Am wichtigsten ist der Genuss

LA LOUPE hat sich mit Michael Moosbrugger, dem „Winzer des Jahres 2006“, getroffen und über seine Leidenschaft für den Wein unterhalten. Der Lecher kümmert sich auf dem renommierten Weingut Schloss Gobelsburg im niederösterreichischen Kamptal um Weingärten und Weinkeller. Mitsamt Familie kommt der 45-Jährige immer wieder gerne in seine Heimat Lech, um sich zu erholen und Freunde zu treffen. Sein Bruder führt hier das Traditionshotel Post in die Zukunft.

​L.L.

Wie bist Du denn zum Winzer geworden?

M.M.

Ich ging nach Niederösterreich, um mehr über Landwirtschaft zu lernen, von der Viehzucht über Acker- und Obst- bis zum Weinbau. Dieser faszinierte mich am meisten, und 1996 bekam ich die Chance, das Weingut Gobelsburg zu übernehmen.

​L.L.

Was ist die besondere Kunst, einen guten Jahrgang zu produzieren? Und wo setzt Du den Schwerpunkt bei Deiner Arbeit?

M.M.

Wein ist etwas, das durch hundert Schritte entsteht. Unsere Herausforderung lautet, all diese Schritte im Gesamten richtig zu machen. Heutzutage ist es wichtig, beim Wein und in den Weingärten in der Balance zu bleiben. Die Arbeit eines Winzers ist zum Glück universell. Im Jahreszyklus wechsle ich zwischen den Weingärten im Sommer, der Kellerarbeit in den Herbstmonaten und dem Verkauf / Marketing von Januar bis Mai.

Michael Moosbrugger
Michael Moosbrugger

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Welche Rebsorte würdest Du gerne einmal anbauen?

M.M.

Ich bin froh, dass im Donauraum die Hauptrebsorten Grüner Veltliner und Riesling ihre Identität gefunden haben. Abgesehen davon sollte natürlich jeder Winzer noch seine Spezialitäten und Eigenheiten haben. Schloss Gobels-burg punktet da etwa mit dem Pinot Noir.

​L.L.

Mit welcher Person würdest Du gerne einmal über Wein sprechen? Gibt es bei Winzern Vorbilder?

M.M.

Es gibt viele Persönlichkeiten, mit denen man über Wein diskutieren kann. Für mich sind auch kontroversielle Gespräche spannend, mit Robert Parker etwa wäre es sicher eine tolle intellektuelle Herausforderung.

​L.L.

Wie wichtig sind internationale Bewertungen und wie wirken sie sich auf das Kaufverhalten aus?

M.M.

Diese Bewertungen verändern die Weinwelt nachhaltig, aber vor allem dort, wo Unwissenheit herrscht. Je mehr die Konsumenten über Wein wissen, desto geringer ist die Bedeutung der Bewertungen. In Österreich haben wir das große Glück, dass „Robert Parker“ durch einen Journalisten verkostet wird, der sehr viel über den österreichischen und deutschen Wein weiß. Eleganz und Vielschichtigkeit werden hier ausnahmsweise stark gewürdigt.

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​L.L.

Was fällt Dir spontan zu diesen fünf Begriffen ein?

M.M.

Gentechnik: im Weinbau ein „No Go“. Wein im -Tetrapack: vielleicht ein Trend der Zukunft. Qualität: dem -Wandel der Zeit unterworfen, immer auch durch den Konsumenten bestimmt. Robert Parker: eine Persönlichkeit, die die Weinwelt stark geprägt hat. Gegentrends sind aber auch gut. Gourmetküche versus Hausmannskost: Beides hat seine Berechtigung. Die Gourmetküche ist das große Handwerk, die „Leistungsshow“. Die Hausmannskost ist Teil unseres Lebens, unserer Kultur. -