Hotels mit Weitblick

Interview mit Hoteliersfamilie Ultsch in Innsbruck

500 Jahre altes Traditionshaus trifft auf Designhotel. Auch wenn diese beiden Hotelkonzepte unterschiedlicher nicht sein könnten, gibt es eine große Gemeinsamkeit: Die Herzlichkeit der Gastgeberfamilie Ultsch. Dank Harald und seiner Ehefrau Sonja-Sophie Ultsch sowie deren Kinder Florian, Fabian und Valentina fühlt man sich bei einem Aufenthalt sofort zuhause – sei es auf der atemberaubenden Dachterrasse im zwölften Stock des aDLERS oder in den gemütlichen Tiroler Stuben des Schwarzen Adlers. Im Interview erzählt die Hoteliersfamilie vom Spiel zwischen Tradition und Moderne und erklärt, warum Innsbruck nicht nur kulinarisch mit großen Metropolen mithalten kann.

Sonja-Sophie Ultsch
Sonja-Sophie Ultsch

L.L. / Frau Ultsch, gemeinsam mit Ihrer Familie führen Sie bereits in vierter und fünfter Generation erfolgreich das Hotel Schwarzer Adler. Wie wichtig ist es Ihnen, die Tradition Ihrer Familie fortzuführen?

S.U. / Wenn man ein Unternehmen aufbaut, ist es natürlich sehr schön, wenn es weitergeführt wird. Unsere zwei Söhne sind beide in den Betrieben involviert. Unsere Tochter studiert im Moment noch, ist aber auch bereits in den Hotels tätig. Somit haben wir vieles richtig gemacht. Florian und Fabian sind mit voller Begeisterung und neuen Ideen im Betrieb. Fabian als Wirt und Gastronomiechef und Florian als Business Development Manager. Wir sind deshalb auch so erfolgreich, weil wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und die Kinder mitarbeiten. Wir würden aber Florian, Fabian und Valentina nie zwingen, in unsere Fußstapfen zu treten.

L.L. / Das Boutiquehotel Schwarzer Adler ist ein Haus mit 500-jähriger Geschichte. In welchen Facetten ist diese auch heute noch sichtbar?

S.U. / Dies ist an vielen Ecken im gesamten Hotel sichtbar. In unserem Gewölbekeller, den wir gerne für Veranstaltungen vermieten. In unseren traditionellen Tiroler Stuben, den ausgestellten Exponaten und Bildern. Um den Gast die langjährige Tradition und Geschichte näherzubringen, haben wir seit diesem Jahr einen Kulturführer auf den Zimmern aufliegen, welcher großen Anklang findet.

L.L. / Der Schwarze Adler ist in Innsbruck bekannt für seine authentische Tiroler Küche, die durch besondere Kreationen des Küchenchefs Lukas Spindlegger besticht und schon seit den 1970ern einen ausgezeichneten Ruf genießt. Welches Gericht darf auf der Speisekarte auf gar keinen Fall fehlen?

S.U. / Was nie fehlen darf, ist das Sellrainer Pfandl. Die Geschichte dahinter ist folgende: Das Sellrainer Pfandl ist seit Jahrzehnten die Spezialität des Hauses und wird aus den Filetspitzen vom Rinds- und Schweinefilet (ursprünglich von den Filetspitzen einer besonderen Rinderrasse im Sellrain, Tirol) in einer Gorgonzolarahmsauce zubereitet. Dieses Gericht gibt es in Österreich nur hier, denn es wurde von Werner L. Ultsch kreiert, welcher als Begründer der „Feinen Naturküche“ bekannt ist. Jahrelang arbeitete Werner, der Bruder von Harald, als Chefkoch im Hotel Schwarzer Adler in Innsbruck – bis es ihn in die weite Welt hinauszog.

aDLERS
aDLERS

L.L. / Die Pfiffbar im Schwarzen Adler ist Innsbrucks Traditionsbar. Sie bringt mit ihrem Interieur einen Hauch USA in die Alpen. Wie entstand die Idee, eine typische American Bar in Innsbruck zu eröffnen?

S.U. / Die Pfiffbar ist ein Treffpunkt, wo die Leute zusammenkommen. Der innere Kern wurde restauriert und die 500 Jahre alten Balken hervorgeholt. Das heißt, die Tiroler Komponenten sind weiterhin erhalten. Nach der Rückkehr aus Amerika hat Harald den amerikanischen Touch mitgebracht. Weitere Highlights sind der Tiroler Barkeeper und die selbstgemachten Produkte für unsere Cocktails.

L.L. / 2013 eröffneten Sie das aDLERS Designhotel im Pema-Tower. Im zwölften Stock, über den Dächern von Innsbruck, erwarten den Gast im aDLERS kulinarische Highlights und eine Bar. Hier lautet das Credo: Casual Dining, Wining and Meeting. Was verstehen Sie darunter?

S.U. / Einerseits bedeutet es, dass für jeden etwas dabei ist: internationale Küche von Tiroler Produkten inspiriert! Eine lockere Atmosphäre in der Bar mit kleiner Karte. Frühstück oder Brunch, Lunch, Dinner oder nur Snack – alles ist möglich. Andererseits: Einfaches, aber klares Design des Mobiliars, einheitliche Präsentation, Tiroler Gastfreundschaft. Kurzum: Aus der Auswahl an Speisen und Getränken an sieben Tagen in der Woche findet jeder sein Angebot und seinen Preis! Sei es zum Frühstück oder Brunch am Morgen, auf einen Drink in der Bar, bei einem kleinen Snack am Nachmittag oder einem schönen Dinner am Abend. 

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L.L. / Das aDLERS Restaurant erhielt von Falstaff 86 Punkte im Restaurantguide. Welchen Qualitätsanspruch haben Sie in Bezug auf die verwendeten Zutaten und die Zubereitung der Speisen?

S.U. / Uns ist es sehr wichtig, vor allem regionale Produkte aus der Umgebung zu beziehen. Darauf achten wir besonders. Einheimische Lieferanten spielen dabei eine große Rolle.

L.L. / Der Panoramablick, den man vom aDLERS Restaurant genießt, ist für ein Innsbrucker Hotel einzigartig. Wie und wann sollte man diesen am besten erleben? 

S.U. / Bei einem schönen Dinner, direkt am Fenster mit Aussicht auf das Lichtermeer der Stadt. Für die Frühaufsteher unter uns ist es ein absoluter Geheimtipp, während der Woche im Restaurant zu frühstücken. Die Stimmung ist dann besonders einzigartig.

aDLERS Hotel Dachterrasse
aDLERS Hotel Dachterrasse

L.L. / Beide Hotels sind für ihre Rooftops bekannt, von denen man einen traumhaften Blick über Innsbruck und auf die Berge hat. Wo haben Sie sich bei der Gestaltung inspirieren lassen? 

S.U. / Die Rooftops sind klar nach den Werten der Marke Innsbruck aufgebaut: urban-alpiner Stil! Ausblick auf die Stadt inklusive.

L.L. / Ihre beiden Hotels könnten unterschiedlicher nicht sein. Einerseits ein Haus mit jahrhundertealter Geschichte und langer Tradition, andererseits ein Designhotel, das Herzen von Liebhabern moderner Architektur und Interior Design höherschlagen lässt. Ein ständiges Spiel zwischen Moderne und Tradition. Was liegt Ihnen mehr? 

S.U. / Dieses Zusammenspiel von Moderne und Tradition ist wie Yin und Yang. Der Schwarze Adler ist eindrucksvoller Zeuge früherer Zeiten und das aDLERS Ausdruck der heutigen Zeit. Obwohl wir als Familie sicherlich mehr Zeit im aDLERS verbringen – wir haben dort sieben Tage die Woche Programm – ist das Gefühl der Geborgenheit und des Nach-Hause-Kommens im Schwarzen Adler sehr stark. 

L.L. / Sonja Ultsch, Sie setzten durch Erfahrungen aus der Modebranche stilvolle Akzente bei der Innengestaltung der Hotels, ganz nach dem Motto: Neues trifft auf Altes. Wie schwierig ist es, diese beiden Komponenten zusammenzuführen, damit das Interior stilecht und doch zeitgemäß wirkt?

S.U. / Eine große Rolle bei beiden Hotels spielt die Qualität der Produkte und heimische Lieferanten. Speziell im Schwarzen Adler achten wir auf moderne Kristallkomponenten, Schlafkomfort durch Daunenpolster aus artgerechter Tierhaltung, qualitativ hochwertige Stoffe von Backhausen und Kärntner Leinen. Das Metall der Waschtische kommt von heimischen Schlossereien, die keine Kunststoffe und keine Chemie verwenden.

Der Schwarze Adler hat das aDLERS in seiner Ehrlichkeit und seinem Ursprung sehr beeinflusst. Das urban-alpine Design zieht sich durch das gesamte Designhotel. Tiroler Loden, Lechtaler Teppiche, Granit und Lampen erinnern an alte Bauernlampenschirme.

Der Ursprung liegt immer in der Tiroler Tradition, die gleichzeitig alpin und urban ist. Dieser Einfluss war ein richtungsweisender Pfeil bei der Gestaltung. Dieses urban-alpine Konzept eignet sich perfekt für das Zusammenspiel „Neues trifft auf Altes“. Zudem darf man sich auch immer auf eine frechere Einrichtung einlassen und sollte mutig sein – gerade im Urlaub freut man sich auf eine Auszeit in besonderem Ambiente. 

Hotel Schwarzer Adler
Hotel Schwarzer Adler

L.L. / Gemütliche Stuben, charmante Bars und faszinierende Dachterrassen. Welchen Lieblingsplatz haben Sie in den unterschiedlichen Häusern?

S.U. / Gemütliche Stuben für Dinner – hier ist der Schwarze Adler ein Kraftplatz. Cocktails trinkt man am besten abends an der aDLERS Bar. Für Afterwork und Treffpunkte mit Freunden eignet sich die Pfiffbar-Terrasse.

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Florian Ultsch
Florian Ultsch

L.L. / Florian und Fabian ­– ihr seid die fünfte Generation, die bereits aktiv im Unternehmen mitwirkt. Die Familie Ultsch blickt auf eine über 100-jährige Gastgebertradition zurück. Habt ihr das Gefühl, euch wurde die Hotellerie in die Wiege gelegt? Ist euch je in den Sinn gekommen, euch beruflich anderweitig zu orientieren?

Fl.U. / Definitiv liegt uns die Hotellerie im Blut. Wir sind im Hotel aufgewachsen, haben dort gewohnt. Daher haben wir die schönen Seiten des Gastgewerbes schon von klein auf miterlebt. Mir ist es nie in den Sinn gekommen, mich anderweitig zu orientieren – ich bin zu 100 Prozent Hotelier und lebe die Leidenschaft. F.U. / Eher stand diese Wiege direkt im Hotel, da wir ja im Hotel auch immer wohnten. Mir ist es mehrere Male in den Sinn gekommen, mich umzuorientieren, aber mit 18 Jahren war der Entschluss fix, in der Hotellerie zu bleiben. Es ist meins, ich passe perfekt rein.

Fabian Ultsch
Fabian Ultsch

L.L. / Der Schwarze Adler hat bereits zahlreiche Umbauten erlebt. Habt ihr als jüngste Generation schon Pläne und Ideen, die ihr in Zukunft gerne umsetzen würdet?

Fl.U. / Wir wollen in Zukunft der Inbegriff der Tiroler Hotellerie sein: sicherer Partner für Gäste und Mitarbeiter und uns in der Branche noch mehr festigen. Was die Zukunft bringt, wissen wir noch nicht, wir werden jedoch unsere Ziele nach einer klaren Vision weiterhin verfolgen.

F.U. / Ich habe viele Ideen durch meine Reisen und langjährigen Auslandsaufenthalte mitgebracht – eine davon setzen wir gerade um: den Afternoon Tea, welchen ich aus London importiert habe. Er findet jeden Samstag ab 14.30 Uhr im aDLERS statt und ist absolut einzigartig in Innsbruck. Das größte Projekt ist jedoch, als Familienunternehmen ständig zu wachsen – kein Stillstand.

L.L. / Herr Ultsch, 2006 gründeten Sie die Hotelgruppe Harry’s Home Hotels. Der Slogan dieser Hotelgruppe lautet: „Das unmögliche Hotel“. Was genau macht das Harry’s denn so unmöglich? Wie unterscheidet es sich von klassischen Hotelleriekonzepten?

H.U. / Harry‘s Home hat es sich zum Ziel gesetzt, Geschäftsleuten und Familien ein „Zuhause“ zu bieten, in welchem die Beibehaltung von „Ge-wohn-heiten“ an oberster Stelle steht. Harry‘s Home ist der Missing Link zwischen Hotel und Wohnung. Der Gast wird weder zu viel noch zu wenig betreut. Er entscheidet selbst über den Umfang: Support statt Service!

L.L. / Fünf Hotels in Österreich, eins in Deutschland und 2018 auch eines in der Schweiz. Das Baukastensystem von Harry’s Home Hotels geht auf. Inwiefern hat sich der Tourismus in den letzten Jahren verändert? 

H.U. / Die Hotellerie ist heute gefordert, sich den geänderten Kundenwünschen anzupassen. War es bisher vor allem der Service, über den sich ein gutes Hotel definiert hat, ist es heute die Nutzenerfüllung des modernen und mündigen Gastes. Durch das Service-Baukastensystem von Harry‘s Home ist die Anpassung an die verschiedenen Bedürfnisse des Gastes optimal möglich, und das zu einem fairen Preis. Der Gast zahlt bei Harry’s Home nur das, was er wirklich braucht. Er entscheidet über den Umfang der Reinigung, über kleines oder großes Frühstück oder gar keines, über die Größe des Zimmers und über viele weitere Extras. Das heißt, der Gast entscheidet eigenständig über seinen Preis.

Harry's Home
Harry's Home

L.L. / Über 1,5 Millionen Nächtigungen zählte die Stadt Innsbruck im letzten Jahr – so viele wie nie zuvor. Welche Chancen sehen Sie in Zukunft für den Tourismus in Innsbruck bzw. Tirol?

H.U. / Große Chancen sehe ich in der Erreichbarkeit im Herzen von Europa, der Sicherheit, welche eine große Rolle für Reisende spielt und als Marke mit internationaler Bekanntheit. Die Tiroler sind stolz auf ihr Land, das wirkt sich natürlich auch auf die Authentizität aus. Der Standort zeichnet sich durch exzellente Lebensqualität und internationale Vernetzung aus, beispielsweise durch große Firmen und renommierte Universitäten.

L.L. / Welche Erwartungen hat der Gast, wenn er sich dafür entscheidet, hier im Herzen der Alpen Urlaub zu machen? Und was kann Innsbruck bieten? 

H.U. / Innsbruck hat einen klaren Vorteil: Erlebnisse können für die Gäste das ganze Jahr über angeboten werden! Von einer 800 Jahre alten Geschichte, tollen kulturellen Angeboten, moderne Architekturhighlights bis hin zu sportlichen Aktivitäten und Shopping. Eine Stadt mit 1.000 Facetten. Ein absoluter USP ist jedoch die schnelle Fahrt von der Stadt auf den Berg – auch ohne zu wandern kann man die tolle Aussicht genießen. 

Harald Ultsch
Harald Ultsch

L.L. / Gerichte wie Schlutzkrapfen, Speckknödl und Gröstl sind in Tirol einzigartig. Soll Innsbruck kulinarisch mit Metropolen wie München und Wien mithalten?

H.U. / Auf alle Fälle! Denn laut der neuesten Destinationsstudie der APA liegt Innsbruck in der Entwicklung als Destination mit Wien auf gleicher Ebene. Innsbruck hat sich also schon längst zur Metropole entwickelt und gerade die Tiroler Tradition sollte sich auf dem Teller widerspiegeln. Daher ist der Schwarze Adler auch zum Ursprung zurückgekehrt und offeriert gutbürgerliche, echte Tiroler Wirtshausküche, die nicht nur bei Urlaubern punktet, sondern auch bei Einheimischen sehr beliebt ist.

L.L. / Auch die Familie Ultsch braucht mal Pause. Wenn Sie selbst in den Urlaub fahren, auf welche Aspekte achten Sie bei der Hotelwahl?

S.U. / Wir schauen, dass innovative Ideen dahinterstecken. Besondere Insidertipps, keine Massenhotels, sondern schöne, kleine, feine Hotels. Es muss aber nicht fünf Sterne besitzen. Die persönliche Note spielt eine große Rolle. Kein Automatenhotel – der Austausch mit den Mitarbeitern ist für uns sehr wichtig!

Wordrap mit Sonja-Sophie Ultsch

Strudel oder Schlutzkrapfen: Schlutzkrapfen.

Dieses Gericht gelingt mir immer: Eierspeise mit Kräutern zum Sonntagsbrunch mit der Familie! 

Die Dachterrasse im aDLERS eignet sich perfekt für ... essen, trinken, chillen – jeden Moment im Leben!

Familiengeführte Hotels sind ... Qualitätssicherheit für den Gast, da das persönliche Interesse dahintersteht, dass es allen gut geht!

Der Hotspot in Innsbruck: Die aDLERS Bar.

Innsbruck, beschrieben in drei Worten: Jung, sportlich, urban-alpin.

Familie Ultsch

Harald und Sonja-Sophie Ultsch führen bereits in vierter Generation das Traditionshotel Schwarzer Adler in Innsbruck. 2013 folgte die Eröffnung des Designhotels aDLERS mit 75 Zimmern, das durch seine Spitzengastronomie und einzigartige Dachterrasse im zwölften Stock besticht. Der Schwesternbetrieb Harry’s Home, gegründet 2006 von Harald Ultsch, erfreut sich in sechs Destinationen in Österreich und Deutschland großer Beliebtheit. Die Söhne Florian und Fabian wirken bereits aktiv im Unternehmen mit, Tochter Valentina befindet sich noch im Studium. 

Familie Ultsch Galerie