Pinselstrich für Pinselstrich

Interview mit Porzellankünstlerin Barbara Schmidt

© Barbara Schmidt

Von außen, mitten in der idyllischen Natur am Fuß des Kitzbüheler Horn gelegen, sieht man dem liebevoll restaurierten Bauernhof gar nicht an, welche Besonderheit sich in ihm verbirgt. Denn erst von Innen eröffnet sich Besuchern Barbara Schmidts kleines Reich: 

Eine Porzellanwerkstatt, in der die Tirolerin ihrer großen Leidenschaft nachgeht. Sie stellt die besonderen Stücke nicht nur zum Teil selbst her, sondern verewigt sich auf ihnen auch mit vielfältigen Kunstwerken – von Libellen, über Motive aus der Region bis hin zu Kurrentschrift. Im Interview lernen wir von Barbara Schmidt die spannenden Facetten des alten Handwerks kennen und folgen ihren Erzählungen sogar bis nach Kapstadt.

L.L. / Porzellan sollte im besten Fall von Generation zu Generation weitergegeben werden. Besitzen Sie noch Stücke von Ihrer Großmutter?

B.S. / Von meiner Großmutter aus München besitze ich noch Vasen, die sie als junge Frau in der Kunsthochschule bemalt hat. Sie hatte viele schöne Stücke, unter anderem Porzellanpuppen und ein kleines Kindertellerchen. Bei meinen Eltern gibt’s noch eine ganze Menge von Omas altem Porzellan. 

Von meinen Kitzbüheler Großeltern stammen noch alte „Scheiei“ (Tassen), überlebt haben aber vor allem die Erinnerungsstücke, die schon damals in der „Scheekammer“ (schönen Kammer) standen.Vom Großvater gibt’s noch eine entzückende hellblaue Tasse mit Glockenblumen, auf der in Goldschrift Anton steht.

L.L. / Sie lebten einige Jahre in Kapstadt und entdeckten dort auch Ihre Leidenschaft zur Porzellanmalerei. Wie kam es dazu? 

B.S. / Ein sehr guter Freund von mir unterrichtete in der Ruth Prowse Kunstschule und durfte einen freien Studenten mitbringen. Dort entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Porzellan, habe jedoch auch Schmuck und Stoffdrucke gemacht. 

© Barbara Schmidt
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L.L. / Ihre Porzellanwerkstatt ist auf einem Bauernhof mitten im Grünen beheimatet. Inwiefern inspiriert Sie Ihre Heimat beim kreativen Prozess?

B.S. / Mein „Dahoam“ inspiriert mich zu immer neuen Ideen. Es hält mich aber auch oft davon ab, sie umzusetzen, da es immer sehr viel zu tun gibt. Wir haben einen großen Garten mit Obst, Gemüse, Blumen und Hühnern, außerdem verkaufen wir unsere Produkte auf dem Kitzbüheler Bauernmarkt. Im Sommer verbringe ich viel Zeit mit der Arbeit im Alpengarten am Kitzbüheler Horn, den ich mit meinen Eltern und meiner Familie betreue.

Besonders angetan hat es mir die Kurrentschrift – die alten Verträge und Postkarten von Verwandten, die kleinen Gedichte innen an den alten Schranktüren und die Kinderbücher meiner Mutter. Diese Schrift hat mich schon immer fasziniert. Ich liebe es, mit der Feder auf Porzellan zu schreiben und verwende auch Wörter im Dialekt, so gibt es Haferl mit „Vergelts Gott“ oder „Gschtiaschts Dirndl“. Ich schreibe Sprüche oder Wörter auf Tassen, Butterdosen und anderes Porzellan. Umso mehr hat es mich letztes Jahr gefreut, dass ich überraschend den Förderpreis zur Erhaltung dieser Schrift bekommen habe. Die meisten Menschen verbinden Kurrent mit ihrer Kindheit und so erzählen mir Kunden sehr oft nette Geschichten aus der Vergangenheit.

Auf unserem alten Hof bin ich umgeben von bäuerlichen Motiven und der Natur – und so male ich Blumen, Käfer und Schmetterlinge, kombiniere alte und moderne Techniken und entdecke immer wieder etwas Neues.

© Barbara Schmidt
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L.L. / Porzellan begleitet uns seit Jahrhunderten und ist heute in vielen Formen und Farben in allen Haushalten zu finden. Was muss man beachten, um klassische Handwerkskunst ins 21. Jahrhundert zu führen? Sind Ihre aktuellen Designs von früheren Epochen inspiriert? 

B.S. / Ich hoffe, der Höhepunkt der Wegwerfgesellschaft ist bald überschritten und wir finden wieder zurück zu nachhaltigen und hochwertigen Produkten, die eine lange Haltbarkeit haben. Sinn macht das natürlich nur, wenn wir umdenken, nicht alles neu anschaffen und nicht jedem Trend hinterherjagen. Um Qualitätsprodukte zu erzeugen, brauchen wir die klassische Handwerkskunst – irgendwann wissen wir sie hoffentlich wieder zu schätzen.

Meine Inspiration kommt sicher auch aus früheren Epochen, die Geschichte des Porzellans und des Geschirrs ist ja schon sehr alt. Ich liebe zum Beispiel Goldränder, eine Weile waren sie aber ganz aus der Mode. Ich finde jedoch, dass man diese wunderbar auch mit modernen Motiven kombinieren kann. Auch Kupfer verwende ich sehr gern. Oder ich verliebe mich in eine Tasse aus der Bronzezeit und lasse mich von ihrer Form inspirieren.

©Barbara Schmidt
©Barbara Schmidt

L.L. / Jeder besitzt Porzellan, doch viele wissen nicht so recht, wie die Produkte gefertigt werden. Wie stellen Sie Ihre Einzelstücke her? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? 

B.S. / Es gibt jede Menge Möglichkeiten mit Porzellan – oder Ton – zu arbeiten. Ich drehe es auf der Scheibe, gieße es in Gipsformen oder forme es aus Platten. Abhängig von der Masse, den Glasuren und Farben, die ich verwende, kommen unterschiedliche Brenntemperaturen in Frage. Die Arbeit ist oft sehr experimentell. Vieles geht schief und es bleibt immer spannend. Jedes Stück ist ein bisschen anders, da alles handbemalt bzw. handgemacht ist.

L.L. / Bei Ihnen können Kunden ganz persönliche Stücke ordern. Auf welche Kundenwünsche gehen Sie ein? 

B.S. / Nachdem ich alleine und auch nicht Vollzeit in der Werkstatt bin, kann ich nur eine beschränkte Anzahl an Arbeiten annehmen. 

Gerne gehe ich auf die Wünsche meiner Kunden ein, bemale Markenporzellan speziell für eine Hochzeit oder einen Geburtstag, Geschirrsets mit Namen der Kleinen als „Weisat“ (Geschenk zur Geburt) oder eine individuelle Tasse für die beste Freundin, mit Sprüchen oder Worten in Kurrent oder auch in normaler Schrift. Ich brenne die Stücke in meinem Brennofen bei hohen Temperaturen und so sind sie auch für den täglichen Gebrauch geeignet.

© Barbara Schmidt
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Wordrap mit Barbara Schmidt

So bleibt Porzellan lange schön: Ich finde auch Gebrauchsspuren sehr schön.

Von einem Polterabend halte ich ...viel! Was gibt’s besseres als mit Freunden zu feiern, dass man heiratet! 

An Handarbeit schätze ich besonders …,dass kein Stück dem anderen gleicht und man die Wünsche und Ideen des zukünftigen Besitzers berücksichtigen kann.

Mein Lieblingsmotiv: Käfer, Libellen, Schmetterlinge, Vögel und natürlich Kurrent.

Scherben bringen Glück? Ich habe unglaublich viel Glück gesammelt – und es zu Mosaiken verarbeitet. Das Glück kommt immer nach …

Drei Porzellantrends für 2018: Rosa Glasur, brauner Ton und wabi sabi (japanische Ästhetik) – und viele, viele andere Ideen und Kombinationen.

Barbara Schmidt Galerie