Kunst am Arlberg

Der Galerieraum Strolz Fine Arts zeigt renommierte Künstler am Arlberg

Die Region Lech  Zürs hat sich nicht nur als eine der führenden Wintersportdestinationen einen Namen gemacht, sondern zieht auch zahlreiche Kunst- und Kulturinteressierte an den Arlberg. Der neue Galerieraum Strolz Fine Arts zeigt in der Wintersaison die Werke drei renommierter Künstler: Eva Schlegel, Oswald Auer und Nives Widauer. Im Gespräch mit La Loupe erzählt die österreichische Galeristin und Kunsthändlerin Frau Dr. Ursula Krinzinger, Kuratorin der Ausstellung von Eva Schlegel, von ihrer Verbindung zu Lech und gibt Einblicke in die Werke der kommenden Ausstellung. Die Künstler Oswald Auer und Nives Widauer erzählen über die Arbeit mit verschiedenen Medien und erörtern die Verbindung von Kunst und Literatur.

INTERVIEW MIT FRAU DR. URSULA KRINZINGER

L.L. / Lech darf sich über einen neuen Galerieraum freuen: Strolz Fine Arts. Was hat Sie als international bekannte Galeristin überzeugt, am Arlberg auszustellen?

U.K. / Ich wurde von der Firma Strolz angefragt, ob ich in der Galerie Kunst präsentieren möchte. Aus vielen Gründen habe ich mich dann für die Werke von Eva Schlegel entschieden. 

Dr. Ursula Krinzinger, Foto © Irina Gavrich
Dr. Ursula Krinzinger, Foto © Irina Gavrich

L.L. / Einzigartiges Bergpanorama, zahlreiche Pistenkilometer und gelebte Tradition. Was verbinden Sie persönlich mit Lech am Arlberg?

U.K. / Ich habe sofort zugesagt, weil Lech einen ganz wichtigen Stellenwert in meiner Kindheit, meiner Jugend und in meinem Erwachsenenleben eingenommen hat. Als Vorarlbergerin verbrachte ich meine Skiurlaube durchwegs in Lech und so ist Lech für mich ein wichtiger und wunderbarer Ort geworden. Deshalb war es für mich nicht schwer, bei Strolz Fine Arts zuzusagen.

L.L. / Ihre Wahl für Lech fiel auf Eva Schlegel, mit der Sie schon eine lange Zusammenarbeit verbindet. Eva Schlegels Bilder wirken strahlend schlicht und gleichzeitig sehr verführerisch. Warum ist die Künstlerin derzeit so gefragt?

U.K. / Die Wahl fiel auf Eva Schlegel, weil sie eine international renommierte, erstklassige Künstlerin ist, deren Werk sich in vielen nationalen und internationalen Sammlungen befindet. Sie stammt aus Tirol, hat selbst ganze Projekte zu den Bergen erarbeitet. Bei der großen internationalen Bekanntheit ist es eine Ehre für Lech, Arbeiten dieser Künstlerin präsentieren zu dürfen. Sie wirkte in zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen mit. No Man’s Heaven, Salzburger Festspiele 2013 oder die große Ausstellung In Between (Museum für angewandte Kunst, Wien 2010) sowie ihr Einsatz als Kommissarin der 54. Biennale in Venedig 2011, die Bespielung des österreichischen Pavillons der Biennale in Venedig 1995 in Kooperation mit Coop Himmelb(l)au und nicht zuletzt ihr Beitrag zur Kochi-Muziris Biennale (12. Dezember 2016 bis 29. März 2017) in Indien sind Beispiele ihres großartigen Schaffens. 

Eva Schlegel
Eva Schlegel

L.L. / Die silhouettenhaft dargestellten Frauen sind mondäne Figuren. Die Kategorien des Raums und der Identität scheinen sich hier aufzulösen. Können Sie uns etwas zum Stilelement des Verschwommenen in den Bildern von Eva Schlegel sagen?

U.K. / Ihre Art, mit Fotografie umzugehen, nämlich, dass das Subjekt oder Objekt „out of focus“ gebracht wird und uns zu einer besseren Wahrnehmung verhilft, ist wohl ihre größte Innovation und Perfektion.

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L.L. / Besonders beeindruckend sind die beiden großen Raumbilder. Auffallend ist, dass sich der Raum über die Undeutlichkeit öffnet. Das scheint für uns auch auf den umliegenden Raum eine starke Wirkung auszuüben. Kann ein gutes Bild mehr als Architektur?

U.K. / Die jüngsten Arbeiten von Eva Schlegel, die sich mit Räumen, insbesondere mit Museumsräumen, beschäftigen und ebenfalls aus dem Fokus herausgenommen sind, sind sicherlich raumübergreifend und bringen Architektur auf eine ganz andere Weise näher und machen sie verständlicher. Eva Schlegel beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Architektur und dessen Diskurs.

Dr. Ursula Krinzinger

Dr. Ursula Krinzinger, geboren 1940 in Bregenz, ist Galeristin und Kunsthistorikerin. Seit 1971 betreute sie mehr als 400 Einzel-, Gruppen- und Themenausstellungen. Seit über 40 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit zeitgenössischer Kunst – ihrer große Leidenschaft. 2007 wurde Dr. Ursula Krinzinger mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Im neuen Galerieraum Strolz Fine Arts in Lech kuratiert sie in dieser Wintersaison die Ausstellungen von Eva Schlegel (Januar und Februar 2017), geboren in Hall in Tirol und Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Oswald Oberhuber. Von 1997 bis 2006 arbeitete Eva Schlegel als Professorin für Kunst und Fotografie an der Akademie der bildenden Künste Wien und war 2011 Kommissarin des Österreich-Pavillons bei der Biennale in Venedig.

Künstlerisches Werk von Eva Schlegel, courtesy Galerie Krinzinger
Künstlerisches Werk von Eva Schlegel, courtesy Galerie Krinzinger


INTERVIEW MIT OSWALD AUER UND NIVES WIDAUER

L.L. / Herr Auer, das Vorarlberger Architektenduo Baumschläger und Eberle plant derzeit zusammen mit dem amerikanischen Künstler James Turrell in Lech einen sogenannten „Skyspace“. Haben Sie davon gehört?

O.A. / Ja, ich bin gespannt darauf, ein Raum für Kunst ist immer etwas Schönes. Meines Wissens nach geht es bei James Turrell um die Erfahrung von Licht überhaupt. Sterne sind ja Licht, das wir vom Weltall sehen. Teilweise kommt es aus sehr weiten Entfernungen, von Orten, wo es vor hunderttausend Jahren einmal einen Stern gab. Das ist schon eine Vorstellung von astronomischen Ausmaß.

Oswald Auer
Oswald Auer

L.L. / Der Himmel scheint etwas für die Kunst Inspirierendes zu haben.

O.A. / Ja, bei meinen Arbeiten geht es gerade um die kulturelle Ebene des Himmels. Der Himmel ist wie ein Bild. Unsere Sternbilder, die in einem Astronomenkongress 1922 definitiv festgesetzt wurden, sind eine Summe von babylonischer, griechischer und christlicher Kultur und der Aufklärung. China hat seine Sternbilder so wie die San-Buschleute und die Aborigines. Ein und dieselbe Sternkonstellation ist in Afrika ein Strauß und in Australien ein Emu.

L.L. / In Ihrer Ausstellung bei Strolz Fine Arts stellen sie Drucke aus. Können Sie uns dazu etwas sagen?

O.A. / Man arbeitet bei der Technik, die ich verwende, mechanisch direkt auf einer Metallplatte. Das ist ein sehr langsamer, wenn man will, entschleunigter Prozess. 

L.L. / Ähnlich der Stimmung in einem verschneiten Ort in den Bergen?

O.A. / Ja, ein Bild ist in gewisser Weise ein Ort, an dem die Zeit stillsteht.

L.L. / Wie soll man Ihre Arbeit verstehen?

O.A. / Meine Arbeiten haben auch oft etwas Literarisches. In einem Gedicht von Majakowski werden die Sterne beschrieben, als wären sie mit Lanzen in den Himmel gestochen; Löcher, durch die das Licht durchrieselt.

Ein Druck ist ein Abdruck einer Platte. Die bedeutenden Sterntüpfel auf dem Bild, die das Sternbild ausmachen, sind dabei Löcher, die durch die Radierplatte gebohrt wurden. Das weiße Papier, auf dem das Bild gedruckt ist, kommt an diesen Punkten durch. Der Raum, der das Bild umgibt, nistet sich so im Bild ein, indem es Ordnung und Bedeutung gibt. So wie das Licht von außen durch eine durchlöcherte Zeltplane, in dem Gedicht von Majakowski. Das ist ein wichtiger Gedanke für mich. 

Sternbild von Oswald Auer, Foto © Anna Mitterer
Sternbild von Oswald Auer, Foto © Anna Mitterer

L.L. / Frau Widauer, was glauben Sie: Ist die Rolle der Kunst allgemein? Welche Rolle sollte sie in einem Ferienort spielen?

N.W. / Es steht mir nicht zu, die Rolle der Kunst im Allgemeinen zu benennen. Die Rolle, die sie in einem Ferienort spielt, kann sicher sehr unterschiedlicher Natur sein. Anregen, aufregen, aufwecken, versinken, erleben, genießen, nachdenken.

L.L. / Sie verwenden in Ihren Arbeiten immer wieder alte Motive oder Materialien. Ist es genau dieses Aufgreifen und Weiterspielen, das sie besonders reizt? 

N.W. / Ich defragmentiere mir Bekanntes und verarbeite, verdaue dieses. Das können greifbare Dinge sein, aber auch Träume, Eigenes, Angetroffenes, Gesehenes, Erlebtes, Erzähltes. Es entstehen so Arbeiten in verschiedenen Medien, Ausdrucksformen. Ich zeichne, filme, schreibe, klebe, baue.

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Nives Widauer
Nives Widauer

L.L. / Die Bilderserie Doppelrock mutet in gewisser Weise ornamental an. Ein Ornament ist auch eine Art Verdoppelung, die sich ins Unendliche fortschreibt. Arbeiten sie gerne in Serien? 

N.W. / Ja, das Serielle reizt mich, ist sinnlich, in den kleinen Unterschieden und Variationen steckt viel Schönheit. Wie in den Schneekristallen, jeder Kristall ist anders, jeder Mensch auch und doch ist alles formvollendet verbunden. Serien schärfen auch die Wahrnehmung. Es entstehen Bedeutungsachsen, die neue Inhalte und Geschichten kreieren.

L.L. / Würden Sie sich als feministische Künstlerin bezeichnen? 

N.W. Ja, denn ich setze mich für die Rechte der Frau ein, generell für die Rechte von Minderheiten. Ich wünsche mir, dass auch die Männer glücklich sind und ich wünsche mir weltweit – und gerne auch auf anderen, noch unentdeckten Planeten – friedliche, respektvolle Gesellschaften, die nicht an Begrifflichkeiten kleben bleiben. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Zum Beispiel gleiche Löhne für gleiche Arbeit.

Wordrap mit Oswald Auer und Nives Widauer:

Kunst auf den ersten Blick! Muss man Kunst verstehen, um sie zu lieben?

O.A. / Nein, das glaube ich nicht. Und der erste Blick ist auch etwas sehr Wichtiges.

N.W. / Nein.

Kunst – Spiegel oder Kristallkugel?

O.A. / Spiegel sind sehr bedeutende Motive in der Kunst. Zur Kristallkugel fällt mir eine sehr schöne Filmszene in Orson Welles Citizen Kane ein: mit dem Schlitten „Rosebud“ im Inneren der Kugel.

N.W. / Reflektorin und Introspektorin.

Schneesturm oder Winterwonderland?

O.A. / Schneegestöber in der Vergangenheit einer Kristallkugel.

N.W. / Schicksal oder Fügung?

Welcher Jahreszeit würden Sie sich zuordnen?

O.A. / Vielleicht sogar dem Winter.

N.W. / Quattro Stagioni.

Oswald Auer und Nives Widauer

Oswald Auer, geboren 1970 in Bruneck, studierte Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Heute lebt Auer in Wien und arbeitet in den Medien Radierung, Zeichnung und Stein. Studienaufenthalte führten ihn nach Osteuropa und Israel. Oswald Auer erhielt den Georg Eisler Preis, den Theodor Körner Preis und den Anni und Heinrich Sussmann Preis.

Nives Widauer, geboren 1965 in Basel, besuchte die Klasse für audiovisuelle Kunst an der Schule für Gestaltung Basel. Sie lebt und arbeitet in Wien. Ihre Werke sind in den Bereichen Fotografie, Video, Malerei und Skulptur angesiedelt. Aktuell stellt sie im Austrian Cultural Forum in New York aus. Außerdem wurden Nives Widauers Werke in Zürich und Wien gezeigt. Ihr neue Kunstbuch Special Cases erscheint im Januar 2017 im Verlag Hatje Cantz.

Die Ausstellungen von Oswald Auer findet im Dezember 2016 und Januar 2017 statt, Nives Widauers Werke werden im Februar und März 2017 bei Strolz Fine Arts im Sporthaus Strolz gezeigt.