„Wer rastet, der rostet!“

Interview mit Julia Mingler vom Gourmethotel Die Sportalm in Kirchberg

Vor über 45 Jahren war Die Sportalm noch eine einfache Frühstückspension, eingebettet in die einzigartige Naturkulisse Kirchbergs bei Kitzbühel. In all den Jahren wuchs das besondere Haus zu einem exklusiven 4-Sterne-Gourmethotel heran, das heute in junger Hand von Julia Mingler, der Tochter der Hotelgründer, geführt wird. Von klein auf half die Hotelierin im familieneigenen Betrieb mit und lernte dadurch alle Fähigkeiten, die eine gute Gastgeberin auszeichnen. Im Interview mit La Loupe spricht Julia Mingler von der damals nicht so einfachen Entscheidung für die Hotellerie, die Arbeit im familiären Umfeld und den Mut zur Veränderung. 

L.L. / Gourmethotel Die Sportalm blickt auf eine über 45-jährige Tradition zurück, in der sich das Haus stark verändert hat – nun haben Sie es bereits in jungen Jahren übernommen. Hatten Sie kurz zuvor eigentlich kalte Füße oder war für Sie sofort klar: „Das möchte ich machen!“?

J.M. / Nein, das war nicht immer ganz sicher. Als ich mich mit 14 Jahren entschieden habe, anstatt der Tourismusschule doch die Oberstufe des Gymnasiums zu besuchen und anschließend auch noch mein Jura Studium begonnen habe, hat meine Mama die Hoffnung wohl schon aufgegeben gehabt. Im „Jura-Jahr“ in Innsbruck habe ich aber doch gemerkt, dass das zwar ein Studium ist, das mich sehr interessiert, ich aber nie in diesem Berufsfeld arbeiten möchte.

Nach dem Tourismuskolleg und meinen abgeschlossenen Studien und natürlich auch, weil ich mit dem Thema Tourismus groß geworden bin und auch immer in Entscheidungen eingebunden wurde, ist es mir eigentlich nicht schwergefallen, den Betrieb relativ früh zu übernehmen. Außerdem habe ich ja tatkräftige Unterstützung durch meine Mutter und natürlich auch durch meinen Freund, der mittlerweile seit sechs Jahren im Unternehmen arbeitet.

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L.L. / Von Generation zu Generation – was haben Sie von Ihren Eltern mitbekommen, das sie täglich umsetzen?

J.M. / Wer sagt, man ist nie unterschiedlicher Meinung und es kommt zu keinerlei Konflikten, sagt wohl nicht ganz die Wahrheit. Aber das gehört ja auch irgendwie dazu – verschiedene Generationen denken einfach anders. Aber jeder lernt von jedem, und ich habe sicherlich sehr viel von meiner Mama mitbekommen. Ich habe das Glück, dass sie sehr modern eingestellt ist, was Ideen, Innovation und Gestaltung betrifft. Mitbekommen habe ich sicherlich, dass es ganz wichtig ist, als Chef überall mitarbeiten zu können und sich weder für das Service noch für die Wäscherei oder das Putzen zu schade zu sein – da zu helfen und zu unterstützen, wo Not am Mann ist. Das ist vor allem in einem kleineren Haus sehr wichtig.

L.L. / Die Konkurrenz schläft nicht – die Angebote der Hotels werden immer vielfältiger. Denken Sie, Sie haben mit Ihrem jungen Alter hier einen Vorteil und können die Branche mit frischen Ideen aufwirbeln?

J.M. / Die Konkurrenz schläft tatsächlich nicht, ja. Allerdings sollte jeder für sich seinen Weg finden, wir setzen sehr stark auf Qualität, Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Ich denke, das ist keine Frage des Alters, denn gute Ideen können in jedem Alter entstehen und wenn man für sein Haus die richtige Idee hat, die zur Struktur und zur Philosophie passt, hat das nicht so viel mit dem Alter zu tun. Die Branche an sich bräuchte sicherlich Veränderungen, aber wie gesagt, jeder ist seines Glückes Schmied. 

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L.L. / Im Gourmethotel trifft Tradition auf Moderne. Für welche Veränderungen in der Sportalm waren sie bereits verantwortlich? In welche Richtung soll es in Zukunft gehen?

J.M. / In den letzten Jahren haben wir sehr viel in die Gestaltung unserer Zimmer und Suiten investiert. Neu- und Umbauentscheidungen werden meist gemeinsam getroffen, was sicherlich auch Sinn macht, denn meine Mama kennt die Gäste doch schon etwas länger und bringt so eine „geerdete“ Sicht ein. Mein Freund und ich sind hingegen für den „jungen Touch“ verantwortlich, der für zukünftige Entwicklungen sicherlich nicht fehlen darf. Zu tun gibt es immer etwas, auch in Zukunft – wer rastet, der rostet. So zumindest das Sprichwort (lacht).

L.L. / Das Hotel ist bekannt für seine herausragende Gourmetküche. Woher kommt Ihr Gespür für den Genuss? 

J.M. / Genuss ist etwas Schönes und das habe ich schon ganz früh gelernt. Schon als das Hotel noch kleiner war und wir noch keinen Haubenkoch als wertvollen Mitarbeiter hatten, war gutes Essen, wenn auch etwas bodenständiger, immer das Wichtigste für meine Familie. Ich habe das also bereits in die Wiege gelegt bekommen und so entwickelt sich das Gespür für Genuss und die geschmackvollen Dinge des Lebens wohl ganz von selbst.

„Genuss ist etwas Schönes und das habe ich schon ganz früh gelernt.“


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L.L. / Von klein auf arbeiteten Sie im elterlichen Betrieb mit. Welche Vorteile bietet es, in eine Hoteliersfamilie hineingeboren zu sein? Gibt es auch Nachteile?

J.M. / Vorteile gibt es sicher viele, denn man ist nie alleine und hat immer Unterhaltung. Man hat vielfältige Möglichkeiten und die unterschiedlichsten Situationen zu meistern – langweilig wird es also nie. Nachteile – klar, die gibt es immer und überall: Feiertage verbringt man nicht nur mit der Familie, Wochenenden gibt es nur in der Zwischensaison und so ein Haus braucht seine hundertprozentige Aufmerksamkeit – einfach mal kurz weg, ist in der Saison nur schwer möglich und dann auch nur, wenn ein anderes Familienmitglied zu Hause bleibt. Aber so kenn ich es, so bin ich aufgewachsen. Aus diesem Grund überwiegen deshalb definitiv die Vorteile. 

Wordrap mit Julia Mingler

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Als Gast sollte man bei uns im Sportalm Gourmethotel unbedingt ... Essen und Genießen.

Das ist mein Lieblingszimmer: Die Natursuite 313.

(Ich bin lieber) im Vordergrund oder im Hintergrund? Sowohl als auch, aber ich bin schon froh, dass mein Freund das Service übernommen hat (lacht).

Dieses Gefühl möchte ich Gästen vermitteln: Ein Gefühl des Nachhausekommens.

Das ist mein Steckenpferd: Neues entdecken.

Diese Fähigkeit möchte ich mir noch aneignen: Gelassenheit.

Österreichische Klassiker oder kreative Kreationen? Kreative Klassiker.

An einem freien Tag ... fahre ich gerne weg.