10 Jahre „Musik im Park“ – 10 Jahre Leidenschaft zur Tradition

„Musik im Park“-Initiator Eduard Schönach im Interview mit La Loupe

Seit 1930 wird der Michael-Ende-Kurpark in Garmisch-Partenkirchen mit Livemusik bespielt. Früher brachte das Kurorchester Einheimische und Gäste sogar das ganze Jahr über täglich in den Genuss fabelhafter Stücke. Mit „Musik im Park“ knüpft der Initiator Eduard Schönach an diese Tradition an. Seit über 10 Jahren lädt der künstlerische Leiter Musiker aus Nah und Fern in den Zugspitzort ein und stellt ein buntes Programm aus ganz unterschiedlichen Musikstilen zusammen. Eduard Schönach erinnert sich mit La Loupe an die Anfänge des Events und gibt Einblicke in die monatelange Planung. 

L.L. / „Musik im Park“ feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Erinnern Sie sich noch an den ersten Sommer? Wie hat alles angefangen?

E.S. / Ich kann mich sehr gut erinnern. Vor 10 Jahren war es noch nicht geplant, dass ich die Veranstaltung übernehme. Ich habe in Grainau das Blasmusikorchester geleitet, als die Stelle bei „Musik im Park“ ausgeschrieben wurde. Kollegen haben mir dann vorgeschlagen, mich für diesen Job zu bewerben. Ich sah es als Sprungbrett, um eine andere Art von Musik zu machen. Daraufhin habe ich den Zuschlag bekommen und die Leitung der Veranstaltung übernommen. Es war ein heißer Start, denn terminlich war alles sehr spät. Es hat fast bis März gedauert, bis alles unter Dach und Fach war. Ab Mai begann die Saison und ich konnte das Notenmaterial nicht vom Vorgänger übernehmen. Für mich war es also fast ein Start bei null. Die Nächte waren kurz, bis alles spielbereit war. Im Endeffekt hat aber alles gut funktioniert und die Besucher haben die Veranstaltungsreihe sehr gut angenommen.

Eduard Schönach
Eduard Schönach

L.L. / Als künstlerischer Leiter haben Sie alle bisherigen Events rund um „Musik im Park“ organisiert und betreut. Was hat sich bis heute verändert?

E.S. / Das Orchester und die Big Band sind musikalisch gewachsen, auch die Qualität hat sich verbessert. Die Musiker sind durch die Erfahrung professioneller geworden und die Auswahl an Notenmaterial ist mittlerweile sehr groß. Auch die Stilistik hat sich verändert: Wir haben immer wieder neue Formate geschaffen und die Spielorte variiert. Das führte in den vergangenen Jahren zu vielen positiven Rückmeldungen. Wir spielen heute nicht nur Klassik, wie früher, sondern haben im Orchester auch Raum für moderne Stücke im Stil von Max Raabe. Eigentlich ist für jeden Geschmack etwas dabei: Vom Big-Band-Sound über traditionelle Blasmusik bis hin zur Klassik. Bei den Afterwork-Partys haben wir neben rockiger Musik, die vor allem junge Menschen anspricht, auch Jazz und Soul.

L.L. / Das diesjährige „Musik im Park“ ist ein Jubiläum, das mit dem „Musik im Park Spezial“ gefeiert wird. Welche Besonderheiten erwarten uns an diesem Wochenende?

E.S. / Am 15. Juli findet das 3. Kathreiner Oberrkainer Festival statt. Die Alpenoberkrainer, die 50-jähriges Jubiläum haben, und die Mosskirchener und Kathreiner, die beide 40-jähriges Jubiläum feiern, werden zu Gast sein. Die Veranstaltung wird vom Publikum sehr gut angenommen, weil unter ihnen sehr viele Oberkrainer-Fans sind. Samstag gibt’s Volksmusik unter dem Motto „Junge Volksmusikanten im Park“. Dieses Event ist ein wichtiger Bestandteil und erfreut sich auch bei der jüngeren Generation einer immer größeren Beliebtheit. In diesem Rahmen werden Gruppen aus dem Werdenfelser Raum, aus Innsbruck, aus Berchtesgarden und vom Tegernsee auftreten. Die Veranstaltung stellen wir gemeinsam mit der Musikschule aus Garmisch- Partenkirchen auf die Beine. Am Sonntagnachmittag tritt das Metropol Orchester im Stil der 20-er und 30-er Jahre auf. Ab 19 Uhr spielt dann die ES Big Band mit Gaststars. Das Event werden wir außerdem mit einem riesigen Feuerwerk abschließen.

L.L. / In dieser Saison werden zahlreiche Musiker im Michael-Ende-Kurpark auftreten. Woher kommen die Künstler?

E.S. / Die meisten Musiker kommen aus der Region. Beim Kathreiner-Festival werden aber auch zwei hochkarätige Oberkrainergruppen aus Slowenien und der Steiermark zu Gast sein. Insgesamt sind bei „Musik im Park“ etwa 600 MusikerInnen beteiligt.

L.L. / Fünf Monate lang kommt man fast täglich in den Genuss von Musik. Wie viele Personen sind an der Planung beteiligt?

E.S. / Es gibt ein kleines Team von Bandmitgliedern mit denen ich Ideen ausarbeite. Auch meine Frau ist in vielen Dingen Ansprechpartnerin. Das Organisatorische mache ich alleine, neben meinem Hauptberuf als Musiker. Manchmal kommt dann die Frage auf: Was ist Hauptberuf und was ist Nebenberuf? Die kann ich aber nicht beantworten und ist saisonbedingt.

La Loupe Musik Im Park Gap 2

L.L. / Bei „Junge Musikanten im Park“ wird Nachwuchsmusikanten und Sängern der Musikschule Garmisch-Partenkirchen die Möglichkeiten gegeben, ihr Können vor Publikum unter Beweis zu stellen. Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt der Nachwuchsförderung?

E.S. / Viele Kollegen von mir arbeiten im Raum Garmisch-Partenkirchen an Musikschulen und auch ich unterrichte dort. Wir versuchen, jungen Leuten mit entsprechendem Können die Möglichkeit zu geben, musikalische Erfahrungen zu sammeln. Dieses Jahr werden zwei Saxophonisten und ein Schlagzeuger ihr Debüt geben. Wir fördern die Jugend sehr gerne und es war auch immer die Idee hinter „Musik im Park“ heimischen Musikern eine Plattform zu geben. 

L.L. / Seit 1930 wird Musik im Michael-Ende-Kulturpark gespielt. Sie treten also in große Fußstapfen. Was macht diesen Ort so besonders?

E.S. / Der Kurpark liegt wie eine grüne Oase mitten im Ort. Man ist sofort in der Fußgängerzone und hat alle Geschäfte und Hotels direkt in der Nähe. Der Kurpark ist wunderschön, sehr ruhig und hat etwas Magisches. Der Park wird je nach Veranstaltung an verschiedenen Orten bespielt. Wir wechseln auch mal an den Seerosenteich oder ins Kurhaus. Hauptsächlich spielen wir aber in der Kurparkmuschel, weil dort die Akustik einfach am besten ist und das Ambiente für den Besucher sehr angenehm ist. Außerdem gibt es dort eine Tanzfläche, viele überdachte Sitzmöglichkeiten, eine schöne Beleuchtung und eine Bar. 

La Loupe Musik Im Park Gap 5

L.L. / Sie sind nicht nur Initiator, sondern auch Gastwirt und Musiker. Sie spielen selbst in mehreren Ensembles. Woher kommt Ihre Leidenschaft für die Musik?

E.S. / Nur aus Erzählungen kannte ich die musikalische Vergangenheit unserer Familie. Als ich bei einem Geburtstag zum ersten Mal ein Musikertrio aus Mittenwald hörte, war ich so fasziniert, dass ich den Wunsch hegte, ein Instrument zu lernen. Zu diesem Zeitpunkt war ich erst fünf Jahre alt. Ich lernte Akkordeon, vorallem aus dem Grund, weil der Musiklehrer im Ort war. Meine Faszination für die Trompete begann mit 13 Jahren. Heute bediene ich 10 bis 12 Instrumente, manche besser, manche schlechter. Auch mein Sohn hat seine Leidenschaft zur Musik entdeckt und spielt Gitarre. Mittlerweile hat er eine Band gegründet, die auch selbst Stücke komponiert. Ich selbst habe zunächst eine Ausbildung als Steuergehilfe gemacht und habe dann erst Trompete studiert. Das Gästehaus habe ich von meinen Eltern übernommen. Für mich ist das keine Last, sondern eher ein Rückhalt und Ausgleich.

L.L. / Mit Ihren Bands stehen Sie auf der Bühne, als Initiator sind Sie für die reibungslosen Abläufe hinter den Kulissen verantwortlich. Was ist Ihnen lieber?

E.S. / Ich mag beides gleich gerne. Dank meinem Engagement bei „Musik im Park“ kann ich viele meiner Interessen „unter einen Hut“ bringen, was das Ganze für mich interessant macht. Ich stehe aber auch sehr gerne auf der Bühne und liebe es zu spielen beziehungsweise zu dirigieren.

L.L. / Musik und Tanz gehen bei „Musik im Park“ Hand in Hand. Legen Sie selbst auch eine flotte Sohle aufs Parkett?

E.S. / Um selbt zu tanzen, bleibt häufig keine Zeit, da ich viel auf der Bühne und hinter der Bühne beschäftigt bin.

La Loupe Musik Im Park Gap 3

L.L. / Das klingt, als gäbe es auch einige stressige Situationen, oder?

E.S. / Das gibt es immer mal wieder. In der Vergangenheit fiel beispielsweise spontan ein Gastspiel aus, weil die Musiker einen Unfall auf der Autobahn hatten. In diesem Fall bin ich dann mit meinen Kollegen innerhalb einer Stunde eingesprungen. Bis jetzt ist noch nie eine Veranstaltung ausgefallen – in den ganzen 10 Jahren. Ich kann mich absolut auf meine Kollegen verlassen und unsere Zusammenarbeit ist sehr eng.

L.L. / Wenn Sie mal nicht auf oder hinter der Bühne stehen, wie verbringen Sie Ihre Freizeit in Garmisch-Partenkirchen?

E.S. / Ich treibe gemeinsam mit meiner Frau viel Sport. Vom Mountainbiken bis zur Skitour. Wir schauen, dass der Körper fit bleibt und gehen raus an die frische Luft. Das bietet sich in Garmisch-Partenkirchen natürlich an. 

Wordrap

Garmisch-Partenkirchen ist für mich ... einer der schönsten Orte.

Swing oder Blasmusik? Alles, wenn es gut gemacht ist.

Am liebsten spiele ich ... gute Musik. Ob Swing, ob Oberkrainer, ob Jazz, ob Volksmusik – wichtig ist eine hohe Qualität an Arrangements und Musikern.

Ohne die Musiker von Garmisch-Partenkirchen und Umgebung ... wäre „Musik im Park“ nicht das, was es heute ist.

Solo oder im Ensemble? Beides hat seinen Reiz, leichter ist es im Ensemble. Die Verantwortung wird auf viele MusikerInnen verteilt.