Neue Wege beschreiten

Trailrunning rund um Garmisch-Partenkirchen

©Tom Schlegel

Schotter, Wiese, Matsch oder Felsen – völlig egal! Beim Trailrunning geht es nicht darum, den Untergrund zu definieren. Es geht um den Spaß beim Laufen und darum, die Natur bei jedem Schritt zu spüren. Das Gute: Die Trails – also die Pfade – findet man überall und Garmisch-Partenkirchen bietet für Runner optimale Möglichkeiten, sich so richtig auszupowern und den Kopf freizubekommen.

Keinen klaren Weg vor sich zu haben befreit den Kopf und hilft bei der Entspannung. Außerdem wird nicht nur die Ausdauer langfristig verbessert, sondern auch der ganze Bewegungsapparat geschult. Da jeder Untergrund anders ist, werden die Sinne geschärft und die Koordination und das Reaktionsvermögen verbessert. Beim Trailrunning wird der ganze Körper Schritt für Schritt trainiert. Und wer keine Lust hat, bergab zu laufen, der kann ganz bequem wieder mit den Bergbahnen ins Tal schweben. 

Salomon Zugspitz Ultratrail

Das größte und anspruchsvolle Trailrunevent Deutschlands fand im Juni 2018 erneut in der Zugspitzregion statt. 2.500 Teilnehmer aus über 50 Nationen haben sich rund um die Zugspitze bis in die Olympiadestination Grainau gekämpft. Je nach Trail werden bis zu 101 Kilometer und 5.480 Höhenmeter bewältigt – der Sieger 2018 schaffte dies in nur 11 Stunden, 16 Minuten und 3 Sekunden.

Salomon Zugspitz Ultratrail

Das einzige was bleibt, sind Fußabdrücke

Camilla Manley nahm den weiten Weg aus London auf sich um am 8. Salomon Zugspitz Ultratrail teilzunehmen. La Loupe erzählte sie von ihren Erfahrungen bei diesem besonderen Lauf.

„Immer mehr Menschen schnüren ihre Laufschuhe und verlassen das Haus, um zu laufen – aber nicht auf Beton oder am Laufband, sondern zum Trailrunning. Die Sportart gewinnt zunehmend an Popularität, vor allem unter Menschen, die einen Sport suchen, der sie zurück in die Natur bringt und eine Gelegenheit ist, der Stadt zu entfliehen. 

Ich habe vor etwas mehr als zwei Jahren mit dem Trailrunning begonnen, denn während der Vorbereitung für meinen ersten Halbmarathon wollte ich eben nicht nur auf Beton laufen. Ich lebe in einer unglaublich geschäftigen Stadt, mit all dem Druck der modernen Zeit, den ich liebe – aber hinauszugehen und auf Trails zu laufen verleiht mir ein Gefühl der Ausgeglichenheit und des Wohlbefindens. Es ist eine sehr achtsame Erfahrung, sogar holistisch; sie bietet mir den Raum und die Freiheit, mich körperlich zu fordern und gleichzeitig die wunderbare satte Natur zu genießen, die nicht nur meine körperliche Fitness, sondern auch mein geistiges Wohlbefinden verbessert. 

©Camilla Manley
©Camilla Manley

Die meisten meiner Trailläufe absolviere ich in Großbritannien, umgeben von wunderbarer Landschaft. Aber seit Kurzem zieht es mich für Rennen immer mehr in die majestätischen Alpen. Natürlich darf man die Herausforderung dieser atemberaubenden Berge nicht unterschätzen, aber die Belohnung ist eben auch unvergleichbar. Ich habe letztes Jahr den Cross du Mont-Blanc in Chamonix hinter mich gebracht und war dieses Jahr auf der Suche nach längeren Rennen, die mich noch mehr fordern.

Im Januar haben Freunde von mir den Zuspitze Ultratrail vorgeschlagen und ich habe die Gelegenheit, ein Rennen in einer der schönsten Ecken Deutschlands zu laufen, sofort ergriffen. Ich kannte ein paar Leute, die den Ultratrail schon einmal gelaufen waren, und ich wusste, es würde wunderschön, aber hart, sehr hart, werden. Wir haben in Garmisch-Partenkirchen übernachtet – was der perfekte alpine Schauplatz und natürlich die perfekte Basis für unser Abenteuer war.

Garmisch-Partenkirchen und die Zugspitzregion sind so schön und einfach der perfekte Ort für Deutschlands größtes Trailrunningevent. Im Rahmen des Zugspitz Ultratrails gibt es eigentlich fünf Rennen, die zwischen 24,9 und 101,9 Kilometer lang sind. Ich habe mich für den Basetrail XL angemeldet, also 39,4 Kilometer von Mittenwald zurück nach Grainau über die Alpspitze.  

Und so stand ich dann da, an der Startlinie, das Adrenalin lief durch meine Venen und bereitete mich auf die kommenden Stunden vor. Ich glaube, man kann sagen, dass ich sehr nervös war. Ich wusste nicht, ob ich mit den Anstiegen zurechtkommen würde, mit der Hitze, dem unterschiedlichen Untergrund und wie mein Körper damit umgehen würde. Aber dann kam der Startschuss und ich wusste, dass ich los musste und, dass mich meine Sorgen buchstäblich nirgendwo hinbringen würden. Also lief ich los, mit stetigem Tempo, raus aus dem hübschen Ort und hinein in die Berge, zusammen mit knapp 700 anderen Läufern. 

Das Rennen begann gut, ein paar Anstiege, aber hauptsächlich ging es vorwärts und ich fühlte mich stabil und fähig und ich habe früh begonnen, Kalorien für die zweite Hälfte zu mir zu nehmen, wo wesentlich stärkere Anstiege auf die Läufer gewartet haben. 

©Camilla Manley
©Camilla Manley

Die zweite Hälfte war anstrengend, sie begann mit einem Anstieg von mehr als 1.000 Höhenmetern über weniger als fünf Kilometer, also technisch gesehen ein vertikaler Kilometer, was ein eigenes Rennen an sich ist. Zu dem Zeitpunkt habe ich es bereut, meine Laufstöcke zuhause gelassen zu haben. Aber wir liefen weiter bergauf und hörten dabei das Jubeln der Menge, das uns zeigte, dass wir der Spitze immer näher kamen!

Dann ging es um den Alpspitzgipfel herum und vor mir lag ein Panorama von grünen Bergen, die sich bis zum Horizont erstreckten – die Ausblicke waren einfach nur magisch. Von der letzten Versorgungsstation am Gipfel der Alpspitze war es ein technischer Fünf-Kilometer-Abstieg nach Grainau. 

An der Ziellinie wurde ich dann mit Umarmungen und Jubel von einer wunderbaren Menge empfangen; und einer riesigen Schüssel Pasta und einer Maß Bier. Die bayerische Gastfreundschaft war fantastisch und das Event war perfekt organisiert, was das Ganze für uns Läufer entspannt machte und wodurch wir uns auf das tatsächliche Rennen konzentrieren konnten. Es war interessant, dass die Organisatoren betonten, dass wir die atemberaubenden Berge genießen und dabei nur „Fußabdrücke hinter uns lassen“ sollten – das heißt, die Trails waren unglaublich sauber und gepflegt. 

Dieses Rennen war definitiv eines meiner Highlights, durch die Umgebung an der Zugspitze, den herausfordernden Untergrund und die wunderbare Organisation war es eine Freude, daran teilzunehmen. Meine liebste Erinnerung ist jedoch die an eine Kuh, die auf die Rennstrecke gewandert war und mit jedem Läufer, der vorbeikam ein bisschen mitsprintete – die Kuh war ehrgeiziger als die meisten Läufer. 

©Camilla Manley
©Camilla Manley