Den Sport im Blick

Im Gespräch mit Alpenoptiker Bernd Willer

Beim Betreten des Alpenoptikers wird man von einer muhenden Kuh mit Glocke begrüßt. Bernd Willer wollte keine klassische Ladenglocke - er möchte den Kunden ein Lächeln entlocken. In nur dreieinhalb Jahren ist das stylische Geschäft in Garmisch-Partenkirchen zur Institution geworden. Einheimische und Gäste lassen sich hier gerne vom Optikermeister und seinem kompetenten Team beraten. Sein Steckenpferd: Die Sportoptik. Mit La Loupe hat Bernd Willer über die Wichtigkeit des regionalen Einzelhandels gesprochen und erklärt, warum die Sportbrille längst in den Alltag gehören sollte.

L.L. / Herr Willer, Sie haben sich auf den Bereich Sportoptik spezialisiert. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von der eines „herkömmlichen“ Optikers?

B.W. / Uns ist es wichtig, dass wir das Gespräch persönlich und ganz individuell auf den Kunden zuschneiden. Die Sportoptik ist etwas, bei dem wir seit Jahren mit Leidenschaft dabei sind. Wir treiben selbst Sport und haben festgestellt, dass es da noch viel Potential gibt. Vielen Kunden ist nicht bewusst, dass sie im Sport eine andere Brille tragen sollten als im Alltag. Jeder hat Sportschuhe und Skijacken – bei der Brille soll es dann aber eine für alle Sportarten sein. Wir versuchen durch ganz individuelle Analyse der Hobbies und des Alltags des Kunden herauszufinden, welche Brille er benötigt. 

Bernd Willer
Bernd Willer

L.L. / Sie beraten Ihre Kunden gerne persönlich, was kann bei einer unfachmännischen Beratung alles „ins Auge gehen“?

B.W. / Uns geht es darum, dass wir dem Kunden durch fundierte Beratung das richtige Produkt verkaufen. Wir wollen keine „billigen“ Aktionen anbieten, die dann eventuell gar nicht passend für den Kunden sind. Wir bewerten die Informationen, die wir bekommen und machen dann das Angebot.

L.L. / Die Brille bzw. Sehschwäche sollte kein Hindernis darstellen. Bei welchen Sportarten ist es besonders wichtig auf eine Sportversion umzusteigen?

B.W. / Bei jedem Sport ist es wichtig, auf die geeignete Brille zu achten. Für jede Sportart gibt es ganz eigene Modelle. Die Brille sollte sozusagen zur jeweiligen Sportausrüstung gehören.

Bei manchen Sportarten ist es nicht möglich, seine Alltagsbrille zu tragen, beispielsweise im Kampfsport. Trotzdem muss man die Optik perfekt korrigieren. Dazu eignen sich dann sehr gut Kontaktlinsen, häufig sind das Tageskontaktlinsen. Eine Sportbrille muss immer ergänzend dazu getragen werden, wenn es um den Schutzaspekt geht. Wichtige Themen sind zum Beispiel UV- und Insektenschutz.

L.L. / Braucht man für jede Sportart eine eigene Brille oder gibt es auch universelle Modelle für verschiedene Bedürfnisse?

B.W. / Wenn ein Kunde intensiv Sport treibt und leidenschaftlich bei der Sache ist, dann müsste man konsequenterweise sagen, dass man eine spezielle Brille für diese Sportart benötigt. Eine Skibrille und eine Radbrille – das sind beispielsweise zwei völlig unterschiedliche Produkte. Für Freizeitsportler gibt es aber schon die Möglichkeit, manche Sportarten mit einer Brille unter den Hut zu bringen. Das funktioniert aber nicht immer. Die eierlegende Wollmilchsau können wir nicht anbieten, das kann kein Optiker. In dieser Hinsicht versuchen wir den Kunden aufzuklären und ihm Lösungen vorzuschlagen. Es geht ja auch niemand mit Skischuhen joggen. 

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L.L. / Wie reagieren die Kunden darauf?

B.W. / Wir bekommen viele positive Rückmeldungen. Für viele ist das ein richtiges Aha-Erlebnis. Besonders wichtig ist uns die persönliche Informationssammlung und wir machen daraus ein Sehprofil. So versuchen wir die individuellen Bedürfnisse zu erfüllen.

L.L. / Was sind die Besonderheiten des Materials der Sportbrillen?

B.W. / Es werden immer Materialien aus innovativen Kunststoffbereichen benutzt - hauptsächlich wegen der Leichtigkeit und der Bruchsicherheit. Im Winter ist beispielsweise eine Kunststoffbrille viel angenehmer zu tragen, als eine Metallbrille, die unter Umständen einfrieren könnte.

L.L. / `Unbreakable` Modelle gibt es mit und ohne Sehstärke – was muss eine Sportbrille können?

B.W. / Leichtigkeit, Bruchsicherheit und Wind- und Wetterschutz sind natürlich wichtige Faktoren. Ein großes Sichtfeld und ein bequemer, freier Sitz sind ebenfalls von großer Bedeutung.  Außerdem muss der Schutz der Augen- und Kopfpartie gewährleistet sein.

L.L. / Wie gefährlich sind Versionen wie Brille und Skibrille darüber?

B.W. / Das ist eigentlich ein Wahnsinn. Diese Kombinationen sind nicht geeignet, denn die Alltagsbrille hat nichts im Sport verloren. Sie erhöht die Verletzungsgefahr, viele Materialien sind ungeeignet und das Sichtfeld ist oftmals zu klein.

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L.L. / Warum ist es Ihnen so wichtig, dass der Großteil der Brillen und der Produkte aus dem Alpenraum kommt?

B.W. / Wir sind ein regionaler Fach-Einzelhandel. Wir leben hier und haben hier unsere Existenz. Und deshalb machen wir uns natürlich auch Gedanken über zukünftige Generationen. Wenn keiner mehr in der Region kauft, dann stirbt der Einzelhandel. Wir wollen, dass die Wertschöpfung in der Gegend bleibt und genau aus diesem Grund beziehen wir unsere Produkte aus der Region. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass man die Leute kennt, mit denen man zusammenarbeitet. Außerdem wissen wir mehr über die Bedürfnisse der Region. Aus diesem Grund versuchen wir als Optiker zunächst hier in der Region einzukaufen – erst, wenn ich das Produkt nicht hier bekomme, gehe ich weiter weg. Das wünsche ich mir natürlich auch von den Kunden. Wir sind auch in dieser Hinsicht in regionalen Initiativen um den lokalen Einzelhandel zu stärken, denn mit jedem Kauf treffe ich auch eine Entscheidung für die Region. 

Auch wir als Alpenoptiker lassen wieder Geld in regionalen Strukturen und unterstützen durch Sponsorings Vereine und Kulturinitiativen. Und das möchten wir auch vorleben, auch in Bezug auf den Ladenbau und den Warenbezug. Immer mehr Menschen machen sich heutzutage Gedanken über die Konsequenzen, wenn man nur noch günstige Produkte kauft. Das ist eine gute Entwicklung.

Wenn hundert Personen an meinem Geschäft vorbeilaufen und dreißig fühlen sich mit meinem Konzept wohl, dann habe ich etwas richtig gemacht. Natürlich können wir nicht alle Menschen erreichen, aber es ist unser Anspruch, alle Kunden, die den Laden betreten zufriedenzustellen. 

L.L. / Die Optik – sprich das Modell – sollte auch stimmen. Wie groß ist die Auswahl und welche Trends erwarten uns?

B.W. / Im Gegensatz zu früher wird heutzutage im Idealfall Design mit Funktionalität verbunden. Die Farben, die in der Sportmode eine Rolle spielen, finden sich natürlich auch wieder in den Sportbrillen. Die Materialen werden immer leichter, bruchunempfindlicher und bequemer.

Bei den „normalen“ Brillen ist das Thema Natur, gerade auch wegen des regionalen Bezugs, immer wichtiger. Holzbrillen sind hier ein großer Trend. Im Bereich der Materialen wird viel in Richtung Natur gearbeitet. Das wir vor allem bei den Maserungen und Mattierungen der Oberflächen deutlich. Man spielt mit den Materialien und den Farben. Leichtigkeit spiel auch eine große Rolle.

Es gibt natürlich auch zeitlose Trends: Darunter fallen beispielsweise Brillen, die das Aussehen des Trägers nicht so stark verändern.

L.L. / Praktisch und modisch. Geht das?

B.W. / Mittlerweile geht das ganz gut. In dieser Hinsicht spielt die Farbe natürlich eine große Rolle. Viele Sportler sind Ästheten und möchten, dass die Brille zum restlichen Sportoutfit passt. Es gibt natürlich auch Kunden, die sich eine Brille wünschen, die zu allem passt. Dann geht man eher in die klassische Richtung. Viele Funktionalitäten kommen aus dem Sport und haben dort ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Ihre Vorteile versucht man nun auf den Alltag zu übertragen. Eine Sportbrille kann man immer tragen, umgekehrt ist das jedoch nicht möglich. 

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L.L. / Wie pflege oder schütze ich eine Sportbrille und darf ich sie einfach so in die Jackentasche stecken?

B.W. / Eine gute Sportbrille muss ich nicht in die Jackentasche stecken, denn ich habe sie ja auf der Nase. Vor Druck und Kratzern ist sie sonst am besten in einer Hardbox geschützt. Es gibt auch Microfaser-Beutelchen, die man gleichzeitig zum Reinigen verwenden kann. Das bewahrt die Brille aber nicht vor Bruch.

Zur Pflege: Man sollte die Brille nach dem Sport säubern. Dazu kann man Sprays oder Wasser verwenden und sie mit einem Microfasertuch abwischen, damit Staub, Sand und Schweißkristalle nicht das Glas kaputt reiben. Das Mountainbike reinigt man schließlich auch nach einer Tour. Warum sollte dann die Brille in die Ecke gepfeffert werden? Man sollte sich in dieser Hinsicht mal die Frage stellen: Wie pflege ich meine anderen Sportgeräte und was mache ich mit meiner Brille?

Wenn die Brille verkratzt ist oder Teile kaputt sind, kann man gerne bei uns vorbeikommen. Wir bieten durch die Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, einen gewissen Service an. Einen Bügel kann ich nachbestellen. Das geht aber nur bei einer wertigen Ware und bei einer Firma, die sich um solche Angelegenheiten kümmert. Möglich ist das nur, wenn Kollektionen auch nicht rasend schnell ausgetauscht werden.

L.L. / Wie schädlich sind Kratzer für die Sonnenbrille bzw. Sportbrille?

B.W. / Der UV-Schutz bleibt, zumindest bei hochwertigen Brillen, vorhanden. Die Sicherheit und die optische Qualität sind aber durch Kratzer nicht mehr gegeben. Außerdem spiegelt sich die Sonne anders in einem defekten Glas, es entstehen Streueffekte.

Oftmals höre ich: „Wie kann ein Kratzer auf meiner Sportbrille sein?“ Darauf entgegne ich dann nur: „Dieser Kratzer wäre ohne Brille auf Ihren Augen.“ Die Brille hat also genau erfüllt, was sie erfüllen soll: Sie schützt.

Außerdem benötigen auch Kinder den geeigneten Sonnenschutz für die Augen. Eigentlich sollte man so früh wie möglich damit anfangen. Das Babies und Kleinkinder noch keinen UV-Schutz benötigen, ist leider immer noch eine verbreitete Fehlmeinung!

„Das Thema „Wohlfühlen“ stand eigentlich über allem, das ist natürlich auch eigene Leidenschaft. Ich fühle mich wohl in der Region; ich bin hier geboren, aufgewachsen und war hier im Sportverein.“

L.L. / Ihr Geschäft bildet mit einzigartigem Design eine „optische Auszeit“ mitten im Zentrum von Garmisch. Eine Anspielung an die umliegende Natur? 

B.W. / Das Thema „Wohlfühlen“ stand eigentlich über allem, das ist natürlich auch eigene Leidenschaft. Ich fühle mich wohl in der Region; ich bin hier geboren, aufgewachsen und war hier im Sportverein. Die Natur spielt eine große Rolle. Die Steine im Geschäft erinnern an die umliegenden Berge, da ich sehr gerne wandere. Ich bin häufig im Wald unterwegs, arbeite gerne mit Holz. Das hatte natürlich auch einen Einfluss auf die Gestaltung des Ladens. Aus all dem ist dann die Idee des Alpenoptikers entstanden und wir versuchen, wirklich die Region in das Geschäft zu integrieren. Wir hatten die einmalige Chance mit einer ortsansässigen Fachakademie für Raum- und Objektdesign zusammenzuarbeiten. Studenten haben als Abschlussarbeit unseren Laden als Idee entwickelt. So hat es angefangen. Wir haben gemeinsam philosophiert und gemeinsame Gespräche geführt. Über einen Wettbewerb wurden verschiedene Ideen eingereicht und wir haben dann den Vorschlag 1:1 realisiert. Die Studenten waren für die Projektentwicklung zuständig und heimische Handwerker setzten es um. Wir haben dann natürlich versucht, die Region in das Konzept zu integrieren – vor allem durch Lärchenholz und Naturstein. Auch die Wandgestaltung ist typisch für die Region. Wir haben einen Filzboden und Filzstühle und verwenden Auflage-Tabletts aus Hirschleder –  ein Material, das man von Lederhosen kennt. Auch der gezunderte Stahl und die Griffleisten haben einen regionalen Bezug. Nicht jodlerisch, nicht kitschig – sondern modern. Deshalb auch die geraden Linien. Wir sind immer noch ein Optiker: Hier geht es um Präzision, klare Aussagen und gutes Sehen. Deshalb brauchen wir auch diese klaren Linien. 

Das Geschäft sollte sich natürlich auch abheben. So etwas in dieser Art hat es zuvor noch nicht gegeben. Wir hatten auch das Glück, dass wir durch das ungewöhnliche Ladenkonzept auch über die Region hinaus bekannt wurden. Fachzeitschriften aus dem Bereich Innendesign haben bundesweit über uns berichtet. Das hat uns natürlich auch darin bestätigt, dass wir in die richtige Richtung gehen.

Wir üben den Beruf des Alpenoptiker mit Leidenschaft aus. Deshalb muss der Beruf auch Spaß machen, auch in der Umgebung, in der wir uns wohlfühlen. Das klingt vielleicht etwas pathetisch, aber wir sind in der „Heimat des Sehens“ angekommen, wo wir von unserer Berufsauffassung und Philosophie hinwollten. Natürlich gehören da auch das Ambiente, die Atmosphäre und die Mitarbeiter dazu. Man verbringt so viel Zeit bei der Arbeit, da muss man sich 100% wohlfühlen. Das spricht auch viele Kunden an: Viele kommen gerne in den Laden rein, manchmal auch nur für einen Plausch. Es geht um eine Wohlfühlatmosphäre und eine Vertrauensbasis. Durch die Sportoptik müssen wir oft genauer nachfragen, oder kommen durch Kontaktlinsenanpassungen dem Kunden auch sehr nahe. Da ist das natürlich schon wichtig.

L.L. / Sport zählt auch zu Ihren Leidenschaften, welche Sportarten üben Sie aus?

B.W. / Ich bin ein Allrounder: Skifahren und Bergsport natürlich. Ich fahre leidenschaftlich gerne Rad, in allen möglichen Variationen. Im Sommer bin ich mit dem Mountainbike und dem Rennrad unterwegs. Ich habe zwei Kinder und eine Frau, die sehr gerne Sport treiben. Die begleite ich natürlich.  Ich mache gerne Skitouren, Skialpin und Skilanglauf. Klettern, nicht zu vergessen. Leider habe ich nicht mehr so viel Zeit, all die Sportarten regelmäßig auszuüben. Mir geht es dabei hauptsächlich um den Spaß und die Zeit, die ich draußen in der Natur verbringe.

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L.L. / Tragen Sie dabei eine Brille oder Kontaktlinsen?

B.W. / Ich trage im Alltag und im Geschäft eine Gleitsicht- und eine Computerbrille. Im Sport gibt es aber auch die ein oder andere Situation, in der ich kombinierte Kontaktlinsen für den Fern- und Nahbereich trage. Obwohl ich die für den Fernbereich eigentlich nicht brauche. Aber ich möchte einfach gerne meinen Fahrrad-Tacho oder die Speisekarte beim Einkehren sehen. Darüber hinaus trage ich auch in meiner Freizeit leidenschaftlich gerne Sportbrillen. Die teste ich natürlich auch aus Neugier und um die eigenen Erfahrungen direkt an meine Kunden weiterzugeben. Durch meine Schulungstätigkeiten in der Sportoptik habe ich auch immer wieder die Möglichkeit über den Test von Prototypen Einfluss auf Produktentwicklungen bekannter Hersteller zu nehmen. Viele in der Region sprechen mich auch an und fragen dann im Skilift, welche Brille ich gerade trage. 

Wordrap

Ich suche eine Brille...ich suche keine Brille, weil ich sie auf der Nase habe.

Kunden, die ihre Brille im Internet kaufen und bei uns einstellen lassen...versuche ich zu überzeugen das nächste Mal regional zu kaufen.  

Kunststoff oder Holz? Holz.

Brillenträger sind...mittlerweile sehr modisch orientiert und keine Brillenschlangen mehr.

15-20 Brillen...habe ich privat.

Infobox

Bernd Willer ist Augenoptikermeister und staatlich geprüfter Augenoptiker. Er trägt den Meisterpreis der bayrischen Staatsregierung und hat schon früh seine Leidenschaft für den Beruf des Optikers entdeckt. In seiner Freizeit ist Bernd Willer gemeinsam mit seiner Familie auf den Pisten und den Mountainbike-Trails unterwegs. Seine Liebe zum Sport lebt er auch als Alpenoptiker: Dort hat er sich auf Sportoptik spezialisiert.