Lautsprecher des Weines

Interview mit Maximilian Josef Riedel, Geschäftsführer von Riedel Glas

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Kelch, Stiel und Bodenplatte. Aus diesen drei Teilen besteht ein klassisches Weinglas. Doch wie diese zusammengesetzt werden gleicht einer Wissenschaft, die nur wenige Manufakturen beherrschen. Riedel Glas ist eine davon

und hat das funktionale Weinglas in jahrelanger Arbeit zur Perfektion gebracht. Im La Loupe-Interview eröffnet uns Geschäftsführer Maximilian Josef Riedel die Visionen des traditionsreichen Familienunternehmens.

© Riedel Glas
© Riedel Glas

L.L. / 2008 schrieb das Time Magazine, Riedel Glas hätte für jeden Weinliebhaber in den vergangenen 50 Jahren einen größeren Beitrag zum Genuss geleistet als beinahe jede Winzerdynastie. Können Sie uns erklären, was Ihren Erfolg ausmacht?

M.R. / Vor Claus Riedel waren Weingläser konisch, wie ein Becher, aus farbigem Glas, das auch noch geschliffen war, schwer und oft auch unhandlich.

Mit Claus Riedel begann das Zeitalter des auf das Minimum reduzierten, undekorierten, eiförmigen Glases, das ausbalanciert in der Hand liegt. Das Weinglas, wie Sie es heute überall sehen – egal von welchem Hersteller –, hat seinen Ursprung in dieser ersten weinfreundlichen Glasserie meines Großvaters.

Riedel steht aber für mehr, nämlich für funktionale Gläser, das bedeutet, dass unsere Gläser und Dekanter Instrumente des Weingenusses sind. Wir bezeichnen unsere Gläser auch als Lautsprecher des Weines, weil sie den Wein in seiner bestmöglichen Form präsentieren und seine Vorzüge betonen. Wir haben von Anbeginn an sehr eng mit Winzern zusammengearbeitet, für die es natürlich ein besonderes Anliegen ist, dass ihr Wein sich in der bestmöglichen Weise präsentieren kann. 

L.L. / Mit Ihren besonders geformten Gläsern erlebt man die „Botschaft des Weines“ wie mit keinem anderen Glas. Was genau meinen Sie damit? 

M.R. / Riedel Gläser sind dazu da, die Vorzüge der jeweiligen Rebsorte zu betonen und dadurch eine perfekte Harmonie seiner Aromen auf den Gaumen und die Zunge zu leiten. Wir wollen ein Genusserlebnis ermöglichen, das so nahe an Perfektion heranreicht wie irgend möglich. Dafür verwenden wir viel Zeit und Aufwand, testen unsere Gläser auch regelmäßig und justieren sie, wenn nötig, nach. Zuletzt etwa das Glas für Grünen Veltliner, das wir mit den führenden Winzern Österreichs in Niederösterreich in vier Workshops getestet haben. Das Ergebnis war überragend eindeutig. Das Glas aus unserer neuen Serie Performance hat sich ganz klar als das perfekte Glas erwiesen.

© Riedel Glas
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L.L. / Ihre Gläser sind rebsortenspezifisch. Warum benötigt jede Rebsorte ein eigenes Glas? 

M.R. / Gegenfrage: Warum brauchen Sie unterschiedliche Schuhe? Reicht nicht ein Paar? Nein! Weil verschiedene Anforderungen unterschiedliches „Werkzeug“ benötigen und so ist es auch mit Wein.

Ein Cabernet und Pinot Noir zum Beispiel können niemals aus demselben Glas genossen werden, weil die Charakteristika der Trauben, ihre DNA, vollkommen unterschiedlich sind. Pinot Noir hat bedeutend mehr Säure, die Konsistenz der Trauben ist anders, die Geschmackskomponenten unterscheiden sich. 

L.L. / Jedes Glas ist ein Zusammenspiel von Form, Größe und Mundranddurchmesser. Wie entwickelt man das perfekte Glas? Arbeiten Sie mit Winzern zusammen? 

M.R. / Die Form der Riedel Gläser wird nie von einem Designer auf einem Zeichenbrett entwickelt. Sie entsteht immer in gemeinsamen Workshops und Verkostungen von meinem Vater und mir selbst mit Winzern und Sommeliers.


„Riedel Produkte sind Handwerk.“


L.L. / Riedel Glas hat seinen Ursprung in Böhmen, heute findet sich der Firmensitz in Kufstein. Sind die Einflüsse aus Tschechien auch in den heutigen Serien noch verankert? 

M.R. / Die Wurzeln von Riedel liegen in Böhmen, wo meine Vorfahren 1756 die erste Glashütte gegründet haben. Riedel produzierte in seinen Fabriken in Böhmen aber völlig andere Produktlinien als wir heute. Aber die Art des Glasblasens haben mein Urgroßvater Walter und mein Großvater Claus beim Neustart in Kufstein aus Böhmen mitgebracht. Sie führten die Böhmische Glasmacherpfeife in Kufstein ein. Eine spezielle, feinere Art des Glasblasens.

L.L. / Sie stecken viel Leidenschaft, Herzblut und Erfindergeist in Ihre Serien: Ist das Riedel Glas überhaupt noch Handwerk oder viel mehr Kunst? 

M.R. / Riedel Produkte sind Handwerk. Obwohl das Glas Burgunder Grand Cru aus der Sommeliers Serie im Museum of Modern Art in New York ausgestellt ist und wir mit unseren Produkten auch schon sehr viele Designpreise gewonnen haben.

© Riedel Glas
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L.L. / Seit 2013 führen Sie die Geschicke des Unternehmens. War es immer Ihr Traum, Riedel Glas zu übernehmen? 

M.R. / Es stand mir immer frei, zu wählen und ich habe den Einstieg gerne und bewusst gewählt, ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen, als das Familienunternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Dieser Auftrag kommt auch mit einer großen Verpflichtung, die ich aber gerne übernommen habe.

L.L. / Sie führten die Marke in Dubai ein und revolutionierten den US-amerikanischen Unternehmensauftritt. Heute trinken Genießer in 125 Ländern aus Riedel Gläsern. Gibt es je nach Land andere Vorlieben?

M.R. / Die Vorlieben sind je nach Land und Kultur verschieden. Dadurch erklärt sich auch unser breites Produktangebot. 

L.L. / Mit Ihrem Vater Georg entwickelten Sie 2008 eine beeindruckende Dekanter-Serie, die Vögel im Flug symbolisierte: Swan, Paloma und Flamingo. Auf welche Glaskreationen darf man sich 2018/2019 freuen? 

M.R. / 2019 wollen wir eine spektakuläre neue Glasserie präsentieren, mit der wir unserem Familienauftrag, immer weiter zu gehen und sich nie auf den gewonnenen Lorbeeren auszuruhen, mehr als gerecht werden. Wir freuen uns darauf. 

© Riedel Glas
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Wordrap mit Maximlian Riedel:

© Riedel Glas
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Was ist wichtiger: Ein gutes Glas oder ein guter Wein? Die Kombination aus beidem. Eines ohne das andere funktioniert nicht.

Das Lieblingsglas unserer Kunden ist ...das Cabernet-Glas.

So pflegt man Riedel Gläser am besten: In der Geschirrspülmaschine von MIELE. All unsere Gläser sind spülmaschinenfest.

Schwer oder spritzig? Das hängt von der Stimmung, der Jahreszeit und der Person ab, mit der man den Wein genießt.

Familie bedeutet mir ...alles.

In Kitzbühel trinke ich meinen Wein häufig ...auf meiner Terrasse mit Blick auf den Hahnenkamm.