„Wir versichern den Sport!“

Interview mit Christian Steinmayr von Steinmayr & Co Insurance Broker

Steinmayr & Co ist nicht nur mit der österreichischen Versicherungswirtschaft, sondern auch eng mit dem nationalen Spitzensport verbunden. Vom ehemaligen Radsportler Wolfgang Steinmayr gegründet, wird die Firma nun in zweiter Generation von Christian Steinmayr und seinem Geschäftspartner Michael Perlornigg geführt. Im Interview mit Geschäftsführer Christian Steinmayr sprach der junge Tiroler über die Herausforderungen und Risiken des legendären Hahnenkamm-Rennens und gab Einblicke in die verantwortungsvolle Aufgabe eines Versicherungsmaklers. 

L.L. / Herr Steinmayr, Sie versichern das Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. Um eine Dimension zu haben: Von welcher Versicherungssumme sprechen wir 2017?

C.S. / Man muss vorweg sagen, dass das Hahnenkamm-Rennen kein normales Skirennen ist. Dort ist der Aufwand bei der Durchführung des Events deutlich höher als bei klassischen Abfahrtsläufen – dafür sind die Einnahmen aber auch größer. Bei einem Ausfall des Rennens geht es um einige Millionen Euro, aber genaue Zahlen kann und darf ich nicht nennen. Generell kann entweder die Kosten- oder die Einnahmenseite versichern. In Kitzbühel herrscht ein Sonderfall: Veranstalter, der Skiclub Kitzbühel, und Vermarkter, die WWP-Group, sind nicht die gleichen. Es gibt deshalb verschiedene Modelle – wenn man aber beide Summen zusammenzählt, kommt man auf einen Millionenbetrag im einstelligen Bereich. Steinmayr & Co versichert beide Seiten. 

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L.L. / Wie sieht es mit dem medialen Wert aus?

C.S. / Der mediale Wert ist in Kitzbühel natürlich enorm und auch einer der Hauptgründe für die verhältnismäßig hohe Versicherungssumme. Fernseh- und Sponsorengelder sind bei einem normalen Event oft schon deutlich höher als die Zuschauereinnahmen. Das ist in Kitzbühel – trotz zigtausender Besucher und VIPs – nicht anders. Diese Gelder sind natürlich mitversichert.

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L.L. / Sie sind Marktführer im Bereich der Ausfalldeckung für Sportveranstaltung und betreuen eine Vielzahl von Veranstaltern. Auf welche Aspekte müssen Sie beim Hahnenkamm-Rennen besonders achten? Welche Risiken können Sie versichern?

C.S. / Beim Hahnenkamm-Rennen, wie bei allen Freiluftsportveranstaltungen, geht es vor allem um das Thema Wetter. Kitzbühel liegt eher tief und der wichtigste Teil der Strecke, die Traverse, liegt nahe des Tals, dient nicht dem normalen Publikumsverkehr und ist der Sonne ausgesetzt. Hier wird jedes Jahr gezittert, ob die Schneedecke hält. Es wurde aber von der Bergbahn speziell für diesen Abschnitt eine neue Beschneiungsanlage angeschafft, die Problematik dürfte sich also in Zukunft etwas entschärfen. 

Generell ist zu wenig, aber auch zu viel Schnee hinderlich. Dazu kommt schlechte Sicht, beispielsweise durch eine Nebelbank an der falschen Stelle. Andere Aspekte, die versichert werden müssen, sind technische Defekte wie etwa Übertragungsschwierigkeiten beim Fernsehen. 

Auch ein schwerer Unfall mit ungewissem Ausgang kann sehr wohl auch zu einem Rennabbruch führen. Wären Unfälle wie die von Grugger, Albrecht oder McCartney in der Vergangenheit anders ausgegangen, wäre auch eine Absage möglich gewesen, mit entsprechenden finanziellen Konsequenzen. Das betrifft aber nicht nur Kitzbühel, sondern alle Rennen, die wir versichern. 

Es gibt schon immer auch sehr individuelle Themen, aber die bleiben zwischen den Beteiligten.

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L.L. / Das Hahnenkamm-Rennen ist in Kitzbühel das Wintersportereignis des Jahres. Wie intensiv ist die Vorbereitungszeit?

C.S. / Wir sind ein eingespieltes Team. Hauptverantwortlich bei uns ist seit 20 Jahren mein Vater Wolfgang Steinmayr und alle Beteiligten kennen sich sowohl auf Kundenseite als auch auf der Seite der Versicherer mittlerweile sehr gut. Die Prozesse funktionieren reibungslos. Im Sommer versucht man genügend Versicherer zu finden, damit 100 Prozent des Events versichert sind. Dann spricht man über die Vermarktungssummen auf Seiten der Kunden, denn diese schwanken naturgemäß. Es ist ein laufender Prozess, der bis zum tatsächlichen Rennen andauern kann. Wir haben ein sehr großes Vertrauensverhältnis zu allen Beteiligten und können auch am Ende sehr flexibel agieren. Das ist auch wichtig, da hier oft sehr kurzfristige Entscheidungen getroffen werden müssen, die sich nicht nach den Öffnungszeiten der Versicherungsgesellschaften richten können. 

L.L. / Ist es wichtig, dass alle drei Renntage durchgeführt werden?

C.S. / Natürlich. Jeder Renntag hat eine eigene Summe, sowohl kosten als auch einnahmenseitig – die Abfahrt hat natürlich die höchste und ist deshalb das wichtigste Event. Auch eine Verschiebung ist beispielsweise mit sehr hohen Kosten verbunden, denn die Fernsehzeiten sind genau getaktet. Im Grunde sind es drei eigene Events.

L.L. / Worst Case: Die Abfahrten müssen wegen schlechter Wetterbedingungen abgesagt werden. Welche Konsequenzen hat das für die Versicherungen und für Sie als Vermittler? 

C.S. / Kurz gesagt: Es wird für den Versicherer teuer. Unsere Aufgabe liegt im Schadenfall darin, die Kunden zu betreuen, damit sie zu ihrem Geld kommen. Man muss den Schaden dokumentieren – manchmal ist er eindeutig, manchmal nicht. Unser Anspruch ist es, dem Kunden möglichst schnell und unkompliziert zu seinem Geld zu verhelfen. Trotzdem haben vermutlich alle Beteiligten im Hinterkopf, dass wir das Rennen nächstes Jahr wieder versichern müssen. Hier spielt Verhandlungsgeschick und Augenmaß eine wichtige Rolle. Das hat bei uns in der Vergangenheit, denke ich, immer sehr gut funktioniert, daher betreuen wir das Hahnenkamm-Rennen nun schon seit vielen Jahren. Der erste Anspruch ist immer, dass der Kunde zu seinem Recht kommt und zu 100 Prozent zufrieden ist. Aber der Anspruch ist ebenso, dem Kunden langfristige Sicherheit zu bieten und nicht die zukünftige Deckung durch ungeschickte Verhandlungen zu gefährden. Dafür ist der Markt einfach zu klein. 

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L.L. / Wie oft mussten Sie in der Vergangenheit beim Hahnenkamm-Rennen schon Ausfälle verzeichnen?

C.S. / Schadeninformationen sind natürlich vertraulich, aber es ist ja allgemein bekannt, wann es in Kitzbühel Änderungen bei der Durchführung der Rennen gegeben hat. In Kitzbühel gab es einige Änderungen in unterschiedlicher Ausprägung. Die Abfahrt fiel zum Glück nicht oft aus, aber Verschiebungen oder Sondermaßnahmen zur Rettung des Events gibt es natürlich häufiger.  Es gab aber auch schon Totalausfälle, beispielsweise wegen Kyrill, der im letzten Moment den Schnee im unteren Streckenabschnitt dahinraffte. Die letzten Jahre waren wir zwar von großen Schäden verschont, aber es war ehrlich gesagt oft extrem knapp. Das hat man ja auch mitbekommen.

Das Team in Kitzbühel leistet hier Jahr für Jahr wirklich Übermenschliches, um den Zuschauern und Gästen ein tolles Rennen und ein einzigartiges Programm zu bieten und um das Event auch bei schweren äußeren Bedingungen zu retten. Gäbe es diesen unglaublichen Einsatz nicht, hätte das die letzten Jahre ganz anders ausgeschaut. Die Versicherung ist wirklich nur die Ultima Ratio, wenn nichts mehr geht. Diese Einstellung ist vorbildlich.

L.L. / Können Sie das Rennen trotz Ihrer vertrauensvollen Aufgabe genießen? Sind sie nach all den Jahren vor dem Startschuss eigentlich noch nervös?

C.S. / Bis kurz vor dem Start bin ich nervös – besonders, wenn das Wetter unklar ist. Am Tag des Rennens stehe ich auf und schaue sofort aus dem Fenster. Wenn die Sonne scheint, bin ich meistens sofort entspannt. Wir sind auf jeden Fall die ganze Zeit vor Ort und für alle Fragen, die die Versicherung betreffen, erreichbar. Nervöser ist hier sicher mein Vater als Hauptverantwortlicher bei uns. Er ist die ganze Woche vor Kitzbühel schon auf Nadeln und schon Tage vor dem Rennen vor Ort und hält zu allen Kontakt, um auch die Versicherer am Laufenden zu halten und diese notfalls zu beruhigen.

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L.L. / Welche hochkarätigen Events versichert Steinmayr & Co Insurance Broker eigentlich noch?

C.S. / Nordische und alpine Weltmeisterschaften sowie Indoor- und Outdoorkonzerte und große Kulturevents. Wir haben schon viele Weltstars versichern dürfen, ohne dass die das mitbekommen. Aber es freut einen natürlich trotzdem. Ich war ja vor meiner Selbstständigkeit auch einige Jahre für die Versicherungsgeschicke der Red Bull Gruppe verantwortlich und durfte auch dort außergewöhnliche Projekte versichern wie beispielsweise den Stratosphärensprung von Felix Baumgartner. Im Alltag versichern wir jedoch hauptsächlich Gewerbe-, Industrie- und Tourismusbetriebe. Auch ganz tolle Betriebe aus dem Kitzbüheler Raum wie die Bergbahn AG Kitzbühel oder den Stanglwirt. Das ist auch extrem spannend und herausfordernd, aber die Events machen offensichtlich mehr Wind.

Wordrap

Diesem Wintersportler juble ich beim 77. Hahnenkamm-Rennen zu: Bode Miller, wenn er denn fährt.

Als Kind wollte ich ... vermutlich nicht Versicherungsmakler ... werden. Heute bin ich aber sehr froh, dass ich mich für diesen spannenden Beruf entschieden habe. 

Risiko bedeutet für mich ... eigentlich immer auch eine Chance. Es gibt kein Risiko ohne Chance und keine Chance ohne Risiko.

Diese Hahnenkamm-Rennen blieben mir ganz besonders in Erinnerung: Das Rennen, bei dem Stephan Eberharter mit einer Rekordzeit runterradiert ist und der Super-G, den Hermann Maier nach seinem Unfall gewonnen hat. 

Privat findet man mich auf der Piste beim ... Skifahren oder Snowboarden – je nach Schneelage. 

Von meinem Vater habe ich gelernt ... in Zusammenhängen zu denken und zu wissen, dass es immer zwei Seiten der Medaille gibt. 

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Steinmayr & Co Insurance Broker

Steinmayr & Co Insurance Broker wurde 1970 von Wolfgang Steinmayr in Innsbruck gegründet und gilt heute als eines der führenden Versicherungsunternehmen Westösterreichs mit Schwerpunkt auf der Betreuung von Gewerbe- und Industriebetrieben jeder Größe. Das Unternehmen ist klarer Marktführer im Bereich von Sportveranstaltungen und versichert seit Jahren das legendäre Hahnenkamm-Rennen. Mag. Christian Steinmayr agiert als Geschäftsführer der Steinmayr & Co Insurance Broker und leitet heute ein Team von 14 Mitarbeitern.

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