Aus alt mach neu

Interview mit Sissi Vogler vom Fair-Fashion-Label REFISHED

„Ich möchte mit REFISHED meine Liebe und Leidenschaft für Design, Mensch und Umwelt teilen“, macht Sissi Vogler deutlich. Die passionierte Weltenbummlerin ist Gründerin des Fair Fashion Labels REFISHED, das aus Gebrauchtem liebevolle Unikate macht. Das Sortiment umfasst Geldbeutel, Clutches, Taschen verschiedener Größe, Schlüsselanhänger und Rahmen – hergestellt aus Zement- und Fischfuttersäcken in einer Kollektivwerkstatt in Kambodscha. Große Besonderheit: Einen festen REFISHED-Shop gibt es nicht, erhältlich sind die einzigartigen Designs in Pop-up-Stores und auf Designmärkten. Sissi Vogler im La-Loupe-Interview über die Herausforderung von Pop-ups, ihre Liebe zur Region Lech Zürs und dem Must-have am Arlberg. 

L.L. / Frau Vogler, die Idee zu REFISHED entstand auf einer Reise durch Kambodscha. Was genau steckt hinter Ihrem Unternehmen?

S.V. / Grundsatz des Labels REFISHED ist meine Überzeugung: Ethik und Style sind kein Gegensatz!

Schon längere Zeit wollte ich eine Marke für Produkte aufbauen, bei deren Entstehung von der Idee über die Fertigung bis hin zur Lieferung an den Kunden nichts und niemand zu Schaden kommt – weder Mensch noch Tier noch Umwelt. Zentral bleibt aber trotzdem der hohe Designanspruch, dieser soll der klare Teaser für eine bewusste Kaufentscheidung für REFISHED sein. Die Fairness gibt es als selbstverständliches Zuckerl dazu. Es ist schön zu sehen, dass die Konsumenten diesbezüglich immer aufgeklärter sind – allerdings freue ich mich schon auf die Zeit, in der man nicht mehr dazusagen muss, dass etwas ohne ethische Bedenken gekauft werden kann.

L.L. / Sie sind vom Konzept der Pop-up-Stores überzeugt. Die Idee dahinter: Die Eröffnung provisorischer Geschäfte in vorübergehend leerstehenden Räumlichkeiten. Worin sehen Sie die Vorteile gegenüber einem ganz normalen Geschäft und worin liegen die Herausforderungen von Pop-ups?

S.V. / Pop-ups sind ein sehr intelligenter und zeitgemäßer Trend, um ungenutzten Raum kreativ zu bewirtschaften. Ich bin überzeugt, dass sie sich gering, aber dennoch positiv auf die österreichische Wirtschaft auswirken. Vor allem kleinen Start-ups helfen sie, schneller bekannt zu werden und besser Fuß zu fassen.

Pop-ups sind eine günstige Möglichkeit, um sich als Kleinunternehmer nicht gleich am Anfang in horrende Fixkosten zu stürzen, denn der Mietvertrag ist zeitlich begrenzt und man kann daher gut planen. Viele Pop-ups teilen die Mietflächen mit mehreren zusammenpassenden Labels, so wird das Angebot interessanter und die Kommunikation erleichtert – Synergien können genutzt werden, Querkontakte kommen zustande. Das Publikum freut sich außerdem immer über etwas Neues. Wenn man also nur kurz präsent ist, erhöht das natürlich auch die Wahrscheinlichkeit eines Kaufs.

Es ist jedoch eine Herausforderung, an die Flächen zu kommen. Da es keinen Marktplatz für Räume zur Zwischennutzung gibt, spielt oft der Zufall mit. Nicht vergessen darf man natürlich auch die Lage, die Kosten der Bewirtschaftung – oft gibt es keine Anschlüsse – und ein gutes Konzept als Basis für gutes Marketing.

Sissi Vogler
Sissi Vogler
Promotion

L.L. / Eine ehemalige Tabakfabrik in Linz, das Arthotel Blaue Gans in Salzburg und die Ottakringer Brauerei in Wien – Ihre Pop-up-Stores findet man an sehr ungewöhnlichen Orten. Wie finden Sie die besonderen Locations und welche Ansprüche müssen sie erfüllen?

S.V. / Hier muss man unterscheiden zwischen selbst- und von Externen organisierten Pop-up-Stores. Außerdem hängt die Komplexität von der Länge des geplanten Pop-ups ab.

Meine eigenen REFISHED-only-Events wie beispielsweise in der Blauen Gans in Salzburg organisiere ich direkt mit dem Besitzer oder Vermieter der Fläche, im konkreten Fall mit Andreas Gfrerer, dem Hotelbetreiber. Ausgewählt habe ich es aufgrund der optimalen Lage mitten in der Altstadt und weil es ein sehr stylisches Arthotel ist, welches perfekt mit REFISHED harmoniert.

In den letzten Jahren sind immer mehr Designmärkte ins Leben gerufen worden – beispielsweise der feschmarkt, eine Plattform für junge Künstler und Designer. Jedes Event dauert drei Tage und bietet 100 Ausstellern die Möglichkeit, ihre Werke an ungewöhnlichen Orten wie in alten Fabrikhallen anzubieten. Als Designer muss man sich bei der Organisation bewerben und mit etwas Glück darf man dabei sein. Die vom Groß-Pop-up angezogenen Besucher kommen dadurch in Kontakt mit den Junglabels. Da eine meiner Produktlinien aus upcycelten Zementsäcken hergestellt wird, liebe ich das Ambiente der alten Hallen, mit den imposanten Metallsäulen und sichtbaren Backsteinwänden.

Ich überlege also immer zuerst: Passt der Ort zu meinem Produkt beziehungsweise wohin passt mein Produkt?

L.L. / Egal ob große Metropolen oder idyllische Kleinstädte, Pop-up-Shops sind momentan total im Trend. Warum ist diese Einkaufskultur gerade so beliebt?

S.V. / Die meisten Menschen streben nach Fortschritt und nach neuen Dingen, daher freuen sie sich, sich von Pop-up-Künstlern inspirieren zu lassen. Viele kommen also zu Pop-ups, um sich über Neuigkeiten zu informieren oder sie sind auf der Jagd nach besonderen Geschenken für die Familie – und da sind sie bei uns natürlich an der richtigen Adresse.

L.L. / Sie sind leidenschaftliche Golferin und Skifahrerin und verbringen deshalb gerne Zeit in der Region Lech Zürs. Warum zieht es Sie immer wieder an den Arlberg?

S.V. / In meiner Kindheit sind wir mit der Familie jeden Winter nach Zürs gefahren. Seit ein paar Jahren komme ich der Tradition Arlberg wieder selbst nach.

Hier habe ich das Tiefschneefahren lieben und achten gelernt, es ist einfach einzigartig, was der Arlberg an Gelände zu bieten hat – da kann keine andere Region in Österreich mithalten. Mein Skifahrerherz lacht schon beim Gedanken an das Wiesele!

Auch im Sommer hat der Arlberg einiges zu bieten, und – finalmente – wenn ich an den Arlberg denke, lacht nun auch mein Golferherz. Grund ist der neu gebaute Golfplatz in Lech: imposante neun Löcher auf über 1.500 Höhenmetern mitten in den Alpen. Als Salzburger Mädl fühle ich mich einfach in den Bergen zuhause, im Sommer am liebsten mit einem Golfschläger in der Hand. Ganz nach dem Motto: Home is where my mountain is (lacht).

Mein Geheimtipp zum Wohlfühlen: Die Pension Gradenburg in Lech, ein charmantes Alpengästehaus mit Herz und nicht zu vergessen einer 1A-Küche.

La Loupe Refished Lech Zürs 5
Promotion

L.L. / Lech und Zürs sind bekannt für stilvolle Geschäfte, angesagte Flagshipstores und traditionelles Handwerk. Was macht Ihrer Meinung nach das Shoppingerlebnis hier so einzigartig?

S.V. / Was mir hier in Bezug auf Shopping besonders gut gefällt, ist das Arlberg-Ambiente: eine Mischung aus Sport und Luxus, ohne abgehoben zu wirken. Wenn man im Winter durch Lech flaniert und sich die Skifahrer an einem auf der schneebedeckten Straße vorbeischieben, weiß man: Hier steht der Sport im Vordergrund! Der Arlberg ist nichts für Möchtegernskifahrer und pure Jetsetter, hier sollte man gut am Brettl stehen. Und wenn der Tag auf der Piste ein Traum war, was gibt es da Besseres, als ein bisschen in schönen Geschäften zu shoppen? Geboten wird sehr ausgewählte Mode von allerhöchster Qualität heimischer sowie internationaler Herkunft.

L.L. / Wie wäre es denn mit einem REFISHED-Pop-up-Store in Lech Zürs? Ist etwas in Planung?

S.V. / Geplant ist noch nichts Konkretes, aber das wäre eine super Sache. Wir sollten etwas auf die Beine stellen!

Aber bis dahin: Von 7. bis 9. Juli ist der feschmarkt in Feldkirch – wir sind mit REFISHED erstmals in Vorarlberg und freuen uns über zahlreiche Besucher! Ansonsten lohnt sich ein Blick 24/7 online auf www.refished.com, sowie auf Facebook und Instagram. 

L.L. / Die Vielfalt bei REFISHED reicht von Laptophüllen über Messenger Bags bis hin zu Schlüsselanhängern. Gibt es ein Produkt, das man bei einem Besuch in Lech und Zürs nicht vergessen sollte?

S.V. / Auf jeden Fall! Wir haben ein ganz tolles Reiseset, bestehend aus einer Weekender Bag, einem Reisesack, einem Necessaire und einer Soulmate-Tasche aus upcycelten Fischfuttersäcken. Wenn man so im Hotel anreist, ist der Hinguckereffekt garantiert, das haben wir mehrmals bestätigt bekommen (lacht).

L.L. / Trotz Ihrer Liebe zum Pop-up: Haben Sie nicht Lust, in Zukunft einen festen Shop für Ihre REFISHED-Produkte zu eröffnen?

S.V. / Das ist auf jeden Fall ein Wunsch, allerdings muss der Zeitpunkt reif und der Ort perfekt dafür sein.

La Loupe Refished Lech Zürs 8

Wordrap

Wenn ich an Lech und Zürs denke, kommen mir sofort ... endlose Tiefschneehänge bei Sonne ... in den Kopf.

Berg oder Meer? Das ist eine gemeine Frage! Gilt beides? Im Winter definitiv Berg!

Ohne meine Reisen ... würde ich unsere unvergleichlich schöne Heimat nicht so schätzen können.

Mein liebstes REFISHED-Produkt: Definitiv die Soulmate (Shopper und Badetasche), es gibt einfach nichts Praktischeres.

Nachhaltigkeit bedeutet ... über den Tellerrand schauen, langfristig zu denken, das Wohl aller miteinzubeziehen und gemeinsam zu agieren.

Salzburger Nockerl oder kambodschanisches Loc Lak? Das Loc Lak schmeckt toll, das sollte jeder einmal probieren. Wenn ich von einer langen Reise zurückkomme, freue ich mich aber immer schon auf die heimische Küche, da dürfen die Salzburger Nockerl natürlich nicht fehlen (lacht). 

Sissi Vogler

Die gebürtige Salzburgerin Sissi Vogler zog es zum Studium nach Wien. Ihrer Leidenschaft fürs Reisen und Entdecken neuer Kulturen ist es zu verdanken, dass die 33-Jährige in dieser Zeit viele verschiedene Kontinente besuchte. Auf einer Reise durch Südindien und Südostasien kam Sissi Vogler dann 2011 die Idee zum Fair-Fashion-Label REFISHED. Seitdem lebt und arbeitet sie in Wien und bietet ihre Unikate vorwiegend in eigens initiierten Pop-up-Stores und auf Designmärkten an.