Dolce far niente

Interview mit Ivan Marzola, Hüttenwirt des Sonnbühel

©Alexander Haiden

„Auf Sonnbühel habe ich von Anfang an eine besondere Energie gespürt. Es ist ein Kraftplatz, der mich nicht dazu verleitet, etwas an dieser besonderen Atmosphäre zu verändern“, schwärmt Ivan Marzola von seiner Hütte direkt am Hahnenkamm. 

Der gebürtige Italiener hat 2016 sein Herz an das geschichtsträchtige Refugium in Kitzbühel verloren, das heute zu den zehn besten Hütten der Alpen gehört und mit zwei Gourmet-Gabeln ausgezeichnet wurde. Ein Interview über kulinarische Revolutionen und La Dolce Vita mitten in den Tiroler Bergen. 

L.L. / Seit 2016 führen Sie das Sonnbühel gemeinsam mit Dr. Christian Harisch. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Hütte zum ersten Mal betraten? Hatten Sie sofort ein Konzept im Sinn?

I.M. / Ja, das Konzept war für mich klar. Ich habe die urige Tiroler Hütte gesehen und es als Herausforderung empfunden, auf genau diese Hütte mediterrane Küche zu bringen. Seit jeher liebe ich die Tiroler und die italienische Küche und wollte eine Verbindung schaffen. 

L.L. / Starkoch Eckart Witzigmann bezeichnete Ihre Küche als „eine der besten über 1.000 Metern“. Was macht für Sie authentische Gourmetküche aus?

I.M. / Man muss eine Mannschaft zusammenstellen, die mit Leidenschaft und Kompetenz arbeitet. Wir suchen nur die besten Produkte auf dem Markt aus und mit der Energie des Hauses ergibt sich daraus, was Sonnbühel heute ausmacht. Haubenköche besinnen sich wieder auf einfache, erlesene Gerichte. Die Einfachheit, gekoppelt mit der Qualität der Zutaten, macht einen guten Haubenkoch aus.

©Sonnbühel/2017
©Sonnbühel/2017

L.L. / Besonderheit: Fangfrischer Fisch und Meeresfrüchte am Hahnenkamm auf 1.650 Metern. Ein eher ungewöhnliches Angebot für eine Berghütte. Eine Hommage an die italienische Heimat?

I.M. / Ich bin häufig selbst am Fischmarkt von Grado und wähle die richtigen Fische aus. Unsere Sardellen in Salzkruste stammen von einem kleinen Familienbetrieb in Grado, den ich seit meiner Kindheit kenne. Wenn hochqualitative Produkte auf den Tisch kommen, sind die Gäste begeistert. 

L.L. / Was so mancher wahrscheinlich noch nicht wusste: In den 1980ern waren Sie italienischer Skiweltcupfahrer und 1986 durften Sie sich sogar über den 8. Platz auf der Streif freuen. Mit welchem Gefühl standen Sie damals im Starthaus? 

I.M. / Beim ersten Mal ist es immer ein mulmiges Gefühl, aber wenn man heil im Ziel ankommt, wird man zu einem echten Abfahrer gekrönt. Das Flair hat mich nicht mehr losgelassen und ich bin immer wieder nach Kitzbühel zurückgekehrt. Obwohl ich hier auch immer mein Grödnertal ein bisschen vermisse. Ich liebe eben die Berge und das Meer.

©Sonnbühel/2017
©Sonnbühel/2017

Wordrap mit Ivan Marzola

Meine Liebe zu den Bergen kommt ... aus meiner Kindheit, die ich entweder in den Bergen oder am Meer verbracht habe.

Hummer oder Hamburger? Je nachdem, wo ich bin. 

Zuhause koche ich am liebsten ...Schnitzel mit Salat. 

Wenn ich an meine Zeit als Profiskifahrer zurückdenke, ...war es eine gute Lebensschule, um alle Schwierigkeiten zu bewältigen. 

Bei Fernweh hilft: ein Glaserl Rotwein.

Sonnenanbeter oder Skifahrer? Skifahrer.

Luxus bedeutet für mich ...Zeit für das zu haben, worauf ich Lust habe.

©Alexander Haiden
©Alexander Haiden