Das Leben dreht sich. Am Turntable!

Seit 40 Jahren in the House: DJ T.Cane

DJ T.Cane gilt als legendär. Sein Sound revolutionierte die Club-Szene am Arlberg und versetzt im K.Club in Lech am Arlberg Partypeople jeden Alters in Tanz-Trance. Im März 2016 feiert er sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. „Nebenbei“ produziert er Künstler wie Nadja – Naddel – abd el Farrag oder Fabian F. und arbeitet an einem eigenen Album. Im LA LOUPE-Interview gibt er einen spannenden Einblick in die DJ-Szene.

L.L.

Das musikalische Talent wurde Ihnen in die Wiege gelegt. Warum haben Sie Ihren Job als DJ den Reizen einer Band-Karriere vorgezogen?

T.Cane

Mein Vater war am Arlberg als Zitherspieler bekannt und war ganz versessen darauf, auch mich zum Spielen zu bringen. Es folgten vier Jahre Unterricht an der Musikschule Bregenz. Ich habe auch „Bandluft“ geschnuppert, irgendwann jedoch festgestellt, dass ich nicht so der Frontmann bin, sondern mich lieber im Hintergrund halte und doch präsent bin. Als ich die Möglichkeit zum Platten auflegen bekam, habe ich mich voll darauf konzentriert

L.L.

Sie sind seit 40 Jahren DJ. Was begeistert Sie an Ihrem Job immer noch?

T.Cane

Durch den Club meines Vaters bin ich zu meinem ersten Job als DJ gekommen. Ich genieße es, wenn die Leute Spaß haben und einen tollen Abend mit meiner Musik verbringen. Zur perfekten Unterhaltung gehört übrigens das harmonische Zusammenspiel zwischen Barkeeper, Türsteher und DJ. Die schönste Bestätigung für mich und meine Arbeit ist es, wenn ich vom Türsteher oder vom Garderobier höre, dass die Gäste total begeistert sind und sich wohl fühlen.

Nadja Abd El Farrag & Dj T.Cane
Nadja Abd El Farrag & Dj T.Cane

L.L.

Wie hat sich die Branche in dieser Zeit entwickelt? Gibt es ein Lieblingsjahrzehnt?

T.Cane

Nach der schillernden Party-Ära mit Donna Summer und Co. hat es in den späten Achtzigern das große Disco-Sterben gegeben. Die Clubs mussten sich neu definieren, um überleben zu können. Hannes Jagerhofer machte mit top Events an coolen Locations den Anfang. Der Clubbing-Charakter steht auch heute noch im Vordergrund. Man kann keine alten Hadern mehr aufwärmen, das Angebot eines Gemischtwarenhandels funktioniert nicht. Für mich gibt es kein Lieblingsjahrzehnt. Ich lebe im Hier und Jetzt und so lange mich mein Job erfüllt, mache ich genau so weiter.

L.L.

Erzählen Sie uns doch ein paar Highlights aus Ihrer Karriere?

T.Cane

Dazu gehören auf jeden Fall meine DJ-Einsätze im damaligen It in Amsterdam. In den frühen Achtzigerjahren war das die größte Disco Europas. Unvergesslich für mich sind auch meine Gigs in Spanien und auf der Fête Blanche in Kärnten mit rund 35.000 Besuchern. Alleine die Vorbereitungsarbeiten auf solche riesigen Events sind irrsinnig spannend. Aber auch Projekte wie das  Sound Clash – ich unterstütze Nachwuchstalente dabei selbst zu produzieren und aufzulegen – sind etwas ganz Besonderes für mich.

L.L.

Was war der ausgefallenste Musikwunsch eines Gastes?

T.Cane

Ich habe mich auf elektronische und House-Musik spezialisiert. Umso skurriler war es, als ein Herr zu mir kam und darum bat, dass ich Udo Jürgens mit „Aber bitte mit Sahne“ auflege. Wir sind in unserem Hause bestens mit verschiedensten Musikrichtungen versorgt – der Gast wurde schlussendlich an der Tagesbar fündig

DJ  T.Cane @ K.Club Lech
DJ T.Cane @ K.Club Lech

L.L.

Wie darf sich der Laie den Arbeitstag eines DJs vorstellen?

T.Cane

Man beschäftigt sich eigentlich dauernd mit Musik und muss ständig an seinem Stil bzw. seinem Repertoire arbeiten. Ich informiere mich auf Sound Cloud und andere soziale (Musik-)Medien über aktuelle Trends. Wenn ein Abend ruhig beginnt, kann ich meine neuesten Errungenschaften direkt am Kunden ausprobieren. Im Moment stehe ich auf die Richtungen Indie House und New Disco. Das hat ein bisschen was von den Siebzigern und Achtzigern und ist irrsinnig toll gemacht.

L.L.

Woher nehmen Sie die Motivation, die Nacht musikalisch immer wieder neu zu gestalten?

T.Cane

Mir wird ziemlich schnell langweilig und ich habe eine Vorliebe dafür, Trends zu entdecken. Wenn ich nach Saisonende ein paar Tage zuhause bin, überlege ich schon, was man Neues machen könnte. Auch als Privatperson besuche ich gerne Festivals und bin mit jungen Leuten unterwegs.

L.L.

Was bedeuten Ihnen Lech und der K.Club als Ihr Arbeitsplatz?

T.Cane

Lech-Zürs ist mein Leben. Ich war zum ersten Mal im Alter von vier Jahren in Lech und verbinde damit schöne Kindheitserinnerungen. Unter anderem durfte ich sogar mit Bruno Kreisky auf die Piste. Als junger DJ arbeitete ich in verschiedenen Lecher Clubs. Nach einiger Zeit wurde ich im „Sidestep“, dem heutigen K-Club engagiert – und bin geblieben. Wir haben angefangen, dort Mottopartys zu veranstalten und brachten neuen Schwung in den Betrieb. Heute ist der K.Club bald 80 Jahre lang eine Institution in Sachen Unterhaltung in Lech.

K. Club Lech
K. Club Lech

"Wir freuen uns über Gäste jeden Alters, es kommen Menschen, die man in einem Club in der Stadt nicht antreffen würde." - DJ T.CANE

L.L.

Worin sehen Sie als DJ den Unterschied zwischen Stadt und Tourismusort?

T.Cane

In der Stadt kann ich mich sehr fokussieren und nur eine Musiksparte wie beispielsweise „Deep House“ bedienen. In Lech positionieren wir uns als Club mit elektronischer Musik als Überbegriff. Das Publikum wechselt viel mehr. Wir freuen uns über Gäste jeden Alters, es kommen Menschen, die man in einem Club in der Stadt nicht antreffen würde. Ich freue mich, wenn sich ganz unterschiedliche Typen und Generationen mischen und gut miteinander verstehen.

L.L.

Sie haben schon viele Veranstaltungen (mit)organisiert und besucht. Gibt es ein Wunschkonzept für das Nachtleben in Lech?

T.Cane

Ich finde, dass die „Fantastic Gondolas“ eine großartige Geschichte sind. In diese Richtung könnte man noch viel mehr machen. Ich halte nicht viel von einer Art „Turbulenz-Tourismus“ am Arlberg, aber wir brauchen Highlights. Ideen wären ein Musik-Kongress oder ein Festival mit DJ-Rotation, das über zwei bis drei Tage in allen Clubs im Ort stattfindet. Ich bin auch für ganz andere Musikrichtungen wie beispielsweise Opernmusik offen. Was spricht gegen ein Konzert von Montserrat Caballé, gefolgt von einem Dance-Event mit Paul Kalkbrenner, den die Region übrigens sehr gepusht hat? Und natürlich muss man sich im Zuge der Skigebietszusammenlegung auch etwas in Sachen Eventpromotion einfallen lassen.

L.L.

Am 11. März findet anlässlich Ihres 40-jährigen Bühnenjubiläums eine große Party im K.Club statt. Worauf darf man sich freuen?

T.Cane

Es wird ein rauschendes Fest mit vielen meiner Wegbegleiter und Freunde an den Turntables werden. Ich selbst kümmere mich um das Licht und werde den Abend in vollen Zügen genießen

T.CANE 40 years on Stage Party - Friday 11 March 2016 @ K.Club, Lech , Austria
T.CANE 40 years on Stage Party - Friday 11 March 2016 @ K.Club, Lech , Austria

L.L.

Sie sind auch als Produzent tätig. An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

T.Cane

Ich bin seit zwei Jahren Produzent von Adelheid vom Omeshorn. Und auch mit Nadja abd el Farrag habe ich zwei neue, autobiografische Songs aufgenommen. Diese klingen ganz anders als man es von ihr gewohnt ist, stilistisch ein wenig vergleichbar mit den Liedern von Hildegard Knef. Weitere Künstler, mit denen ich zusammen arbeite sind Fabian F aus Innsbruck und Strøm, mit dem ich ganz neue Wege gehe und in Amerika produziere. Ich habe außerdem gerade in meiner Wohnung in Linz ein Studio eingerichtet, in dem ich primär produziere. Die Künstler kommen zu mir nach Hause, können bei mir wohnen und wir arbeiten in familiärem Ambiente. Für den letzten Feinschliff gehe ich in große Studios und mastere dort. Es wird auch ein Album von mir selber geben, das ich mit verschiedenen Gastkünstlern wie meiner guten Freundin Stella Jones entwickle.

Adelheid von Omesberg produced by Dj T.CANE

WORDRAP:

LP, CD oder MP3?

Whatever.

Musikwünsche oder eigenes Konzept?

Kommt drauf an.

Schlagermusik ist für mich…

legitim

Mein Lieblingssong ist…

immer der Song, den ich gerade für mich entdecke.

Musik bedeutet in meinem Leben…

alles.

Fastbox DJ T.Cane:

Robert Stocker alias DJ T.Cane wurde 1960 in Amsterdam geboren und arbeitet bereits seit 40 Jahren als DJ. Seinen Künstlernamen verdankt er einem Wegbegleiter, der in scherzhaft als „Teekanne“ bezeichnet hat, woraus sich T.Cane ableitet. Stocker hat sich auf elektronische Musik spezialisiert. Seinen ersten Auftritt erlebte er in der Discothek seines Vaters, heute gilt er als Resident DJ im „K.Club“ Lech, sowie im „LECABARET“ in Velden. Stocker betreut als Producer Künstler wie Nadja abd el Farrag, Fabian F. oder Adelheid von Omeshorn. Ein eigenes Album mit verschiedenen Gastkünstlern wie Stella Jones ist in Arbeit.

DJ T.CANE Gallery