Eine Linie, die sich durch das Haus zieht

Zu Besuch im Einrichtungshaus „Dahlmeier“ in Garmisch-Partenkirchen

Seit 1913 überzeugt das Traditions-Einrichtungshaus „Dahlmeier“ mit sorgfältig ausgewählten Kleinigkeiten und exklusiven Möbeln. Hier werden dem Kunden (fast) alle Wünsche von den Augen abgelesen. Die stilvolle Handschrift zieht sich durch alle Generationen und wird heute von Andreas Dahlmeier weitergeführt. La Loupe hat mit dem Innenausstatter über die hauseigene Manufaktur und die Bedeutung von intensivem Kundenkontakt gesprochen. Dabei plauderte er auch über seine Tochter Laura, zweifache Weltmeisterin im Biathlon.

L.L. / Bereits seit über 100 Jahren gibt es das Dahlmeier in Garmisch-Partenkirchen. Wie hat alles angefangen?

A.D. / Ich bin mittlerweile die fünfte Generation. Mein Ururgroßvater war gebürtiger Aachener und war damals schon Handwerker und Sattlermeister. Er wechselte dann die Region und hat sich in Garmisch-Partenkirchen niedergelassen.

L.L. / Lebte er damals schon in diesem Haus?

A.D. / Nein, hier war bis in die 1970er-Jahre eine grüne Wiese. Meine Eltern haben das Land dann gekauft, was ein kleines Wagnis war, denn nur eine Straße führte hierher. Später kam die Unterführung und jetzt sind wir fast im Zentrum und sehr gut erschlossen. 

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L.L. / Wie groß ist Ihr Geschäft mittlerweile?

A.D. / Wir haben fast 1.000 Quadratmeter Ladenfläche. In Partenkirchen sind noch weitere Büroräume und unsere Werkstätten. Auch dort hatten wir früher noch einen Laden, mittlerweile gibt es den aber nicht mehr. Jetzt ist alles konzentriert auf ein Haus, was für uns um einiges praktischer ist. Viele Kunden sind sehr personenbezogen und können mich nun immer antreffen. Man hat eben nur einen Anlaufpunkt.

L.L. / Der intensive Kundenkontakt gehört zu den Serviceleistungen des Hauses. Was macht diesen Service aus und wie unterscheidet er sich von anderen Häusern?

A.D. / Die Beratung muss authentisch und energetisch sein. Das Dahlmeier bietet Lösungen für das komplette Haus an, ausgenommen Küche und Bad. Das ist für den Kunden sehr interessant, denn er kommt zu uns und hat sofort einen Ansprechpartner. Bei uns bekommt er eine Linie, die sich durch das ganze Haus zieht. Am schönsten ist es, wenn man frühzeitig mitreden darf und so von Anfang an miteinwirken kann. Dann entsteht ein sehr schönes, neues Zuhause. Wir haben mittlerweile auch sehr viele Stammkunden.

L.L. / In Ihrer hauseigenen Manufaktur kreieren Sie Möbel und entwerfen Boden-, Wand- und Fensterdesigns. Warum war es Ihnen wichtig, eine Werkstatt an das Einrichtungshaus Dahlmeier anzuschließen?

A.D. / Es ist wichtig, dass wir eine persönliche Handschrift haben. Der Kunde soll das Produkt bekommen, das er sich wünscht. So können wir auch sicherstellen, von wo die verwendeten Materialien kommen. Qualität ist dabei natürlich besonders wichtig. 

L.L. / Die Handarbeit hat in Garmisch-Partenkirchen große Tradition. Kommen die verwendeten Materialien überwiegend aus der Region?

A.D. / Heutzutage wird viel mehr Wert auf Naturmaterialien gelegt. Der Trend geht zu Leinen, Baumwollstoffen und Fellen. Es geht also weg von künstlichen Materialien wie Polyester und Polypropylen. Das Schönste ist natürlich auf heimische Hölzer ohne Schadstoffbelastung zurückzugreifen, auf tolles Zirbenholz oder Eiche beispielsweise. Der Kunde erhält dann ein exklusives Einzelstück, in dem auch unsere Kraft und Freude steckt. Auch optisch unterscheidet es sich natürlich auch von herkömmlichen Möbeln. Manchmal lässt es sich jedoch nicht vermeiden, auf andere Materialien zurückzugreifen. Ich kenne die Hersteller der Möbel aber sehr gut und weiß, woher sie ihr Holz beziehen und wie es verbaut wird. Es freut uns, dass wir in solchen Situationen mit Familienbetriebe zusammenarbeiten können.   

L.L. / Kommen Ihre Angestellten auch aus dem Raum Garmisch-Partenkirchen?

A.D. / Alle Mitarbeiter stammen aus der Region. Die meisten sind seit über 40 Jahren im Betrieb. Das macht uns natürlich stolz. Mittlerweile hat auch die nächste Generation bei mir angefangen und macht eine Lehre. Für Nachwuchs ist also gesorgt. 

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L.L. / Zahlreiche Möbeldiscounter locken mit günstigen Angeboten. Wie überzeugen Sie Ihre Kunden von Ihren Einrichtungskonzepten?

A.D. / Grundsätzlich decke ich das ganze Sortiment ab und biete zudem sehr günstige Stücke an; habe wiederum aber auch ein sehr hochpreisiges Segment. Eine Einrichtung ist etwas sehr Persönliches. Der Geschmack ist individuell. Wenn es um Komplexlösungen geht, braucht man ganz bestimmte Möbelstücke, die nach Maß angefertigt werden müssen. Dann kommt der Kunde zu mir. Ich locke natürlich auch durch tolle Ausstellungsräume und große Fenster. So etwas sieht man beim Möbeldiscounter nicht. Ich hoffe, dass ich dadurch die Kunden von morgen anziehe.

L.L. / Ist es möglich mit kleineren Einrichtungsstücken anzufangen und diese dann im Laufe der Zeit zu erweitern?

A.D. / Ich habe sehr viele Kleinigkeiten. Man kann das Zimmer auch mit einem Kissen, schönem Geschirr und interessanten Accessoires erweitern. Wir bieten in dieser Hinsicht auch sehr viele besondere Stücke an. 

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L.L. / Wer ist bei Ihnen für die Schaufenstergestaltung verantwortlich?

A.D. / Gemeinsam mit meiner Frau kümmere ich mich um den Einkauf. Wir geben also schon eine gewisse Grundtendenz vor. Die Dekoration übernehmen aber zwei Damen, die schon sehr lange im Hause sind und wissen, was ich mir vorstelle. Die beiden leisten wirklich gute Arbeit und haben auch ihre Freiheiten. Manchmal bin ich anfangs skeptisch, doch dann sieht die Dekoration top aus und schlussendlich bin ich überzeugt. Ich werde also immer mal wieder überrascht. Ich bin sehr offen und muss auch nicht überall meinen eigenen Stempel drauf drücken.

L.L. / Sind Sie auch auf internationalen Messen unterwegs?

A.D. / Eine der Hauptmessen ist in Mailand. Dadurch, dass skandinavische Linien momentan sehr angesagt sind, ist Stockholm für uns auch wichtig. Wir bleiben offen und schauen uns viel um. Ich möchte besondere Stücke zeigen und dafür muss man hinaus in die Welt und schauen, was angeboten wird.


L.L. / Wohnen ist in den letzten Jahren zu einem großen Trend geworden. Macht man heute häufiger die Türe auf und zeigt, wie man wohnt?

A.D. / Wohnzeitschriften hat es eigentlich schon immer gegeben und es gibt viele Menschen, die es zuhause schön haben wollen. Für viele ist es heutzutage aber wichtiger, Geld in Dinge zu investieren, die man nach außen trägt: beispielsweise ins Auto oder in die Mode. Das ist auch typbedingt. Viele Kunden legen aber auch Wert auf ein schönes Zuhause und gönnen sich dafür besondere Stücke. 

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L.L. / Häuser und Wohnungen sind sehr persönliche Rückzugs- und Ruheorte. Wie lange brauchen Sie für eine Beratung?

A.D. / Es kommt darauf an, wie tief die Beratung ist und wie eng man mit dem Kunden zusammenarbeitet. Energetisch oder farblich kann man beispielsweise sehr viel berücksichtigen. In dieser Hinsicht werden in Zukunft sicher einige neue Wege eingeschlagen. Aber es gibt auch Kunden, die sofort wissen, was sie möchten. Wenn etwas ganz gegen meine Linie geht, bin ich aber auch so frei und spreche das an. Ich gebe also mein Fachwissen mit auf den Weg. Wenn man frühzeitig und sehr tief in die Planung involviert ist, kann die Beziehung zum Kunden sehr eng werden. Die Beratung kostet auch nichts – das gehört zu unserem Service.

L.L. / Sollte man in Designklassiker investieren?

A.D. / Jedes Geschäft und jede Region hat seine Eigenheiten und seine eigene Linie. Meiner Ansicht nach lebt eine Einrichtung nur durch persönliche Stücke. Ich kann einen Raum zwar bis zu einem bestimmten Punkt fertig gestalten, aber das Leben bringt der Kunde selbst mit, indem er persönliche Lieblingsstücke integriert. Da kommt es auch nicht unbedingt darauf an, dass es ein Klassiker ist, sondern ein besonderes Stück. Erst dann fängt der Raum an zu leben. 

L.L. / Folgt die Region um Garmisch-Partenkirchen auch Ihren ganz eigenen Trends?

A.D. / Der Trend geht aufjeden Fall zurück zur Natur, zu früheren Zeiten. Man hat oft den Fehler gemacht und sehr modern gebaut und sich nach der Mode gerichtet. Das klassische Haus, wie man es von früher kennt, hat jedoch enormen Bestand. Und so verhält es sich auch mit der Einrichtung. Ich halte nicht sehr viel von verkünstelten Objekten, viel eher sollten sie in Form und Funktion auch der Wirklichkeit entsprechen. Auch Gegensätze sind sehr spannend, so kann man moderne Dinge oft auch mit Traditionellem verbinden. Wir haben vor Ort tolle Produkte: Natursteine lassen sich beispielsweise häufig in eine Gestaltung integrieren. Auch die Hölzer der Region, wie Fichte, Lerche oder Birne, kann man verwenden. Wir haben sehr viele tolle Materialien in der Region, die einen Platz im Raum verdienen.

L.L. / Gibt es etwas, das Sie gar nicht mögen?

A.D. / Momentan kann ich Perserteppiche nicht mehr sehen. Sie sind so bunt, dass sie für mich häufig ein Raumkonzept zerstören.

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L.L. / Herr Dahlmeier, Ihre Tochter Laura ist eine bekannte deutsche Biathletin und zweifache Weltmeisterin. Ist die Begeisterung für den Sport tief in der Familie Dahlmeier verankert? Wurde ihr das Talent in die Wiege gelegt?

A.D. / Meine Frau und ich sind beide sehr sportlich und haben früher auch sehr viel Leistungssport betrieben. So hat sie es natürlich schon ein wenig in die Wiege gelegt bekommen. Aber unsere Kinder sind generell sehr, sehr sportlich aufgewachsen. Wir freuen uns über den Erfolg unserer Tochter und waren auch in Oslo dabei. Wir haben Laura aber nie unter Druck gesetzt. Es war ihr Wille, Karriere als Sportlerin zu machen. Und wir haben sie so gut es ging dabei unterstützt und tun das heute noch immer.

L.L. / Wäre es Ihnen lieber gewesen, Laura wäre in Ihre Fußstapfen getreten und hätte sich der Einrichtung verschrieben?

A.D. / Zum Glück habe ich ja zwei Kinder (lacht). Mit meinem Sohn teile ich die Leidenschaft zur Innenausstattung. Deshalb hat er hier im Betrieb eine Lehre als Raumaustatter begonnen. Er ist sehr interessiert und vielleicht wird er eines Tages auch das Dahlmeier übernehmen. 

L.L. / Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

A.D. / Ich bin ein großer Familienmensch und treibe viel Sport. Ich freue mich immer sehr auf Zuhause und auf die gemeinsamen Unternehmungen, die wir mit den Kindern machen. Außerdem reise ich gerne und mache Expeditionen. Auch davon bringe ich viele Ideen für die Inneneinrichtung mit.

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Wordrap

Mein liebstes Designobjekt ... ist ein altes Bauernhaus.

Trendfarbe Rose Quartz (Rosa) oder Serenity (Hellblau)? Für mich gibt’s keinen Trend.

Dieser Designer inspiriert mich: Tricia Guild.

Mein außergewöhnlichster Auftrag: Die Einrichtung eines großen Privatjets und bayerische Häuser im Oman.

Modern oder vintage? Vintage.

Von meinen Eltern und Großeltern lernte ich ... sehr viel!

Infobox

Andreas Dahlmeier führt das Traditions-Einrichtungshaus „Dahlmeier“, das sich in über 100 Jahren zu einer festen Institution in Garmisch-Partenkirchen entwickelt hat. Dort werden nicht nur stilvolle Interior-Designs geplant, sondern auch selbst hergestellt. In den Manufakturen werden in liebevoller Handarbeit Einzelstücke gefertigt, die durch die individuelle Handschrift des Einrichtungshauses überzeugen.