„Unsere Gäste sind Freunde geworden.“

Interview mit Ludwig Muxel, Bürgermeister von Lech

Für viele Lecher ist er als Oberhaupt der Arlberggemeinde gar nicht mehr wegzudenken: Ludwig Muxel. Seit 24 Jahren stellt er sich schon den Herausforderungen des Bürgermeisteramts, trifft wichtige Entscheidungen und repräsentiert die Gemeinde nach außen. Im Interview mit La Loupe spricht der 62-jährige Lecher über die Wichtigkeit von Stammgästen, die Weltoffenheit am Arlberg und die Vernetzung in Zeiten des Internets.

L.L. / Herr Muxel, Sie dürfen mittlerweile auf eine 24-jährige Amtszeit als Lecher Bürgermeister zurückblicken. Auf was sind Sie ganz besonders stolz?

L.M. / Mich freut, dass wir es in Lech Zürs geschafft haben, nicht nur als Wintersportdestination, sondern auch als international renommierter Standort für Kunst und Kultur bekannt zu sein. Seit über 20 Jahren veranstalten wir mit großem Erfolg das Philosophicum Lech, mit dem Lech Classic Festival holen wir hochkarätige Künstler und neue Gäste nach Lech, auch das Medicinicum Lech hat sich im Sommer bestens etabliert. Im Kunstbereich konnten wir ein vielbeachtetes Projekt mit Antony Gormley realisieren und wir haben James Turrell für ein Skyspace-Projekt in Lech gewonnen. Diese Projekte beweisen auch im kulturellen Bereich den hohen Anspruch von Lech Zürs, der mir persönlich sehr wichtig ist.

L.L. / Von 8. bis 16. Juli findet das große Stammgästetreffen in Lech statt – alle Gäste, die zehn oder mehr Jahre ihren Urlaub in Lech Zürs verbringen, bekommen ein Ehrennadelabzeichen. Welche Bedeutung haben besonders diese Urlauber für die Region?

L.M. / In manchen Belangen sind wir in Lech Zürs recht altmodisch. Zum Beispiel, wenn es um die Pflege von guten Beziehungen geht. Unsere erfolgreichen Hotels sind meist Familienbetriebe. Da stehen Menschen mit viel Einsatz und Herzblut dahinter – und entsprechend familiär und freundschaftlich entwickeln sich dann auch die Beziehungen zu langjährigen Gästen. Unsere Stammgäste sind mehr als nur Gäste, die ihren Urlaub bei uns verbringen. Sie sind oft Freunde geworden, sie nehmen Teil an der Entwicklung unseres Ortes und vor allem sind sie die besten Botschafter für Lech Zürs, das wertschätzen wir sehr.

Ludwig Muxel
Ludwig Muxel

L.L. / Gemeinsam mit dem Literaten Michael Köhlmeier initiierten Sie 1997 das Philosophicum Lech, ein Ort der Begegnung und des philosophischen Austausches. Was war der Auslöser für das Symposium und welcher Moment ist Ihnen nach über 20 Jahren Philosophicum Lech im Gedächtnis geblieben?

L.M. / Wir hatten damals gerade das Buch „Die Leute von Lech“ herausgebracht – übrigens ein wunderbares Buch über Lech und seine Besonderheiten. Wussten Sie zum Beispiel, dass auch Schweine einen Sonnenbrand bekommen können? Während wir an einem Abend über das Buch und Lech redeten, hat Michael Köhlmeier gefragt, ob Lech mit seiner Landschaft und Natur nicht auch ein idealer Platz für philosophische Gespräche wäre. Ich war sofort begeistert und so ist an diesem Abend im Aurora das Philosophicum Lech in seinen Grundzügen entstanden.

L.L. / Von 7. bis 13. August geht es für Sie gemeinsam mit der Lechdelegation zur Partnergemeinde Kampen auf Sylt. Dort werden Sie mit der eigenen Lech-Alpe vertreten sein. Wie wichtig sind Partnerorte in der heutigen Zeit? Worauf freuen Sie sich am meisten auf Sylt?

L.M. / Je mehr wir ständig vernetzt, mobil und online sind, desto einsamer werden wir in Wirklichkeit. Ich halte sehr viel von echten Partnern, mit denen wir auch echte Beziehungen pflegen. Das erfordert klarerweise auch ein persönliches Engagement von beiden Seiten. Kampen auf Sylt ist einer unserer Partnerorte, mit denen wir einen regelmäßigen Austausch haben, genauso wie Beaver Creek in den USA und Hakuba in Japan.

Auf Sylt freue ich mich besonders auf den Gegensatz zu Lech – die weiten Strände, das Meer und die Landschaft in der für mich grenzenlos scheinenden Ebene. Ein Besuch auf der Insel bringt auch einen interessanten Perspektivenwechsel und immer einen spannenden Austausch mit den Kollegen auf Sylt. 

L.L. / Sie setzen sich für zahlreiche Umweltinitiativen in der Region Lech Zürs ein, die Biomasseheizwerke und die blaue Flotte (Ortsbusse als gute Alternative zur Nutzung des eigenen PKWs) sind nur zwei Beispiele. Warum wird es in Zukunft immer wichtiger, auf Nachhaltigkeit zu achten?

L.M. / Ich bin in Lech aufgewachsen, Natur und Landschaft sind mir von klein an vertraut und ein wertvoller Teil meines Lebens. Allein schon aus diesem persönlichen Respekt vor der Natur und auch aus Liebe zu ihr, habe ich immer schon geschaut, was wir tun können, um unsere Ressourcen zu schonen. Aber auch aus ganz pragmatischen Überlegungen müssen wir gerade in einem Tourismusort, der hohe Ansprüche hat, alles daran setzen, die Umwelt nachhaltig zu entlasten, für uns selbst und auch für unsere Gäste, die übrigens in Umweltfragen immer anspruchsvoller und sensibler werden.

L.L. / Sie sind auch für die strengen Bauvorschriften verantwortlich, die das traditionelle Ortsbild erhalten sollen. Wie wichtig ist es, Altes zu bewahren und wie kann Tradition und Moderne trotzdem verbunden werden?

L.M. / Ich sehe Lech vor allem als ein Dorf, in dem sich die Einheimischen auch in der Zwischensaison wohlfühlen sollen. Das funktioniert nur, wenn wir ein Dorf mit authentischer Lebensqualität bleiben. Dazu gehört ein Bekenntnis zur Tradition eines gelebten Dorfes, genauso wie Offenheit gegenüber moderner Architektur. Wichtig ist die richtige Balance – das gelungene Zusammenspiel von Tradition und Moderne und das Augenmaß.

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Promotion

L.L. / Jährlich laden Sie über 100 internationale Politiker und Interessenträger aus Industrie, Zivilgesellschaft und der Wissenschaft nach Lech zum Europaforum ein. Manchmal hat man den Eindruck, die Arlberggemeinde liegt doch etwas isoliert inmitten der Alpen – ist ein Austausch auf internationaler Ebene deshalb umso wichtiger? Was bedeutet das Forum für Lech?

L.M. / Wir haben im Gegenteil oft den Eindruck, dass Lech mitten in Europa liegt, weil so viele Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft gerne bei uns Urlaub machen. Gelebte Weltoffenheit ist ein großes Thema für uns in Lech Zürs. Wir sind eine internationale Destination und leidenschaftliche Gastgeber für Menschen aus aller Welt. Das Europaforum mit seinen prominenten Gästen bringt uns jedes Jahr wieder die Bestätigung, dass wir als hochalpines Dorf ein lebendiger Teil mitten in Europa sind. Diese Weltoffenheit hat unseren Tourismus und auch die Menschen geprägt.

L.L. / Seit 2015 ist Lech offiziell als familienfreundliche Gemeinde zertifiziert. Damit gehört der Arlbergort zu den wenigen Tourismusgemeinden, die sich dazu entschlossen hat, die umfangreichen Bestimmungen zu erfüllen. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass gerade in Tourismusregionen Einheimische oft etwas vernachlässigt werden? Wie lässt sich Lebensraum für Lecher und Gäste vereinen?

L.M. / Da gibt es eine einfache Antwort: Wenn sich die Einheimischen in unserem Dorf wohlfühlen, gefällt es auch den Gästen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten daher viel unternommen, um die Lebensqualität für alle Lecher entsprechend zu verbessern. Die Gemeinde hat leistbare Wohnungen für Einheimische errichtet, wir sind gerade mit dem Neubau einer modernen Schule beschäftigt, in unserem Sportpark bieten wir zahlreiche Aktivitäten und wir haben ein reges Dorf- und Vereinsleben. Als familienfreundliche Gemeinde wenden wir uns sowohl an unsere Einheimischen als auch an unsere Gäste. Wir sichern unsere Zukunft, indem wir die nächste Generation für Lech Zürs begeistern. 

L.L. / Lech Zürs entwickelt sich stetig. Welche Projekte wünschen Sie sich für die Zukunft? Welche Pläne haben Sie für die Gemeinde am Arlberg?

L.M. / Wir sind gerade mit einem wichtigen Projekt beschäftigt – mit der Realisierung der sogenannten Dorfrezeption, einem modernen Gebäude im Zentrum von Lech an der Stelle des jetzigen Postareals. Dieses neue Gebäude dient auch wieder sowohl den Einheimischen als auch den Gästen. Das Projekt beschäftigt uns schon seit 20 Jahren und wir freuen uns, dass wir nun nach einem internationalen Architekturwettbewerb demnächst mit der Umsetzung beginnen können. 

L.L. / Herr Muxel, sind Sie eigentlich 24/7 Bürgermeister. Oder gibt es neben dem Amt noch ein Privatleben? Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?

L.M. / Ich genieße das, was auch unsere Gäste freut – unsere Natur, Kultur und Landschaft. Zum Ausgleich bin ich häufig in den Bergen unterwegs, ich lese gerne in Ruhe ein gutes Buch und ich verbringe Zeit mit meinen Enkelkindern. 

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Wordrap

Wenn ich in Pension bin, werde ich ... jagen, wandern, Ski fahren und viel Kultur genießen.

Mein Lieblingsplatz in Lech im Sommer ist ... geheim (lacht).

Wintersport oder Wandern? Natürlich liebe ich beides.

Das kommt mir sofort in den Sinn, wenn ich an Lech Zürs denke: Daheimsein und wohlfühlen.

Wenn ich nicht Bürgermeister wäre, würde ich als ... Banker ... arbeiten.

Diese drei Fähigkeiten muss ein Bürgermeister besitzen: Ruhe und  Übersicht bewahren sowie langfristiges Denken. 

Ludwig Muxel

Ludwig Muxel, geboren 1955, war bis 1993 Leiter der Raiffeisenbank Lech. Von 1990 bis 1993 agierte er als Vizebürgermeister der Gemeinde Lech, bis er im April 1993 dann das Amt des Bürgermeisters übernahm, das er bis heute innehat. Ludwig Muxel hat zwei Töchter: Anna Katharina und Maria. Seine Freizeit verbringt der leidenschaftliche Jäger am liebsten in der Natur oder auf kulturellen Veranstaltungen.