Der Showman aus den Bergen

Die Barkolumne von Rudi Walch

„Lass uns zum Rudi gehn!", heißt es in Lech Zürs seit Jahrzehnten, wenn man Lust auf spektakuläres Nightlife oder etwas anderes Après-Ski verspürt. Was die Barkeeper-Legende Rudi Walch so alles erlebt hat, würde ganze Bücher füllen. La Loupe versucht dem „großen kleinen" Entertainer in ein paar Absätzen gerecht zu werden.

Was ihm vielleicht an Körpergröße abgeht, macht Rudi Walch an Präsenz und Selbstbewusstsein locker wett. Rund 25 Jahre im Nachtleben haben beim heute 48-jährigen Lecher erstaunlich wenige Spuren hinterlassen, wohl weil er seinen Beruf immer voll gel(i)ebt hat. Und so erklärt er bereitwillig: „Man muss das Schmähführen im Blut und gerne mit Menschen zu tun haben. Als Barkeeper bewegst du dich ja immer auf Messers Schneide, weil jeder Gast etwas anderes von dir erwartet. Für mich war und ist Ehrlichkeit das allerwichtigste. Jeder Gast, unabhängig vom sozialen Status, soll sich an meiner Bar willkommen fühlen!"


Rudi's Fanclub in Action / Balmalp Lech
Rudi's Fanclub in Action / Balmalp Lech

Dem Lehrmeister verbunden

Dieses Feingespür für die unterschiedlichsten Wünsche und Erwartungen hat Rudi Walch auf seinen Stationen in Kärnten, Sylt und Lech Zürs stets begleitet. Als prägende Leitfigur nennt auch er, wie so viele andere Freunde echter Barkultur, den legendären Rainer Husar. Der Society-Gastronom bot dem 15-jährigen Rudi ein Praktikum am Wörthersee an. „Wir mussten hart arbeiten, haben aber auch viel gelernt. Perfektion bis ins kleinste Detail! So hat er hat uns z.B. die Schürzen so eng gebunden, dass wir hinter der Bar kleinere Schritte machten und damit viel wendiger waren", schmunzelt Walch, der diesen Perfektionismus offensichtlich selbst verinnerlicht hat. Den Barkeeper-Beruf hat er also von der Pike auf gelernt und die wilden Nächte am Wörthersee und in Lech Zürs boten genug Praxis zum Üben, sodass die Cocktail-Klassiker bald aus dem Effeff gemixt werden konnten.

Rudi Walch
Rudi Walch

Vom Party- zum Wellnessurlaub

Dass das Nachtleben von Lech Zürs früher aber viel besser gewesen sei als heute, würde der Insider so nicht unterschreiben. „Es war anders", gibt sich Rudi diplomatisch. „Das Niveau in der Hotellerie ist stark gestiegen, selbst kleinere Häuser kochen abends selbst, haben einen Wellnessbereich und eine eigene Bar. Von den 1960er- bis in die 80er-Jahre gingen die Gäste abends außer Haus und landeten natürlich viel öfter in den Nachtclubs. Ausgelassenes Après-Ski gehörte damals zum Skiurlaub dazu. Da hat es sich richtig abgespielt und wir haben so manche verrückte Dinge mit den Gästen aufgeführt!", erinnert sich einer zurück, der es wissen muss. „Ende 80er-Jahre habe ich etwa alleine in einem Winter im Edelweiß 75 Großflaschen verkauft!" Gas geben gehörte früher eben noch zum guten Ton bzw. musste niemand fürchten, am nächsten Tag als peinliche Lachnummer auf Youtube zu erscheinen...

Rudi Walch in Action at the Balmalp
Rudi Walch in Action at the Balmalp

Die personifizierte Barkultur

Auch aus diesem Grund hat Rudi Walch seine umjubelten One-Man-Shows auf dem Tresen, bei denen schon mal einige Hüllen fallen durften, deutlich reduziert. Das allgegenwärtige Smartphone habe das Feierverhalten der Leute verändert, ist sich der geborene Entertainer sicher. Trotzdem: Dann und wann wird es immer noch Zeit für seinen Liedauftritt „Männer aus den Bergen" oder ein Geburtstags-Ständchen auf der Trompete. Die Gäste wissen diese persönlichen Einlagen zu schätzen und kehren genau deshalb immer wieder zum Rudi zurück. Seit dem Jahr 2000 müssen sie dazu auf die Balmalpe kommen, eine wahrlich untypische Skihütte auf 2.106 m Seehöhe mit 360°-Bergpanorama und einem eigenen, modernen Stil.

Alte Gassenhauer und Hits in Endlosschleife hört man hier nicht, dafür feine Loungemusik über Mittag und später temporeicheren Deep-House-Sound. Und Rudi unterhält und bedient in bewährter Manier die Gäste, etwa bei der rauschenden Siegerparty nach dem Weißen Ring, bei der schon mal die Champagnerflaschen mit dem Säbel geköpft werden. Für die Zukunft wünscht sich der Barkeeper mit Leib und Seele viele ebensolche junge Berufsgenossen, eine sorgsame Pflege der Barkultur und mehr Wertschätzung der eigenen Heimat. „Wir am Arlberg leben doch wirklich im Paradies, sommers wie winters!" Ein gutes Schlusswort, dem nichts hinzuzufügen ist.

„Bei der Auswahl der Mitarbeiter zählt die richtige Mischung aus Emotionsmenschen, Denkern und Skeptikern.“
„Bei der Auswahl der Mitarbeiter zählt die richtige Mischung aus Emotionsmenschen, Denkern und Skeptikern.“