so einem Kind den Muxelhof zu entdecken und es der Natur ganz nahe zu bringen.

L.L.

Fällt es Ihnen selbst schwer, Ihre eigenen Tiere zu essen bzw. verstehen Sie Menschen, die aus Tierliebe eine vegane Ernährung bevorzugen?

S.M.

Als Bergbauernsohn sehe ich Landwirtschaft und Viehzucht als stetes Geben und Nehmen. Insofern ist es für mich selbstverständlich, die Erzeugnisse des Muxelhofes mit Respekt zu genießen. Den Trend zum veganen Lebensstil kann ich aber gerade im städtischen Raum gut nachvollziehen. Die Konsumenten leben bewusster. Die Menschen verzichten immer mehr auf Fleisch, bevor sie mit ihren Gewohnheiten Massentierhaltung unterstützen. Um landwirtschaftliche Erzeugnisse ohne schlechtes Gewissen genießen zu können, wird außerdem vermehrt auf Produktherkunft und artgerechte Tierhaltung geachtet.

L.L.

Ihr eigenes Rindfleisch wird exklusiv im Hotel Mohnenfluh serviert. Was macht seine besondere Qualität aus?

S.M.

Unsere „Grauelen“ wachsen in ihrer ureigenen Heimat auf. Das Original Grauvieh wurde ursprünglich in den Seitentälern Tirols gezüchtet. Heute ist die Rasse vom Aussterben bedroht, obwohl sie in Feinschmeckerkreisen weltweit zu den gefragtesten Fleischsorten zählt. Dann ist da noch das wundervolle Futter! Kaum irgendwo gibt es so herzhafte Bergkräuter, so reines Gebirgsquellwasser und so klare Luft wie hier bei uns auf der Hochalpe. Das schmeckt man einfach! Wir legen großen Wert auf aufmerksame Zucht mit viel Freiraum für die Tiere. Geschlachtet und verarbeitet wird mit Respekt vor dem Tier. Und natürlich spielt auch die schonende Zubereitung unseres Küchenchefs eine wichtige Rolle.

L.L.

In letzter Zeit setzen immer mehr Hotelküchen in Lech auf regionale Qualitätsprodukte. Denken Sie, dass dieser Trend anhalten wird?

S.M.

Ich denke, dass diese Entwicklung mehr als ein Trend ist. Sie basiert auch auf einem Bedürfnis des Gastes. Er möchte sich im Einklang mit der Schöpfung fühlen. Dazu gehören eine verantwortungsbewusste Ernährung und die daraus resultierende Rückkehr zur Regionalität. Auch uns Arlberger Betrieben liegt das sehr am Herzen. Wir begegnen dem Massenkonsum mit Regionalität und Stolz auf das, was wir haben. Mit dem natürlichen Reichtum unserer Region punkten wir und leben gleichzeitig ein gutes Beispiel.

L.L.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was ist Ihre Vision vom Tourismus in Lech?

S.M.

Lech steht für ein Wechselspiel von Luxus und unverfälschtes Naturerlebnis. Das sich nicht konkurrierende Nebeneinander dieser beiden Merkmale ist maßgeblich für den Erfolg des Ortes. Und das soll auch so bleiben. Ein starkes Miteinander, aufeinander schauen und jedem seinen Raum lassen, das wünsche ich mir für Lech. Alle sollen an einem Strang ziehen und doch soll jeder Gastgeber seine eigene Philosophie leben. Uns wird so viel geschenkt. Geben wir etwas zurück, in dem wir die Natur wertschätzen und pflegen.

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Stefan Muxel im Wordrap

​Unsere Philosophie in Mohnenfluh und Muxelhof:

„Echte Berge. Echte Menschen.“. Alles darf authentisch sein, fernab von Perfektion und Etikette. Die Natur gibt den Ton an und mit ihr unser Herzschlag.

​Was wir Menschen von den Tieren lernen können:

Ruhe und dieses absolute „Im-Jetzt-Sein“.

​Das schmeckt mir von meinen eigenen Produkten am besten:

Eigentlich alles, besonders aber unsere Lammspezialitäten.

​Das bedeutet für mich echte Lebensqualität:

Die Familie bei mir zu wissen. Ganz ich selbst sein zu können und dabei echte Erfüllung zu spüren.

​Darauf bin ich stolz:

Auf meine Familie mit Raingard, Marie-Theres, Martin und Johannes. Die Lebensleistung meiner Eltern und die nachhaltige Entwicklung der Mohnenfluh.