Das Trachten nach Identität

Sie ist im Wortsinne geschichtsträchtig, kleidsam für viele Anlässe und gilt heute wieder als originell: die Tracht. Ihre Träger zeigen sich damit einer bestimmten Region und Tradition verbunden, Kenner lesen in ihr wie in einem offenen Buch.

Auf Oktoberfesten und volkstümlichen Konzerten erleben Lederhosen und Dirndln gerade ein buntes Revival. Mit den Karohemden und tiefen Dekolletés dieses Modetrends hat die traditionelle Tracht allerdings wenig zu tun. Abgeleitet aus dem Althochdeutschen bedeutet Tracht schlicht „das Getragene“, ihre Geschichte im alpenländischen Raum reicht bis zu 1.500 Jahre alten Darstellungen zurück. Ab dem 16. Jahrhundert traten die ersten bäuerlichen Trachten und damit die ältesten Walser Trachten in Erscheinung, später stärkten die Ideen der Französischen Revolution Gestaltungsfreude und Talbewusstsein.

Foto: Gemeindearchiv Lech AA-5349-1
Foto: Gemeindearchiv Lech AA-5349-1

So wurde die Walser Tracht, was sie bis heute ist: ein dem Zeitgeist trotzender Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur. Ihre Träger demonstrieren damit stolz ihr „Ja“ zur lokalen Geschichte und Tradition. Auch der 1980 gegründete Trachtenverein Lech widmet sich neben Erhaltung und Pflege der Tracht dem damit verbundenen Brauchtum.

Zeig die Wadln!

Die Tracht der Tannbergregion weist je nach Geschlecht, Anlass und Jahreszeit unterschiedliche Elemente auf. Wie Rock, Mieder, Schürze und Kappe der Frauen aussehen sollen, ist genau festgelegt. Auch für Tschopa, Kniebundhose, Strümpfe und Hut des Mannes gelten exakte Vorgaben. Immerhin verraten gewisse Details so einiges über die Gekleideten. Blaue Strümpfe zieren etwa verheiratete Männer, bei weißen gilt: Noch zu haben!

Welche Tracht soll ich tragen?

Mit innerer Berechtigung eigentlich nur jene, zu deren Region ich mich zugehörig fühle. Damit lege ich ein Bekenntnis zu meiner
Heimat ab! Kein Museumsstück vom Urgroßvater, sondern eine kleidsame Tracht, in der ich mich als moderner Mensch wohl fühle. Trotzdem nur eine „echte“ Tracht, keinen Kitsch à la Wiesn, keinen willkürlichen Stilmix. Eine Tracht ist eine Kleidung und keine Verkleidung!