Nach den Regeln der Kunst

Interview mit Asya Sorshneva, künstlerische Leiterin des LegeArtis Festivals Lech

Asya Sorshneva gilt als eine der talentiertesten Geigerinnen der Gegenwart. Schon als Kind überzeugte die Russin mit ihrem virtuosen Violinenspiel die Jury bei zahlreichen Musikwettbewerben. Nach ihrer Ausbildung am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau erlange sie auch internationale Bekanntheit und trat weltweit gemeinsam mit hochkarätigen Musikern auf. Klassik, Rock und Theater – die Musikerin ist für alles offen und experimentiert mit verschiedenen Stilen. Als künstlerische Leitung des LegeArtis Festival in Lech kümmert sie sich nun um den musikalischen Nachwuchs. Mit La Loupe spricht sie über ihre besondere Beziehung zu Lech und verrät ihr persönliches Hightlight des LegeArtis Festivals. 

L.L. / Frau, Sorshneva, Sie standen bereits gemeinsam mit weltbekannten Musikern wie Udo Jürgens und Tatyana Grindenko auf einer Bühne. Haben Sie eigentlich noch Lampenfieber?

A.S. / Ja, natürlich bin ich nervös, aber auch aufgeregt. Sobald ich zu spielen beginne, helfen mir diese Emotionen allerdings eher, mich zu konzentrieren und mit der Musik eins zu werden - und das ist das Grundprinzip für einen erfolgreichen Auftritt.

L.L. / Schon als Kind gewannen Sie über 13 Musikwettbewerbe, darunter auch den dritten Preis des renommierten russlandweiten Jugend-Tschaikowsky-Wettbewerb. Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Musik?

A.S. / Das ist schon so lange her, dass ich es nicht mehr wirklich sagen kann. Schon seit ich denken kann, ist die Musik ein wichtiger Teil meines Lebens. Sie lag mir immer schon im Blut und die Erfolge kamen automatisch - und haben sich auf meine Leidenschaft und meine Entwicklung ausgewirkt.

La Loupe Asya Sorshneva 2

L.L. / Stammen Sie aus einer musikalischen Familie und wurde Ihnen das Talent in die Wiege gelegt?

A.S. / Ich war immer von Musik umgeben. Freunde und Familie haben oft einfach zum Spaß zu Hause gespielt, dabei war niemand professioneller Musiker. Das hat meine Liebe und Leidenschaft zur Musik im Allgemeinen beeinflusst.

L.L. / Sie studierten am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau Violine. Warum haben Sie sich für dieses Instrument entschieden?

A.S. / Das habe nicht ich entschieden, sondern es war die Entscheidung meiner Mutter, als ich gerade drei Jahre alt war. Und ich bin damit völlig zufrieden. Aber ich lerne auch schon immer Klavier und nach dem Konservatorium habe ich Bratschenunterricht genommen. Ich bin auch heute noch daran interessiert, andere Instrumente zu lernen.

L.L. / Sie sind die künstlerische Leitung des LegeArtis Festivals in Lech. Was sind Ihre Intentionen zum Festival?

A.S. / Ich möchte eine neue Plattform auf die Beine stellen, im Rahmen derer hervorgehoben wird, dass die österreichischen Alpen mehr zu bieten haben als eine Winter- und eine Sommersaison, sondern eben auch eine Kultursaison mit einer breiten Palette an musikalischen und künstlerischen Angeboten. Das hat wiederum zu der Idee geführt, das Festival 2016 und 2017 in andere europäische Städte zu bringen und dadurch die kulturelle Bedeutung der österreichischen Alpen und speziell jene von Lech in Europa zu unterstreichen.

L.L. / Sie sind nicht nur für die Planung zuständig, sondern werden auch auf der Bühne stehen. Welche Werke werden Sie dort vortragen?

A.S. / Ich möchte bei jedem Konzert etwas anderes spielen.

La Loupe Asya Sorshneva 3

L.L. / Was macht Lech zu einem perfekten Standort für das Festival?

A.S. / Lech ist zweifelsohne sehr idyllisch, die Zeit steht hier still. Die Musik selbst kennt keine Grenzen und ist zeitlos. Damit ergänzen sich die beiden perfekt.

L.L. / Welche besondere Beziehung haben Sie zu diesem Ort?

A.S. / Die Schönheit hat mich auf jeden Fall angezogen, trotzdem war es zu Beginn in erster Linie mein Ziel, die perfekten Voraussetzungen für das Gedeihen des Festivals bzw. seiner Prinzipien zu finden.

L.L. / Dieses Jahr wird das LegeArtis Festival weltweit durch verschiedene Städte touren. War es nach 5 Jahren Zeit, dem LegeArtis internationale Bekanntheit zu verleihen?

A.S. / Ja, das war eine natürliche Entwicklung.

L.L. / Auf welche Stadt freuen Sie sich am meisten?

A.S. / Für mich ist jedes Konzert extrem wichtig. Aber auf der anderen Seite freue ich mich schon am meisten auf Lech, weil ich hoffe, dass hier eine wunderschöne Reise ihren Anfang nimmt.

„Goethes Faust kann und sollte auch als eines der großartigsten Beispiele deutschsprachiger Literatur verstanden werden.“

L.L. / Goethes Faust ist zentrales Thema und zieht sich durch die verschiedenen Programmpunkte des diesjährigen Festivals. Warum ist dieses Werk so spannend für die Musik?

A.S. / Dieses Werk kann und sollte auch als eines der großartigsten Beispiele deutschsprachiger Literatur verstanden werden. Allerdings ist auch einmal mehr die Zeit gekommen, sich den zentralen Fragen zu stellen – womit der musikalischen Interpretation wie auch der allgemeinen Debatte viel Raum gegeben wird.

L.L. / Was sind Ihre Gedanken und Ideen zu dieser Figur?

A.S. / Die Figur von Doktor Faust und den anderen Charakteren des Werks sind im Prinzip die möglichen Optionen und Lösungsansätze für die Probleme, denen Faust selbst gegenübersteht und damit auch jeder von uns. Zusammen mit der Musik bietet sich damit ein neuer Blickwinkel, von dem aus diese Ansätze diskutiert und gesehen werden können.

La Loupe Asya Sorshneva 4

L.L. / Was ist Ihr persönliches Festival-Highlight dieses Jahr?

A.S. / Für mich ist der Wettbewerb der jungen Talente ein besonderes Highlight. Wir möchten die Stars von morgen in der Region entdecken. Sie werden wiederum zum Festival zurückkehren und in den kommenden Jahren auftreten.

L.L. / In die Region Lech Zürs zieht es jährlich zahlreiche Besucher, die eine Auszeit suchen und sich nach Entspannung sehnen. Welche Musik empfehlen Sie für Momente der Ruhe?

A.S. / Ich empfehle eher Musik zu hören, die nur mit akustischen Instrumenten produziert wurde, weil sich darin die umliegende Natur widerspiegelt.