Stylischer Ski, Marke Eigenbau

Interview mit Axel Forelle von build2ride

Kanten in Form biegen, Harz auftragen, Laminieren… Beim Ski-Bau in der build2ride-Werkstatt geht es auch für Laien richtig zur Sache. Frisch gebacken, extrem hochwertig und absolut einzigartig kommen die Sportgeräte vom heißen Ofen auf die kalte Piste. Mastermind und Gründer Axel Forelle philosophiert mit LA LOUPE über den Traum vom selbst gebauten Ski.

L.L.

Wie kommt man auf die Idee, professionell Skier zu bauen?

A.F.

Der Zufall spielte uns in die Hand. Ich war Projektbetreuer in einer Eventagentur. Eines Tages kam ein Kunde mit der Anfrage nach gebrandeten Skiern für sein Unternehmen auf mich zu. Gesagt, getan – der Ski war schnell designt. Auf den Geschmack gekommen, begannen wir zu tüfteln. Nach etwa 50 Paaren selbst gebauter Skier waren wir mit der Qualität des Produktes zufrieden. Wir gehen nun in die vierte Saison und bauen pro Jahr etwa 500 Paar Ski.

laloupe-build2ride-skiwerkstatt-garmisch-partenkirchen-magazin-bildergalerie01

L.L.

Eure Kunden bauen sich bei euch ihren eigenen Ski. Wie läuft ein build2ride-Seminar ab?

A.F.

Unsere Skibauanleiter führen den Kunden durch den Prozess. Nach einem ausführlichen Gespräch und der Bestellung des Rohmaterials nach Kundenwunsch geht es ans Eingemachte. Der Kunde kommt dann für eineinhalb Tage zu uns. Als erstes werden die Kanten in die richtige Form gebogen und angeklebt. Es folgt der Laminier-Vorgang. Nachdem das Harz auf den Belag aufgetragen wurde, werden die einzelnen Materialschichten im Sandwichverfahren zusammen geklebt. Nach zwölf Stunden im Ofen wird der Ski am zweiten Seminartag mit der Stichsäge ausgeschnitten. Und voilà: schon hat man sein ganz individuelles Wintersportgerät.

laloupe-build2ride-skiwerkstatt-garmisch-partenkirchen-magazin-bildergalerie02

L.L.

Ist die Qualität vergleichbar mit dem Material bekannter Marken?

A.F.

Wir sind zu klein, um überhaupt qualitativ minderwertige Ski herstellen zu können. Aufgrund der Mindestabnahmemengen vieler Produzenten können wir nur Rennkanten und -beläge beziehen und benötigen dafür eigens für uns hergestellte Holzkerne. Spezielle Belagfarben müssen wir gemeinsam mit anderen Custom-Anbietern kaufen. Die Mindestmenge wäre hier zum Beispiel 2 km, das entspricht 500 Paaren Ski in einer Farbe. Auch die Sandwichmethode, nach der wir vorgehen, spricht für Qualität. Durch die unterschiedlichen Gewebearten die mit verschiedenen Hölzern verbunden werden, sind unsere Ski extrem hochwertig.

L.L.

Hat man die Wahl zwischen unterschiedlichen Skitypen?

A.F.

Ja, jeder Kunde schätzt sich selber ein. Da gibt es den passionierten Skifahrer, der wirklich alle Skivarianten probiert und aufs Kleinste ausgelotet hat. Der ganz genau weiß, was er will. Andere beschreiben eher, wie ihr Skitag abläuft und wir finden durch unseren Fragenkatalog gemeinsam das richtige Modell für ihn. Insgesamt bieten wir neun standardisierte Produkte mit flexibel wählbaren Elementen.

L.L.

Wie würdest du euren typischen Kunden beschreiben?

A.F.

Unsere ersten Kunden waren Profis aus der Skiszene. Dann kamen die Tüftler und brachten viele Vorkenntnisse über einzelne Werkstoffe mit. Mittlerweile kommen sehr viele Breitensportler zu uns. Die Motive sind unterschiedlich. Der Wunsch nach individuellem Design, Interesse am Herstellungsvorgang, das „Was-erleben-wollen“ oder die Suche nach einer coolen Geschenkidee führt die Leute zu uns. Unser Seminar ist so strukturiert, dass unsere Trainer jeden Vorgang begleiten und helfen. Es sind keine Vorkenntnisse oder besonderes handwerkliches Geschick notwendig, um an den Kursen teilnehmen zu können.

L.L.

Woher kommen eure Trainer? Benötigt man dafür eine spezielle Ausbildung?

A.F.

Früher war das Skibauen ein Ausbildungsberuf. Heute gibt es das nicht mehr. Wir haben unser Handwerk durch endloses Testen perfektioniert. Bei uns muss jeder Skibauanleiter alle Abläufe bis ins Detail kennen. Wir beschäftigen auch versierte Praktikanten, die den Job bei uns mit wissenschaftlichen Arbeiten verbinden. Viele kommen von den großen Fachhochschulen für Sportgerätetechnik aus Wien und Chemnitz.

L.L.

Kann man bei den Skiern von Trends in Sachen Optik sprechen? Was ist diesbezüglich alles möglich?

A.F.

Die Designwünsche der Hobby-Skibauer sind vielfältig. Meist werden aber ausgedruckte Motive oder komplette Designs mitgebracht und eingearbeitet. Grundsätzlich ist vieles möglich. Wir haben schon Suppennudeln und Vorhangstoffe eingebaut. Mittlerweile sind die Kunden aber weniger experimentierfreudig und legen mehr Wert auf hochwertiges, edles Design. Ein aktueller Trend sind gelaserte Reliefs aus verschiedenen Furnieren. Oder man lässt sich die selbst geschossenen Fotos vom Heliksiing in Kanada von unserem Grafiker auf Gewebe drucken, das dann einlaminiert wird. Natürlich kann man auch Spitzenstoffe, etc. einarbeiten. Die preislichen Spannen sind da naturgemäß je nach Style ganz unterschiedlich.

L.L.

Gibt es euer Angebot auch für andere Sportgeräte?

A.F.

Unsere Kunden haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass unser Konzept des Selberherstellens- und Erlebens auch ein interessanter Baustein für andere Sportgeräte sein könnte. Wir starten nun mit dem Fahrrad. Hier liegt der Fokus klar auf der Beratung. Das Bike wird ganz genau auf die Maße des Kunden angepasst. Wenn alles vorbereitet ist, wird das Ganze gemeinsam mit unseren Mechanikern zusammen gebaut und lackiert. Ganz nebenbei gibt es interessante Infos zur Technik. Die Nachfrage im süddeutschen Raum wächst. Dabei sprechen wir nicht nur den lässigen Individualisten an, sondern auch Menschen, die auf der Suche nach Sondergrößen sind.

laloupe-build2ride-skiwerkstatt-garmisch-partenkirchen-magazin-bildergalerie03

L.L.

Wie lange im Vorfeld soll man sich generell für eure Workshops anmelden?

A.F.

Wir sind bereits jetzt ausgebucht für die Monate Oktober und November. Als Einzelperson hat man oft noch kurzfristig die Möglichkeit, irgendwo reinzuschlüpfen. Man sollte sich aber bei Interesse so früh als möglich mit uns in Verbindung setzen. Pro Workshop nehmen wir maximal zehn Teilnehmer. Übrigens: Im Sommer vergrößern wir. Da gibt’s dann verschiedene Shows, was zum Herzeigen und noch mehr Beratung.

Skibauen

Mit den Skibuilding-Workshops von build 2 ride beginnt das Skierlebnis noch vor dem Fahren. Individuell auf Fahrertyp und Vorlieben und mit frei wählbarem Design ist im 2-Tage-Design-Seminar folgendes enthalten: Persönliche Vorgespräche, 2 Tage Ski-, Snowboard- oder Splitboardbau unter professioneller und individueller Anleitung, alle Materialien, individuell gefertigter Holzkern (separate Kursangebote für Gruppenseminare und Incentives ab sechs Personen).