„Es ist meine Heimat!“

Interview mit Felix Neureuther

Der bekannte Skirennläufer Felix Neureuther lebt seit seiner Geburt in Garmisch-Partenkirchen. Hier hat er Skifahren gelernt, hier liegt seine Lieblingspiste im Ski-Weltcup, hier liebt er die Ruhe zum Krafttanken und die einzigartige landschaftliche Schönheit. Im Interview mit La Loupe spricht Felix über seine erfolgreiche Karriere und sein Leben zwischen internationalem Rennsport und Entspannung zu Hause.

Felix Neureuther, Foto von Christian Neureuther
Felix Neureuther, Foto von Christian Neureuther

L.L.

Von den Kinder-Skiclubmeisterschaften bis zur WM-Medaille: Was war der emotionalste Erfolg in deiner Karriere bisher? (Anmerkung der Red.: Sein Vater Christian Neureuther hat 1979 den Slalom in Kitzbühel gewonnen)

F.N.

Der erste Sieg in Kitzbühel wegen meinem Vater und die Silbermedaille in Schladming wegen der Kulisse und dem speziellen Duell mit Marcel Hirscher.

L.L.

Du hast eine tolle Saison, u.a. mit WM-Silber und -Bronze, hinter dir. Was sind deine sportlichen Ziele für den Winter 2013/14?

F.N.

Mein Ziel ist es, mich weiter zu verbessern und meine Grenzen noch weiter hinauszuschieben. Alles andere nehme ich, wie es kommt.

L.L.

Du bist ein ausgewiesener Slalom- und Riesenslalom-Spezialist. Reizen dich auch die Speed-Disziplinen?

F.N.

Mein Kindheitstraum war und ist immer noch, einmal die Streif, also die Abfahrt in Kitzbühel, im Renntempo zu fahren. Von der Emotion und meiner inneren Einstellung her liebe ich Speedrennen, leider „darf“ ich sie nicht bestreiten, da das für meinen Slalom einfach „schädlich“ wäre. Zudem schleppe ich schon viele alte Verletzungen mit mir herum, die diese gefährliche und extrem belastende Disziplin nicht mehr zulassen.

L.L.

Entstehen im internationalen Rennzirkus auch echte Freundschaften mit den anderen Weltcup-Läufern oder herrscht da Konkurrenzdenken vor?

F.N.

Wir Slalom-Fahrer haben auch international ein sehr enges Freundschaftsverhältnis. Wir helfen uns untereinander, wann immer wir uns brauchen. Im Rennen geht es dann trotzdem darum möglichst zu gewinnen, aber nur mit sportlichen Mitteln. Dem Gewinner gratulieren wir dann mit ehrlichem Respekt. Ich glaube, dass gerade dieser gelebte Geist unsere Szene so einzigartig macht. Egal ob Marcel Hirscher, Ted Ligety oder Julien Lizeroux, wir freuen uns über jede Gemeinsamkeit und über Erlebnisse auch abseits der Skipisten.

L.L.

Hast du eine Lieblingspiste im alpinen Ski-Weltcup?

F.N.

Eindeutig der „heimische Gudiberg“, er ist mein Heimathang, auf dem ich das Skifahren gelernt habe und zusätzlich einer der anspruchsvollsten überhaupt. Ich würde mir nichts mehr wünschen, als auf ihm wieder Weltcup-Rennen fahren zu dürfen.

L.L.

Und welche Piste in Garmisch-Partenkirchen fährst du am liebsten?

F.N.

Natürlich die Kandahar! Vom Kreuzjoch hinunter über die Kramersprünge und den „Free Fall“ ins Tal, das ist ein einzig-artiger Genuss, den nur wenige Skiregionen bieten können.

L.L.

In Garmisch-Partenkirchen finden immer wieder Weltcup-Rennen und Groß-Events statt. Ist man bei Heimrennen eigentlich besonders nervös?

F.N.

Natürlich redet man sich vorher ein, dass es ein Rennen wie jedes andere ist. Aber das macht man nur, um sich von der besonderen Aufgabe abzulenken. Die Medien machen einem zusätzlich klar, dass so ein Heimrennen im besonderen Fokus steht. Spätestens bei der Besichtigung, wenn dir alle Freunde und Bekannten zurufen, dann weiß man schon um die Bedeutung. Trotzdem darf man sich nicht verrückt machen lassen, sondern sich nur auf das Abrufen der eigenen Leistung konzentrieren.

L.L.

Wie sieht denn eigentlich dein Trainingsprogramm im Sommer aus?

F.N.

Alpiner Rennsport heißt reisen. Schon als Kind und Schüler ist man immer darauf angewiesen, dem Schnee „nachzulaufen“. Wir trainieren ja das ganze Jahr über und müssen uns überall auf der Erde Plätze fürs Schneetraining suchen. Das ist extrem reise- und zeitaufwendig. Gerade für Nachwuchsfahrer, die noch in die Schule gehen, bedeutet die Problematik, Schule und Sport miteinander zu verbinden, die größte Belastung. Man kann eigentlich sagen, dass ein alpiner Skirennfahrer ganzjährig durchtrainieren muss, um mithalten zu können. Selbst direkt nach einer langen Weltcupsaison stehen sofort Materialtests an. Nach einer kurzen Pause von ein bis zwei Wochen warten dann schon wieder die Konditionseinheiten. Skisport ist sehr komplex, neben Ausdauer und Krafttraining geht es ebenso um koordinative Höchstanforderungen, die speziell trainiert werden müssen.

L.L.

Stichwort „Felix Neureuther Ski Academy“: Worauf legt ihr in den Kursen Wert?

F.N.

Es geht um unsere speziellen Trainingsinhalte „Ski4Life“, ein ganzheitliches Trainingsprogramm, das nicht nur die Bewegungskoordination fördert, sondern auch die Wahrnehmung. Dabei werden spezielle koordinative Übungen in das Kinderprogramm integriert. Solche Übungsformen gehören inzwischen bei allen anspruchsvollen Sportarten zum festen Trainingsprogramm. Wir setzen es ziel- und altersgerecht auch bei den Kindern ein. Selbstverständlich ist für uns, dass wir in kleinen Gruppen üben, denn nur dadurch ist ein schneller Lernerfolg möglich.

L.L.

Kann man in dieser Skischule auch bei dir persönlich Ski-fahren lernen?

F.N.

Jeder weiß, dass ich neben den Weltcuprennen keine Zeit habe, noch zusätzlich Skikurse zu geben. Seit fünf Jahren gibt es aber im April ein spezielles Racing Camp, bei dem ich drei Tage lang mit Kindern trainiere. Aus diesen Erfahrungen kann ich viel in das Kinderprogramm übertragen.

L.L.

Was liebst du an Garmisch-Partenkirchen besonders?

F.N.

Hier bin ich geboren, hier ist meine Heimat, hier leben meine Familie und meine Freunde. Mein Freundeskreis ist mir extrem wichtig, da kann ich mir die Kraft und die Normalität holen, um wieder anstrengende Rennen zu fahren. Außerdem liebe ich unsere bayerische Kultur und die einzigartige Landschaft. Am besten entspanne ich bei einem gemütlichen Abendessen mit der Familie oder mit meinen Freunden.

L.L.

Verrätst du uns ein, zwei besonders schöne Plätzchen in oder rund um Garmisch-Partenkirchen?

F.N.

Der Geroldsee gehört landschaftlich zum Schönsten, was ich kenne. Wamberg ist einzigartig und wie ein wertvolles Überbleibsel aus einer wunderbaren Zeit. Bei uns kann man überall neue Schönheiten entdecken, man muss nur den Mut haben, sich vom „Mainstream“ wegzubewegen. Keine 50 Meter neben einem viel belaufenen Weg kann man einzigartige Naturerlebnisse bekommen.

L.L.

Und wo macht ein leidenschaftlicher Wintersportler am liebsten Urlaub?

F.N.

Am liebsten ganz ohne Termine und Programm zu Hause. Ich bin so selten hier im Werdenfelser Land, da genieße ich einfach die Ruhe, die Freunde und meine eigenen vier Wände.

L.L.

Hast du noch einen Insidertipp für Urlaubsgäste in Garmisch-Partenkirchen?

F.N.

Wo sollte ich da anfangen? Die Palette ist riesig und es gibt keine andere Region mit derartig vielen Möglichkeiten. Ich kann nur allen empfehlen, neugierig zu sein und auch mal neben den großen Sehenswürdigkeiten Welten zu entdecken, die viel spannender sind als irgendwo mit 100 anderen Menschen in der Reihe zu stehen.

L.L.

Im März 2014 feierst du deinen 30. Geburtstag. Gibt’s Pläne für eine große Party?

F.N.

Das wusste ich noch gar nicht!