Start running and never stop!

Interview mit Vorjahressiegerin und Lauftrainerin Bianca Meyer

© Norbert Wilhelmi

„Los, los los ... jaaaa, sehr gut! Gleich geschafft! Komm!“, ruft Bianca Meyer. Das Ziel ist schon in Sicht und die Lauftrainerin weiß genau, wie sie ihre Schützlinge zu neuen Bestzeiten motiviert. Die Münchnerin gewann nicht nur den GENERALI MÜNCHEN MARATHON 2017, sondern hilft Laufsportbegeisterten mit ihrer Laufschule Running Company, individuelle sportliche Ziele zu verwirklichen. Im Interview mit La Loupe lässt Bianca Meyer ihren Erfolg 2017 nochmals Revue passieren, gibt Einblicke in ihre Trainingsroutine und verrät ihre Münchner Hotspots.

L.L. / Man sagt, hinter jedem Marathonläufer steckt eine Geschichte – etwas, das ihn antreibt und zu Höchstleistungen bewegt. Wie lautet Ihre?

B.M. / Bei mir war es eher Zufall. Eigentlich wollte ich mich für einen Triathlon anmelden, denn ich war damals noch als Leichtathletin (1.500-Meter bis 5.000-Meter-Lauf) aktiv und wollte einmal etwas anderes ausprobieren. Die Leichtathletiksaison ist Ende August vorbei – genau dann, wenn auch die Triathlons vorbei sind. Deshalb dachte ich mir damals, ich versuche mich am Marathon. Für den habe ich dann nur vier Wochen spezifischer trainiert und bin 1995 meinen ersten Marathon in Frankfurt gelaufen. Mittlerweile habe ich mehr als 20 Marathons absolviert. 

©Norbert Wilhelmi
©Norbert Wilhelmi

L.L. / Sie gewannen 2017 den GENERALI MÜNCHEN MARATHON mit einer Zeit von 2:49:32 Stunden. Ist damit ein großer Traum in Erfüllung gegangen? 

B.M. / Absolut! Das war ein ganz großes Ziel. Dieses Rennen in meiner Heimatstadt wollte ich gewinnen. Beim dritten Anlauf hat es endlich geklappt, ganz nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei. Ich war überglücklich und es war ein atemberaubendes Gefühl, als Erste über die Ziellinie im Olympiastadion zu laufen. 

L.L. / Wie haben Sie für das Sportereignis trainiert? Können Sie uns eine typische Trainingswoche beschreiben? 

B.M. / Ich trainiere das ganze Jahr über, aber marathonspezifisch habe ich letztes Jahr 13 Wochen trainiert. In dieser Zeit bin ich 1.250 Kilometer, das sind ungefähr 100 Kilometer pro Woche, gelaufen. Das ist gar nicht mal so viel, einige Marathonläufer laufen deutlich mehr. Ich trainiere fünf bis sechs Tage die Woche, ein Ruhetag ist wichtig für meinen Körper und meinen Kopf. Die komplette Strecke laufe ich zuvor nie, die Belastung ist einfach zu hoch. Ich laufe auch nie länger als 2:40 Minuten. 

© Norbert Wilhelmi
© Norbert Wilhelmi

L.L. / Mit Ihrer eigenen Firma, die Running Company, verbessern Sie das läuferische Können zahlreicher Teilnehmer. Gerade in Bezug auf die Marathonvorbereitung: Was ist am Wichtigsten? Die körperlichen Voraussetzungen, die mentale Stärke oder der Fleiß? 

B.M. / Es ist die Kombination. Die Basis ist natürlich die körperliche Fitness, aber die mentale Stärke ist ebenfalls essentiell. In fast jedem Marathon gibt es eine Krise, die man überwinden muss – hier ist es wichtig, mentale Stärke zu zeigen. Aber auch Disziplin spielt eine große Rolle, um die Marathonvorbereitung von 12 bis 15 Wochen durchzuziehen. In dieser Zeit trainiert man mindestens viermal die Woche und eine Trainingseinheit kann bis zu drei Stunden dauern. Die Freizeit ist also relativ überschaubar für einen Berufstätigen.  

L.L. / Manchmal hat man das Gefühl, Marathon wird zum Volkssport – sollte jeder im Leben einmal einen Marathon laufen? 

B.M. / Marathon ist schon ein Trendsport, momentan sieht man jedoch die größten Zuwachsraten auf der Halbmarathondistanz. Aber natürlich hat der Marathon durch seine Historie etwas Besonderes, fast etwas Mystisches. Und da man nicht so einfach 42,195 Kilometer laufen kann, hat der Marathon für viele Läufer einen ganz besonderen Reiz. Diesen besonderen Kick holen sich Menschen heutzutage auch bei anderen sportlichen Höchstleistungen – sei es beim Bergsteigen, Trailrunning oder Triathlon. Ich würde also sagen: Nicht jeder muss einen Marathon gelaufen sein, man kann auch ohne glücklich werden.

L.L. / Am 14. Oktober ist es wieder soweit: Der GENERALI MÜNCHEN MARATHON geht erneut über die Bühne. Was zeichnet die besondere Atmosphäre des Sportevents aus?

B.M. / München ist meine Heimat und deshalb stehen auch viele meiner Freunde an der Strecke. Generell bekomme ich von den Zuschauern und Fans sehr viel Zuspruch, das motiviert mich enorm. Natürlich kenne ich auch jede Ecke der Strecke, da ich den Marathon schon mehrere Male gelaufen bin. Der Lauf letztes Jahr hat mir besonders viel Spaß gemacht und ich habe ihn mehr wie einen Sightseeinglauf als ein Marathonrennen wahrgenommen. Ich hatte letztes Jahr auch den perfekten Tag und genügend Energiereserven, um mit Freunden am Straßenrand zu scherzen. Der GENERALI MÜNCHEN MARATHON war sicher das größte Highlight meiner bisherigen Läuferkarriere.

L.L. / An diesem Wochenende werden zahlreiche Läufer und Marathonfans in der bayerischen Landeshauptstadt erwartet. Welche drei Dinge sollte man neben dem Event unbedingt noch auf seiner To-do-Liste stehen haben?

B.M. / Toll ist der Olympiapark. Vom Olympiaturm hat man einen super Blick über die ganze Stadt. Vor allem kann man dieses Highlight wunderbar mit einem Besuch auf der Marathonmesse verbinden. Wenn schönes Wetter ist, empfehle ich unbedingt einen Besuch im Biergarten – die Münchner Biergärten sind einfach besonders schön. Beispielsweise die Waldwirtschaft in Pullach, etwas außerhalb, dafür aber nicht überfüllt oder der Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten; der liegt auch an der Marathonstrecke. Ich bin nicht nur begeisterte Läuferin, sondern auch großer Fußballfan, deshalb sollte man auch ein Heimspiel des FC Bayerns an diesem Wochenende nicht verpassen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. 

© Norbert Wilhelmi
© Norbert Wilhelmi

Wordrap mit Bianca Meyer

Montag nach dem GENERALI MÜNCHEN MARATHON... lege ich keine Termine. Entweder feiere ich weiter, erhole mich vom Feiern oder lecke meine Wunden. 

Mein Ziel 2018:Laufen und Spaß haben und hoffentlich wieder als Erste beim GENERALI MÜNCHEN MARATHON einlaufen, egal auf welcher Strecke. 

Diesen Abschnitt laufe ich beim GENERALI MÜNCHEN MARATHON besonders gerne:Das Stück zwischen dem Deutschen Museum und Odeonsplatz. 

Alle Stücke, an denen es bergauf geht, finde ich hingegen besonders anstrengend.

Das habe ich bei einem Lauf immer dabei:Ein Hörbuch.

Toastbrot mit Honig als Marathonfrühstück? Ja, habe ich auch schon gegessen. Wichtig ist etwas Leichtes, das den Magen vor dem Rennen nicht belastet. 

Galerie Bianca Meyer