Alte Lieblingsstücke und neue Raumkonzepte

Interview mit Martina Hladik von der room service BOUTIQUE Lech

Egal ob edle Heimtextilien, stilvolle Wohnaccessoires oder persönliche Farbberatung, die room service BOUTIQUE von Martina Hladik verleiht jedem Zuhause eine persönliche Note. Die Innenarchitektin legt dabei besonderen Wert auf unterschiedliche, haptische Oberflächen, die dem Raum das gewisse Etwas verleihen. Martina Hladik bricht gekonnt mit Elementen des Alpine Chics und schafft Wohnräume, in denen man sich rundum wohlfühlt. Mit La Loupe spricht die Interior Designerin über ihre Leidenschaft zum Beruf und gibt hilfreiche Tipps fürs eigene Heim. 

L.L. / Frau Hladik, Sie absolvierten Ihre Ausbildung zur Interior Designerin in London. Welche Einflüsse nahmen Sie aus der Designmetropole mit nach Vorarlberg?

M.H. / Ich bin über Umwege zum Interior Design gekommen: Als junges Mädchen wollte ich in die Modebranche, aber mein Vater bestand darauf, dass seine Töchter maturieren. Nach der Matura studierte ich dann in Wien Jura. Als mein Mann beruflich nach London ging, konnte ich mir den Traum von einem kreativen Beruf erfüllen. Dort habe ich die Inchbald School of Design besucht und seit meiner Rückkehr aus London arbeite ich als Innenarchitektin. Ich habe diesen Schritt nie bereut.

London ist für mich eine unglaubliche Quelle der Inspiration. Die Stadt ist so vielfältig wie die Welt selbst, man hat sozusagen alle Kontinente in einer Stadt. Viele Viertel sind durch eine besondere Bevölkerungsgruppe geprägt und haben sich ihre Eigenarten bewahrt. Die Eindrücke während meines vierjährigen Aufenthalts waren sehr, sehr vielfältig. Auch in der Schule kamen die Lehrer aus den unterschiedlichsten Richtungen. So hatten wir in Farbenlehre eine Malerin als Lehrerin und ich bin sicher, dass mein Gespür für Farben von ihr maßgeblich gefördert wurde. Von der Ausbildung in England habe ich mir das Bewusstsein für Details in mein späteres Berufsleben mitgenommen. Heute arbeiten wir bei room service mit Nuancen von Farben, feinen haptischen Unterschieden von Oberflächen sowie einem frischen Mix von Formen und Farbtönen. Dabei spielen Textilien und natürlich die Farben der Wandfarbenfirma „Farrow & Ball“ eine zentrale Rolle. Die Entdeckung dieser Farben vor mehr als 20 Jahren war sozusagen der Grundstein für mein heutiges Business. 

Stillsegler Gläser
Stillsegler Gläser

L.L. / Auf welche Aspekte achten Sie bei der Farbberatung? Muss der Anstrich zum Bewohner oder eher zum Stil des Hauses und zu den vorhandenen Möbeln passen?

M.H. / Beides, würde ich sagen. Einerseits muss man auf die Gegebenheiten der Wohnung oder des Hauses achten, wie auf den Boden oder die Ausrichtung der Sonne. Der Stil ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium: Ein puristischer Stil verlangt andere Farben als ein Haus im Landhausstil. Und auch die Menschen, die diese Räume bewohnen, werden andere Charaktere haben. Menschen, die einen Landhausstil bevorzugen, wählen eher weichere Formen und warme Farben. Jemand, der einen Betontisch zum schwarzen Ledersofa kombiniert und in Sachen Interior Design eher straight ist, hat eine andere Persönlichkeit. Beiden können wir helfen, im Rahmen ihres persönlichen Wohnambientes einen maßgeschneiderten Rückzugsort zu gestalten.

L.L. / Kann man schon eine Trendfarbe für die neue Saison ausmachen?

M.H. / Generell kann man sagen, dass es einen Trend zu dunkleren Farben gibt: Dunkles Grün, Petrol und Bordeaux waren auf den Messen im Herbst bei vielen Ausstellern zu sehen. Auch bei unseren Beratungen stellen wir fest, dass die Kunden mutiger im Umgang mit Farben geworden sind.

Promotion

L.L. / Heute sind Sie Besitzerin von zwei Stores. Einer davon, die room service BOUTIQUE, befindet sich im Hotel Berghof in Lech. Warum zieht es designverliebte Winterurlauber oft in dieses Hotel und in Ihren Store?

M.H. / Der Berghof, der mit der Boutique-Idee an mich herangetreten ist, ist selbst ein sehr stylisches Haus. Das Hotel zieht Gäste an, die Design schätzen und sich auch gerne eine kleine Erinnerung mitnehmen möchten, die sie in der room service BOUTIQUE finden. Wir haben einige Marken exklusiv für Vorarlberg bekommen, weil Lech ein sehr bedeutender Wintersportort ist. Ich achte schon darauf, dass der Schwerpunkt in der Boutique auf dem Interior Design liegt, weil ich aus diesem Bereich komme und dies meine Leidenschaft verkörpert. Ich ergänze das Sortiment aber auch durch Accessoires wie Schals, Modeschmuck und Hüte, die „made in Austria“ sind. Auf die Qualität und Herkunft unserer Produkte lege ich großen Wert, und es kommt auch bei den Gästen gut an, wenn etwas in Österreich oder Europa hergestellt wurde.

 L.L. / Findet sich Ihre Handschrift auch in den Zimmern des Berghofs?

M.H. / Ich bin erst seit einem Jahr im Berghof und dieser Aspekt war nicht ausschlaggebend für mein Engagement. Umso mehr freut es mich, dass einige Zimmer mit Kissen von room service dekoriert sind, die es natürlich auch in der Boutique zu kaufen gibt.

House Hannes Schneider
House Hannes Schneider

L.L. / Ein großer Trend ist „Upcycling“. Dabei bilden unbrauchbare oder kaputte Gegenstände und Materialien die Grundlage für ein neues Produkt. Was halten Sie davon?

M.H. / Das ist sicherlich ein Trend, der sehr nachhaltig ist. Bei unserer Arbeit besteht Upcycling vor allem darin, Dinge in einem bestehenden Haus zu erhalten, die erhaltungswürdig sind. So werden aus alten Trouvaillen oder wertvollen Erbstücken durch neue Stoffe oder Farben Lieblingsstücke, die nachhaltig und neu zugleich sind.

L.L. / Trends kommen und gehen. Gibt es ein Möbelstück, einen echten Klassiker, in den man unbedingt investieren sollte? 

M.H. / Ich finde, dass ein schöner Lederfauteuil immer ein gutes Investment ist. Sei es in Richtung englische Clubatmosphäre oder ein Lounge-Chair von Eames. Das ist ein Möbelstück, das mit der Zeit nur besser wird.

Promotion

L.L. / Nehmen wir an, jemand möchte einen Raum möglichst schnell und einfach umgestalten. Welche Tipps würden Sie geben?

M.H. / In diesem Fall würde ich empfehlen, den Räumen einen neuen Anstrich zu verpassen, gerade wenn man ein knappes Budget hat. Ein Raum erhält so sofort eine andere Atmosphäre. 

Cire Trudon Odeurs Royales
Cire Trudon Odeurs Royales

L.L. / Die Temperaturen sinken, der erste Schnee fällt und der Winter naht. Mit welchen Materialien kann man es sich in der kalten Jahreszeit im eigenen Zuhause so richtig gemütlich machen?

M.H. / Ich würde auf jeden Fall Wolle bevorzugen, beispielsweise in Form einer Woll- oder Cashmeredecke. Wer Fell mag, kann auch in eine Echtfelldecke investieren. Wer das nicht möchte, für den gibt es kuschelige Kunstfelldecken, die sehr hochwertig aussehen. Bestehenden Kissen kann man einen winterlich-chicen Überzug verpassen. Kerzen sind im Winter für mich sehr wichtig, am liebsten in Form einer eleganten Duftkerze. Außerdem darf man sich gerne auch an dunkle Farben wagen.

L.L. / Wo und wie verbringen Sie am liebsten kalte Wintertage in Ihren eigenen vier Wänden?

M.H. / Gute Musik, eine Ernesto-Duftkerze von Cire Trudon, je nach Tageszeit eine Tasse Tee oder ein Glas Wein. Ein bequemes Sofa, eine schöne Decke und ein Feuer nicht zu vergessen. Wenn möglich, im Kreise meiner Familie!

Gräshoppa Jet Black
Gräshoppa Jet Black

Wordrap

Hier tanke ich Inspiration: Auf unserer eigenen Alpe im Bregenzerwald.

Von Fototapeten halte ich ... bedingt etwas. Es kommt auf den Hersteller an.

Puristisch oder überdekoriert? Weder noch.

Alpine Chic ist für mich ... gemütlich, cosy und sollte nicht zu überladen sein.

Dieses Objekt würde ich gerne einmal gestalten: Meine eigene Wohnung am Arlberg.

Ändern sich Interiortrends ähnlich schnell wie Modetrends? Sie ändern sich schneller als früher, aber nicht so schnell wie Modetrends. 

Martina Hladik

Martina Hladik absolvierte ihre Ausbildung als Interior Designerin an der Inchbald School of Design in London und lebte vier Jahre in der britischen Hauptstadt. Seit 1993 arbeitet sie als Innenarchitektin mit Schwerpunkt Farbgestaltung. Heute leitet Sie den Interieurladen room service CONCEPT STORE in der Dornbirner Innenstadt und die room service BOUTIQUE im Hotel Der Berghof in Lech.