Das Beste aus vier Ländern

Gipfelgastronomie Panorama 2962 auf der Zugspitze eröffnet

©Matthias Fend

Auf Deutschlands höchstem Berg folgt ein Meilenstein auf den nächsten. Nach der Inbetriebnahme der modernen Seilbahn Zugspitze im Dezember 2017 und der Eröffnung des komplett neu errichteten Gastronomiebereichs am Gipfel verbinden sich diese Eindrücke – spektakuläre Auffahrt und kulinarischer Hochgenuss – zu einem herausragenden Gesamterlebnis.

©Matthias Fend
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Genießer dürfen sich auf ein innovatives Küchenkonzept freuen, das der offenen Hybrid-Gastronomie entspricht. So können sich die Besucher am Zugspitzgipfel nach Lust und Laune für offene Selbstbedienung oder die klassische Bedienvariante entscheiden. Während das gesamte Restaurant als Panorama 2962 firmiert, laden einzelne Bereiche mit jeweils charakteristischem Ambiente zum ausgiebigen oder schnellen Genuss ein. Vom raschen Kaffee und Snacks über gediegene Menüs bis zu Gruppenfeiern, Tagungen und Konzerten: Die verschiedenen Bereiche und multifunktionellen Räume machen alles möglich. Beste Aussichten auf landschaftlicher und kulinarischer Ebene sind garantiert. Insgesamt bietet das Panorama 2962 Platz für rund 450 Gäste im Innen- und knapp 850 im Außenbereich.

Alpine Schmankerl für jeden Geschmack

In Anlehnung an den beeindruckenden Vier-Länder-Panoramablick auf der Zugspitze lautet das kulinarische Motto der neuen Gipfelgastronomie schlicht „Das Beste aus vier Ländern“. „Durch diese Ausrichtung können wir ein breit gefächertes Spektrum an Gerichten anbieten, bei dem nationale wie internationale Gäste auf ihre Kosten kommen“, erklärt Klaus Schanda, Marketing- und Vertriebsleiter der Bayerischen Zugspitzbahn. Auf den Speisekarten bilden also Spezialitäten und Produkte aus Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland die köstliche Vielfalt der Alpenregion ab. Regional bedeutet in diesem Fall, dass Zutaten und Inspirationen aus einem Umkreis von 250 Kilometern stammen. Großen Wert legen die Küchenverantwortlichen auch auf bio- und GQB- (geprüfte Qualität Bayern) zertifizierte Produkte sowie Fair Trade, wann immer es möglich ist.

©Ameli Neureuther
©Ameli Neureuther


"Raus aus dem Alltag, rein in die Natur!"

Interview mit Designerin und Illustratorin Ameli Neureuther 

Die Dallmayr Kaffeebar im Panorama 2962 sorgt in den höchsten Höhen Deutschlands für einzigartigen Kunstgenuss. Eigens für die Räumlichkeiten gestaltete die renommierte Illustratorin Ameli Neureuther ein vierteiliges Panoramagemälde, das dort dauerhaft zu sehen sein wird. Im Interview gibt die Künstlerin, die selbst in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen ist, Einblicke in ihren spannenden Werdegang und erklärt, warum aus ihr keine Skilegende geworden ist.

©Ameli Neureuther
©Ameli Neureuther

L.L. / Ihre Mutter ist Rosi Mittermaier, Ihr Vater Christian Neureuther, Ihr Bruder Felix Neureuther – Ihre Familie scheint nur aus Skilegenden zu bestehen. Haben Sie jemals daran gedacht, auch eine Karriere als Skifahrerin anzustreben?

A.N. / Eine Skikarriere kam für mich eigentlich nie wirklich in Frage. Aber natürlich stand ich schon mit zweieinhalb Jahren auf Skiern, denn in Garmisch-Partenkirchen ist man schließlich umringt von Bergen und zudem kam ich aus einer Skifamilie. Im Vordergrund stand aber immer der Spaß. Ich bin bis zu meinem 16. Lebensjahr Ski gefahren und kam vom Skiclub in den Kader – aber ich habe schnell gemerkt, dass ich mich eher auf das Treffen mit den Münchner Skiclubs gefreut habe als auf das Rennen. Der Ehrgeiz war also an der falschen Stelle (lacht). 
Ich habe immer gespürt, dass ich mein Ding machen muss und wollte mich auch etwas von der Skikarriere distanzieren. Meine Eltern haben mich in dieser Hinsicht immer unterstützt und mich dazu ermutigt, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich bin wie ein Schmetterling, ich lasse mich treiben und vertraue meiner Intuition.

©Ameli Neureuther
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L.L. / Mit 16 entschieden Sie sich gegen den Sport und für die Mode und die Kunst. Sie gingen für Ihr Studium nach München und London und tauschten Kleinstadtidyll gegen Metropole. Wie wichtig war dieser Schritt für Ihre Entwicklung als Designerin und Künstlerin?

A.N. / Ich war zu dieser Zeit ja noch recht jung und habe in München mein Fachabi mit dem Schwerpunkt Gestaltung gemacht. Damals bin ich in eine Mädels-Dreier-WG gezogen und gerade dieser Schritt weg von der Familie in die Stadt war sehr wichtig. Ich würde sagen, dass ich schon damals etwas anders getickt habe. Ich hatte immer den Drang, mehr zu erleben als meine gleichaltrigen Freunde. Ich wollte dann mein Englisch verbessern und bin über ein Art Foundation-Jahr nach Cambridge gegangen. An diese Zeit denke ich sehr gerne zurück. Ich wusste immer, dass ich kreativ bin, doch damals war mir die Richtung noch nicht so ganz klar. Dort konnte ich neun Richtungen ausprobieren und ich habe mich dann auf Mode, Keramik und Zeichnen spezialisiert. Mode hat mich deshalb sehr interessiert, weil man zeichnen kann, aber gleichzeitig mit Stoffen und Farben arbeitet.

L.L. / Sie arbeiteten in New York beim Modelabel Marc Jacobs und waren Designerin von Wolfang Joops Wunderkind in Berlin. Was faszinierte Sie am Fashionbusiness?

A.N. / Nach Cambridge studierte ich Mode an der Esmod in München – das war hart, aber es hat auch optimal auf den Beruf vorbereitet. Dann habe ich mich bei Marc Jacobs beworben und ging ein halbes Jahr nach New York. Die Stadt bebt einfach und ist vom Flair unvergleichbar. Von dort habe ich mich in Berlin bei Wunderkind beworben, eigentlich eher zufällig, weil meine Mutter im Fernsehen gesehen hatte, dass Wolfgang Joop ein neues Label gründete. Der Stil war genau meins und ich habe mich von der Praktikantin zur Designerin hochgearbeitet. Ich war dort sechs Jahre in einem Modeparadies, das nicht auf Kommerz setzte und wo ich in meiner Kreativität komplett frei war. Ich habe auch Seite an Seite mit Wolfang Joop gearbeitet, der mich sehr inspiriert hat und ebenfalls aus der Illustration kommt.

Dann habe ich gekündigt und wusste erstmal nicht, wo die Reise hingehen sollte. Durch Zufall bin ich dann auf die App SketchBook gestoßen und habe angefangen, auf diese Art und Weise Freunde zu portraitieren – das kam in der Vergangenheit nämlich sehr zu kurz.

©Ameli Neureuther
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L.L. / Was viele nicht wissen: Sie knüpfen mit Ihrer Kunst an eine Familientradition an, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Ururgroßvater hat bereits Gedichte von Goethe verziert. Kann man Parallelen zwischen der Kunst Ihrer Vorfahren und Ihren Werken erkennen?

A.N. / Mit 32 fing ich an, mich für meine Ahnen zu interessieren. Es gibt zahlreiche Architekten und Künstler unter ihnen. Einer davon ist Ludwig Neureuther, der im 17. Jahrhundert die Trachten der Bevölkerung zeichnerisch festhielt. Diese Bilder hängen noch heute bei uns im Gang. Schon damals war also der Bezug zur Mode da. Sein Sohn, Eugen Napoleon, war mit Goethe befreundet und verzierte seine Gedichte. Und ich liebe Goethe! Ich werde jetzt auch ein Kinderbuch illustrieren, das ein Freund von mir geschrieben hat und das ebenfalls Gedichte umfasst. Der Kreis schließt sich. Auch zeichnerisch sehe ich Parallelen zu meinen Vorfahren.

L.L. / Sie machen Kunst mit dem Handy und Tablet: App Art. Die Leinwand wird zum Screen, der Stift zum Finger. Welche Möglichkeiten haben Sie dank der modernen Technik, die Sie mit klassischem Arbeitsmaterial nicht haben?

A.N. / Ich finde, man kann es nicht vergleichen. Ich bin ein totaler Fan von Bleistift, denn damit kann ich Gesichter – und das liebe ich ja – genauer zeichnen. Das Tolle an der Kunst am Tablet ist aber, dass ich schnell Farben ändern kann, ich habe die Möglichkeit zu zoomen und kann auch Schritte wieder rückgängig machen.

©Ameli Neureuther
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L.L. / Im neu eröffneten Panorama 2962 auf der Zugspitze findet man ein großes Werk von Ihnen, das durch diese Art und Weise entstanden ist. Was war Ihre Intention dahinter?

A.N. / Es ist ein farbiges Kompliment an die facettenreichen Freizeitmöglichkeiten auf der Zugspitze. Ich interpretierte die Bildsprache im Stil der Tourismus- und Bergbahnplakate aus den 1970ern, 1980ern und 1990ern neu. Dank meiner App Art kann ich subjektive Empfindungen und Eindrücke zeichnerisch festhalten und mich dabei auf das Wichtige und Wesentliche konzentrieren. Mein Panoramabild besteht eigentlich aus vier einzelnen Bildern und ist komplett auf einem Tablet entstanden und wurde dann auf 5,50 x 2,30 Meter vergrößert. Das Gemälde kommt durch die knalligen Farben im Rahmen des schlichten Panorama 2962 wunderbar zu Geltung.

Raus aus dem Alltag, rein in die Natur! Durchatmen. Den Augenblick genießen! Das waren die Gedanken zum Werk.

L.L. / Auf dem Bild sind auch Ihr Sohn und Ihr Vater zu sehen.

A.N. / Ja, genau. Die beiden waren eigentlich nicht geplant. Ich wollte aber einen Bezug zu den abgebildeten Personen – da kam mir mein Sohn in den Sinn und außerdem habe ich ein altes Foto meines Vaters gefunden, in knallbunter Skikleidung. Für mich ist die Zugspitze ein Familienerlebnis. Nun hat das Werk für mich einen sehr persönlichen Bezug, darin steckt sehr viel Herzblut.

L.L. / Seit Anfang Juli ist das Panorama 2962 offiziell eröffnet. Wie kommt das Werk bei den Besuchern der Gipfelgastronomie an?

A.N. / Es war für mich sehr spannend, denn ich wusste selbst noch gar nicht, wo das Bild hinkommt und wie es wirkt. Als ich es dann hängen sah, war ich total froh und bis jetzt habe ich noch keine negativen Stimmen gehört. Es verbreitet eine total positive Stimmung in der Kaffeebar. Und es ist schön, dass Garmisch-Partenkirchen damit auch in eine modernere Richtung geht und so auch jüngere Leute anspricht. Trotzdem gelang es, einen Bogen zwischen Tradition und Moderne zu spannen.

L.L. / Hier oben werden kulinarische Köstlichkeiten aus vier Ländern in ganz unterschiedlichen Bereichen serviert. Was bestellen Sie hier besonders gern und welche Räumlichkeit ist Ihre Liebste?

A.N. / Ich habe noch nicht alles durchprobieren können. Ich mag nach dem Skifahren am liebsten etwas Deftiges, besonders wenn man in der Höhe ist. Ich mag gerne Pizza, Currywurst, Schnitzel, eine Gulaschsuppe oder eine Pfannkuchensuppe. Ich stehe total auf diese Klassiker! Und mein Lieblingsort? Es ist tatsächlich die Kaffeebar – nicht nur wegen meiner Kunst, aber von dort schaut man direkt auf das Gipfelkreuz. Es ist einfach super gemütlich!  

©Matthias Fend
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L.L. / Heute leben Sie wieder in Garmisch-Partenkirchen. Haben Sie die Berge und die Natur in der Großstadt vermisst?

A.N. / Total. Ich bin sehr zwiegespalten zwischen dem Heimatgefühl in Garmisch-Partenkirchen, der Familie und der Bodenständigkeit dort und auf der anderen Seite dem verrückten, offenen Berlin und der Welt. Das eine ohne das andere geht nicht. Aber gerade mit Kind hat Garmisch-Partenkirchen schon seine Vorzüge. Ich habe dort auch meine Familie und ich möchte, dass mein Sohn die ersten prägenden Jahre hier glücklich aufwächst. Wohin es uns eventuell danach zieht: You never know! Ich bin ein Schmetterling, ich bin neugierig und ich will was erleben – aber ich weiß auch, dass mein Backup immer in Garmisch-Partenkirchen ist.

L.L. / Wie sieht es mit der Kreativszene in Garmisch-Partenkirchen aus. Muss man wirklich ab und zu in die quirlige Großstadt abtauchen oder profitiert man auch am Fuß der Zugspitze von einem Netzwerk?

A.N. / Es ist schwierig. Es gibt natürlich eine kleine Künstlerszene. Aber das, was ich zur Inspiration brauche, das fehlt mir. Ideen finde ich in Berlin und in anderen Städten. Da brodelt es! Und auch die Vielfalt der Menschen ist eine andere. In Garmisch-Partenkirchen ist es eher die Natur und die Ruhe, die mich inspiriert. Für mich ist beides wichtig.

Galerie

L.L. / Heute sind Sie freiberufliche Designerin und Illustratorin. Können Sie uns schon von neuen Projekten erzählen?

A.N. / Das Kinderbuch ist ein Herzensprojekt, das jetzt ansteht. Der Autor ist ein sehr enger Freund aus Berlin und er hat wirklich eine zauberhafte Geschichte geschrieben. Sie ist etwas erwachsener, also für Kinder ab sechs Jahren. Dieses Projekt werden wir im August angehen. Außerdem interessiere ich mich gerade sehr für Interior und ich übernehme die komplette Gestaltung eines Weinhotels in Franken. Ich habe zwar ein Händchen für Inneneinrichtung, aber Interior Design nicht gelernt. Genau das wollte jedoch der Hotelier: Jemanden, der ein Gespür hat und eine Linie ins Haus bringt, dem Hotel aber nicht seinen Stempel aufdrückt. Dieses Projekt macht viel Spaß und ich kann mir gut vorstellen, dass ich noch weiter in diese Richtung gehen werde.   

Wordrap mit Amelie Neureuther

Stift und Papier oder Finger und iPhone

Beides!

Als Kind zeichnete ich am liebsten ...

Pferde, inspiriert von Franz Marc.

Das mache ich auf der Zugspitze am liebsten...

Skifahren

Mein künstlerisches Vorbild?

Eine Mischung aus Egon Schiele und David Hockney.

Modisch oder praktisch?

Beides!

Ich verlasse das Haus nie ohne...

mein iPhone

Mein Stil in drei Wörtern:

Realistisch, klar und kraftvoll.